27. Januar 2022 / 22:21 Uhr

Nach Gosens-Transfer: Deutsche Fußballer bei Inter Mailand - Vom Weltmeister-Trio um Matthäus bis Podolski

Nach Gosens-Transfer: Deutsche Fußballer bei Inter Mailand - Vom Weltmeister-Trio um Matthäus bis Podolski

Dennis Ebbecke
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Robin Gosens (links) steht ab sofort bei Inter Mailand unter Vertrag. Vor ihm spielten auch schon die deutschen Ex-Nationalspieler Andreas Brehme und Lothar Matthäus (Mitte) sowie Lukas Podolski (rechts) für die Nerazzurri.
Robin Gosens (links) steht ab sofort bei Inter Mailand unter Vertrag. Vor ihm spielten auch schon die deutschen Ex-Nationalspieler Andreas Brehme und Lothar Matthäus (Mitte) sowie Lukas Podolski (rechts) für die Nerazzurri. © Getty Images/IMAGO/Sven Simon (Montage)
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Robin Gosens geht als neunter deutscher Inter-Profi in die Geschichte des italienischen Spitzenklubs ein. Der SPORTBUZZER erinnert an die schwarz-rot-goldenen Vorgänger des Nationalspielers bei den Nerazzurri - vom Weltmeister-Trio um Lothar Matthäus, Andreas Brehme und Jürgen Klinsmann bis zum kurzen Intermezzo von Lukas Podolski. 

Der Transfer von Robin Gosens ist perfekt. Der deutsche Nationalspieler wechselt innerhalb der Serie A von Atalanta Bergamo zu Inter Mailand, unterschrieb bei dem italienischen Spitzenklub einen Leihvertrag mit Kaufpflicht. Damit ist der Flügelspieler der nunmehr neunte deutsche Fußballer, der das Trikot der Nerazzurri überstreift. Der SPORTBUZZER gibt einen Überblick über die schwarz-rot-goldenen Profis, in deren Fußstapfen der 27-Jährige mit seinem Wechsel tritt.

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Geht es um deutsche Stars im Inter-Dress, kommt den meisten Fußballfans zunächst das Trio um Lothar Matthäus (115 Serie-A-Spiele / 40 Tore), Andreas Brehme (116 Spiele / elf Tore) und Jürgen Klinsmann (95 Spiele / 34 Tore) in den Sinn. Als diese drei Legenden 1990 mit der DFB-Auswahl unter Teamchef Franz Beckenbauer in Italien Weltmeister wurden, war es für sie nahezu ein Heimspiel. Denn: Die drei Nationalspieler, die in Rom den goldenen Pokal in die Höhe recken durften, verdienten allesamt ihr Geld zu dieser Zeit in Mailand.

Ein Jahr nach dem WM-Coup feierten die drei Deutschen mit Inter den Gewinn des UEFA-Cups. Für Klinsmann, der erst 1989 und damit eine Saison später als seine beiden Landsmänner nach Norditalien gewechselt war, war es der erste Titel mit dem Traditionsklub. Matthäus und Brehme hingegen kamen bereits in ihrer ersten Spielzeit, also 1988/89, in den Genuss der italienischen Meisterschaft - unter dem späteren Bayern-Trainer Giovanni Trapattoni, der die zwei DFB-Spieler im Doppelpack in die Serie A gelotst hatte.

Matthäus, Brehme & Klinsmann bei Inter: Das Pendant zu Milans Holland-Trio

Während Inter Matthäus, Brehme und Klinsmann hatte, erfreute sich Stadtrivale AC Mailand in dieser Zeit an einem niederländischen Trio - bestehend aus den Weltstars Marco van Basten, Ruud Gullit und Frank Rijkaard. Inter gegen Milan: Das war Ende der 80er und Anfang der 90er auch ein Duell zwischen Deutschland und Holland. Bis heute wird Rekordnationalspieler Matthäus nie müde zu erwähnen, dass Inter "die schönste Zeit meines Fußballerlebens" war. Als sich die schwarz-rot-goldene Achse 1992 geschlossen verabschiedete - Matthäus zog es zurück zu den Bayern, Brehme nach Saragossa und "Klinsi" nach Monaco - präsentierte Inter mit Matthias Sammer einen deutschen "Nachfolger". Doch die Verpflichtung des Antreibers vom VfB Stuttgart für damals umgerechnet 12 Millionen D-Mark entpuppte sich als Missverständnis. Nach elf Spielen (vier Tore) war das Sammer-Kapitel in Mailand beendet, ehe er beim BVB zum Weltklassespieler wurde.

Auch wenn Matthäus, Brehme und Klinsmann von den Inter-Fans heute noch große Sympathien entgegengebracht werden: Die ersten deutschen Profis bei den Nerazzurri waren sie nicht. Als 1963/64 die Bundesliga ihre Pforten öffnete, weilte ein Nationalspieler in Italien: Horst Szymaniak (6 Spiele / kein Tor). Durchsetzen konnte sich der Mann, der 43 A-Länderspiele mit dem Adler auf der Brust bestritt und 2009 im Alter von 75 Jahren verstarb, jedoch nicht.

Hansi Müller und Karl-Heinz Rummenigge: Zwischen Freud und Leid

Einen besseren Einstand erwischten in den 80ern Hansi Müller (47 Spiele / neun Tore) und Karl-Heinz Rummenigge. Ersterer wechselte als Europameister 1980 und Vizeweltmeister 1982 vom VfB Stuttgart zu Inter - und traf dreimal in den ersten drei Spielen. Aufgrund einer Knieverletzung konnte er diese Quote allerdings nicht halten und verabschiedete sich 1984 in Richtung Como. Seine Zeit bei den Nerazzurri hat der Schwabe bis heute dennoch in bester Erinnerung behalten, wie er in einem 11 Freunde-Interview verriet: "Wenn ich heute nach Mailand komme, habe ich stets das Gefühl, als hätte ich letztes Jahr noch dort gespielt. Und das ist etwas ganz Tolles. Da steht das Menschliche im Vordergrund."


In demselben Jahr sicherten sich die Mailänder die Dienste des amtierenden Bundesliga-Torschützenkönigs: Karl-Heinz Rummenigge. Mit einer Ablösesumme von rund elf Millionen D-Mark avancierte "Kalle" zum zweitteuersten Fußballer der Welt - nur Neapel hatte für Diego Maradona (24 Mio. D-Mark Ablöse) noch mehr Geld auf den Tisch gelegt. Zwar erzielte Rummenigge 24 Tore in 64 Serie-A-Partien, verließ den Verein drei Jahre später jedoch ohne Titel im Gepäck.

Das kurze Podolski-Intermezzo 2015

Rund drei Jahrzehnte später ereilte mit Lukas Podolski einem weiteren deutschen Stürmer ein ähnliches Schicksal: Lukas Podolski, der im Januar 2015 auf Leihbasis vom FC Arsenal ins San Siro gewechselt war, blieb ebenfalls titellos und erzielte in 17 Liga-Spielen lediglich einen Treffer (beim 2:1 gegen Udinese Calcio). "Poldi" war der bis dato letzte deutsche Fußballer, der das Inter-Trikot überstreifen durfte. Gosens, ein ähnlicher Spielertyp, möchte in Mailand nachhaltiger von sich reden machen. Sein Vorteil: Das "Land des Stiefels" ist für den 27-Jährigen kein Neuland, da der Ex-Atalanta-Profi seit 2017 ein fester Bestandteil der Serie A ist.