05. Juni 2021 / 16:58 Uhr

Doppelgold für Hannover: Köhler und Schwarz sichern sich in Berlin den Meistertitel

Doppelgold für Hannover: Köhler und Schwarz sichern sich in Berlin den Meistertitel

Stefan Dinse
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Angelina Köhler und Sven Schwarz (eingeklinkt) zeigen sich in Berlin von ihrer besten Seite.
Angelina Köhler und Sven Schwarz (eingeklinkt) zeigen sich in Berlin von ihrer besten Seite. © dpa/picture alliance/IMAGO/camera4+
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Nach 58,42 Sekunden konnte Angelina Köhler jubeln. Die 20-Jährige von Hannover 96 hat bei der deutschen Meisterschaft in Berlin den Titel über 100 Meter Schmetterling. Mit Sven Schwarz (Waspo 98) hat ein weiterer Hannoveraner Gold geholt, er triumphierte über 800 Meter.

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Sie hat sich von diesem ganzen Stress nach einer Coronavirus-Infektion noch nicht erholt, aber Angelina Köhler hat ihn zumindest für eine Zeit lang weggeschmettert. Genauer gesagt für 58,42 Sekunden und den folgenden Jubel. Die Delfinspezialistin gewann bei der deutschen Meisterschaft im Schwimmen in Berlin anlässlich der „Finals 2021“ den Titel. „Ich habe gezeigt, dass ich nicht weg bin, weil ich Corona hatte“, sagte die 20-Jährige überglücklich.

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Nach dem Anschlag strahlte Köhler, ballte die Faust und streckte kurz die Zunge heraus. Es wirkte, als wolle sie so dem Virus einen letzten Gruß übermitteln. Sie hatte deswegen den Start bei der Olympiaqualifikation im April noch verpasst. Bei der folgenden EM schaffte sie die für Tokio geforderte Zeit von 57,90 nicht. „Diese Norm zu schwimmen war schlichtweg unmöglich“, so Köhler. Sie wurde ausgebremst, hatte nicht intensiv genug trainieren können. Die Phase mit der Infektion und der Zwangspause empfand sie als die „stressigste Zeit in ihrem Leben“.

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In Berlin ließ Köhler sogar Tokio-Starterin Lisa Höpink (Essen/58,68) hinter sich. Ob es eventuell noch einen Startplatz für Köhler geben könnte bei den Spielen, ist und bleibt ungewiss. „Die Chance beträgt vielleicht fünf Prozent, es wäre eine Überraschung, wenn ich nachnominiert werden sollte“, so Köhler, die sich Klarheit wünscht: „Ich würde das am liebsten aber jetzt hinter mir lassen.“

"Das bedeutet mir unheimlich viel"

Am Wochenende will sie noch weitere Medaillen ersprinten. Die Chance gibt es am Samstag über 50 Meter Freistil und Delphin, am Sonntag stehen noch die 100 Freistil an. „Ich bin jetzt aber schonmal deutsche Meisterin, das bedeutet mir unheimlich viel“, betonte Köhler.

Über die langen Meter hat sich der ebenfalls an Corona erkrankte Sven Schwarz von den Wassersportfreunden 98 zurückgemeldet. Und das nicht allein mit dem Meistertitel über 800 Meter. In 7:52,02 Minuten blieb der Wunstorfer klar unter der vom Weltverband FINA veranschlagten Tokio-Norm von 7:54,31. „Sven und Angelina haben gezeigt, dass sie bereit gewesen wären für Olympia. Corona hat uns alles kaputt gemacht“, sagte Niedersachsens Landestrainer Emil Guliyev.

Wochenlang hatte Schwarz nicht oder nur mit wenig Intensität trainieren können. Und dann schwamm er in Berlin einen Vorsprung von mehr als drei Sekunden auf den Zweitplatzierten Oliver Klemet (Wetzlar/ 7:55,12) heraus. Obendrein war es der deutsche Altersklassenrekord für 19-Jährige. „Das war schon sehr gut dafür, dass ich drei Wochen weg war“, sagte Schwarz.

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Er schwamm sehr ruhig und souverän, baute seinen Vorsprung kontinuierlich aus. „Ich denke, dass ich noch viele Jahre vor mir habe und niemals den Spaß und die Lust am Schwimmen verliere“, sagte Schwarz, der in Berlin noch weitere Bestzeiten toppen will, unter anderem über 1500 Meter.

Lob gab es auch von Waspo-Präsident Bernd Seidensticker, der sich den Livestream aus Berlin ansah: „Eine sensationelle Leistung, wir sind stolz. Wenn Sven 2024 bei den Spielen in Paris schwimmt, versuche ich mir eine Eintrittskarte zu sichern.“