19. Oktober 2022 / 16:02 Uhr

Deutsche Nationalteams im Tischfußball an der Weltspitze

Deutsche Nationalteams im Tischfußball an der Weltspitze

Bruno Tschoner
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Maura Porrmann (zweite von links) kurbelt das Damen Team zum WM-Titel. Bei Führungsspielerin Lilly Andres (links), Coach Mick Kunath (Mitte) und dem Rest des Teams brechen alle Dämme. 
Maura Porrmann (zweite von links) kurbelt das Damen Team zum WM-Titel. Bei Führungsspielerin Lilly Andres (links), Coach Mick Kunath (Mitte) und dem Rest des Teams brechen alle Dämme.  © Surf Up Agentur
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Deutschlands Nationalteams haben auf der WM 2022 in Nantes eindrucksvoll den Status als Nummer eins der Welt untermauert. So viele Goldmedaillen wie der Zweit- und Drittplatzierte zusammen wurden bejubelt.

Wie gut und oft man spielen muss um nominiert zu werden, welche Besonderheiten Tischfußball in Bezug mit sich bringt und warum speziell die Damen gerade besonders im Fokus stehen? Diese Fragen hat der Sportbuzzer im Gespräch mit den Nationaltrainern Jörg Harms (Herren), Mick Kunath (Damen) und Peter Groß (Junioren) geklärt. Grundsätzlich ist der Weg um für sein Land zu Kickern kein wesentlich anderer als beim großen Bruder Fußball. „Ganz einfach gesagt: Ich muss sehen, dass der Kandidat wiederholt starke Leistungen auf großen Turnieren bringt. Hier vor allem auch auf Multitablebewerben wie den World Series oder der Bundesliga“, erklärt Herrencoach Jörg Harms. Multitable bedeutet das Spiel auf verschiedenen Tischmodellen. Bei der WM beispielsweise wird auf fünf vom Weltverband zugelassenen Modellen gespielt.

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Für die Spieler und Spielerinnen bedeutet das, auch internationale Turniere beispielsweise in Frankreich, Österreich und den Niederlanden anzusteuern. Da sind dann schon mal 30 Wochenenden im Jahr für den Sport verplant, plus Training allein und im Verein.

Zu all dem „heißt das bei den Turnieren mal ein oder zwei Tage länger zu bleiben um mit dem Team antreten und trainieren zu können. Das ist eine wesentliche Frage: Bin ich bereit das zu investieren?“, erklärt Damencoach Mick Kunath.

Dem Berliner ist im Juli 2022 bei der WM in Nantes das Meisterstück gelungen, das ein wenig an die Fußballnationalmannschaft 2014 erinnert hat. Zehntausende in der Arena in Nantes und im Livestream haben das Herzschlagfinale in der Verlängerung gegen die USA bejubelt. In der Kickercommunity gibt es durchaus einen kleinen Hype um die Damen, die ansonsten noch eher im Schatten der Männer stehen.

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Zwei Trainingslager im Vorfeld, das Singritual vor den Spielen oder die Unterstützung der Ersatzspielerinnen, die an Lukas Podolski oder Roman Weidenfeller erinnerten, bildeten eine eingeschworene Einheit. Und das obwohl sich die Spielerinnen das ganze Jahr gegenüberstehen und hartnäckig als Kontrahentinnen bekämpfen. „Das ist gut so und gewollt, aber damit das funktioniert ist es wichtig, dass alle verinnerlichen, der Erfolg des Teams steht über allem. Das bedeutet sich zurücknehmen zu können und das Team und seine Teamkolleginnen am und abseits des Tisches mit vollem Einsatz zu unterstützen.“, beschreibt Kunath.

Adrian Brustein (im Sturm) und das Juniorenteam U19 war nicht zu stoppen. Gold im Team gegen Frankreich. Die deutsche Tischfußballzukunft scheint gesichert zu sein.
Adrian Brustein (im Sturm) und das Juniorenteam U19 war nicht zu stoppen. Gold im Team gegen Frankreich. Die deutsche Tischfußballzukunft scheint gesichert zu sein. © Surf Up Agentur

Darauf achtet auch Herrencoach Jörg Harms, wobei bei den Herren nicht nur er entscheidet wer mit dabei ist. „Es entscheidet eine Nominierungskommission mit Vertretern aus dem DTFB. Mein Wort hat natürlich das größte Gewicht“, meint Harms, dessen Spezialität es ist junge Spieler zu formen. So ist er 2017 als Spieler mit 48 Jahren ältester Doppelweltmeister geworden. An seiner Seite der damals 18-jährige und damit jüngste Champion Marvin Velasco, der zum fixen Interieur der Nationalelf gehört. Harms schreckt also nicht davor immer wieder junge Spieler ins Team zu berufen. 

Dass das überhaupt zur Debatte liegt an der starken Nachwuchsarbeit in Deutschland. Auf großen Turnieren ist es keine Seltenheit mehr, dass Jugendliche im Topfeld landen. Ausgebildet in Vereinen und Leistungszentren, geschult durch lizenzierte Coaches blickt Kickerdeutschland in eine rosige Zukunft. Peter Groß, Juniorennationalcoach, hat also die Qual der Wahl. Bei ihm spielt logischerweise die mittefristige Entwicklung eine Rolle. „Im Juniorenbereich ist es daneben für mich noch besonders wichtig vorauszuplanen. Ich achte aus diesem Grund immer darauf, dass der Kader aus Kids unterschiedlicher Alterskategorien besteht und sich dementsprechend nicht mein gesamter Kader in einem Jahr auflöst, weil die Kids zu alt für den Juniorenbereich geworden sind.“

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