21. November 2020 / 09:31 Uhr

Deutsche Skispringer wollen Nationen-Wertung gewinnen - Hoffnungen ruhen auf Eisenbichler

Deutsche Skispringer wollen Nationen-Wertung gewinnen - Hoffnungen ruhen auf Eisenbichler

Roman Gerth und Stefan Döring
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die Skispringer starten im polnischen Wisla in die neue Saison – Markus Eisenbichler gilt als aussichtsreichster deutscher Springer. 
Die Skispringer starten im polnischen Wisla in die neue Saison – Markus Eisenbichler gilt als aussichtsreichster deutscher Springer.  © Verwendung weltweit
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Die Skispringer starten im polnischen Wisla in die neue Saison – Markus Eisenbichler gilt als aussichtsreichster deutscher Springer. Vor allem der Weltcup-Rekordsieger Gregor Schlierenzauer traut dem deutschen Meister viel zu. Der Deutsche Skiverband will wieder die Nationenwertung gewinnen.

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Kein Geringerer als der erfolgreichste Skispringer der Weltcup-Geschichte traut einem Deutschen Großes zu, wenn an diesem Wochenende im polnischen Wisla die Saison beginnt. "Aus deutscher Sicht wird Markus Eisenbichler sehr, sehr stark sein", sagte der Österreicher Gregor Schlierenzauer dem SPORTBUZZER. Der 30-Jährige, der seinen letzten Sieg vor rund sechs Jahren feiern konnte, muss es wissen. Schließlich will er selbst endlich wieder erfolgreich sein in diesem Jahr und den 54. Weltcup-Sieg seiner Karriere in Angriff nehmen. Womöglich schon in Wisla? "Ich bin weiter als letztes Jahr – ob mir der Schritt nach ganz vorn gelingt, wird sich zeigen", sagte er.

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Etwas Unsicherheit schwingt also selbst beim erfahrenen Schlierenzauer mit. Aufgrund der Coronavirus-Pandemie fiel der Sommer-Grand-Prix aus, weshalb keine Vergleichswerte vorliegen. Auch Trainingslager konnten nicht stattfinden. Die DSV-Springer haben deshalb interne Wettkämpfe veranstaltet und unter anderem in Oberstdorf trainiert.

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Klar ist: Wer in Deutschland vorn mitspringt, tut dies auch im Weltcup. Karl Geiger wurde vergangene Saison Zweiter in der Gesamtwertung und feierte vier Siege im Einzel. Auch als Team trat keine Nation so geschlossen auf wie Deutschland. "Wir waren im vergangenen Winter in der Nationenwertung die Nummer eins und diese Position wollen wir natürlich auch verteidigen", sagte DSV-Sportdirektor Horst Hüttel dem SPORTBUZZER. "Die Vorbereitung lief trotz der schwierigen äußeren Rahmenbedingungen komplikationsfrei." Wenngleich diese Rahmenbedingungen aufgrund der Coronavirus-Pandemie etwas anders sind als gewohnt – auch in den Wettkämpfen. Schanzen ohne Zuschauer und regelmäßige Tests gehören jetzt zum Alltag. Dennoch war "die Stimmung im Team durch den gesamten Sommer hinweg toll und es wurde mit extrem viel Leidenschaft und Freude agiert", sagte Hüttel.

Vor allem Eisenbichler ist in Form. Das hat sich rumgesprochen unter den Athleten – nicht nur aufgrund des Titels bei der deutschen Meisterschaft vor wenigen Wochen. Auch in der Qualifikation am Freitag überzeugte er als Dritter. Er brennt auf den Saisonstart: "Die Schanze in Wisla mag ich ganz gern. Aktuell fühle ich mich ziemlich gut, die Motivation ist groß. Ich bin auch schon ein bisschen nervös und freue mich, dass es losgeht."


An seiner Seite werden zwei altbekannte Springer aus deutscher Sicht sein. Severin Freund und Andreas Wellinger sind nach ihren langen Verletzungspausen wieder im Weltcup-Team von Bundestrainer Stefan Horngacher dabei. Vor allem von Wellinger, dem Olympiasieger von 2018, darf aktuell jedoch nicht zu viel erwartet werden, wenngleich er 2014 in Wisla seinen ersten Weltcup-Sieg feierte. 20 Monate war er aufgrund eines Kreuzbandrisses zuletzt außer Gefecht gesetzt. "Der Körper funktioniert gut. In der Vorbereitung ging es, wie so oft im Skispringen, mal besser, mal schlechter – aber im Großen und Ganzen bin ich zufrieden", sagte er nun.

Dass er in Polen dabei ist, heißt nicht, dass er seinen Platz im Team sicher hat. "Er muss die Leistung im Weltcup bringen", sagte Horngacher. Schließlich haben in seiner langen Leidenszeit andere seinen Platz eingenommen. Allen voran Geiger und Eisenbichler, die in dieser Saison wieder die besten deutschen Siegchancen haben dürften. Doch auch Martin Hamann, Pius Paschke und Constantin Schmid haben sich im DSV-Kader etabliert. Richard Freitag etwa hat es momentan nicht einmal unter die besten sieben deutschen Springer geschafft – zu hoch ist das allgemeine Niveau.

Im Skispringen geht es indes so schnell bergauf oder bergab wie in kaum einer anderen Sportart. Davon kann auch Schlierenzauer ein Lied singen, der nun endlich wieder im Weltcup eine wichtige Rolle spielen will. "Nach oben zu kommen geht schwerer, als zu fallen. So ist das leider. Ich habe im Sommer aber ein paar tolle Bestätigungen bekommen", sagte er. "Ich habe gute Grundlagen geschaffen." Auf diesen will er nun aufbauen – genauso wie das deutsche Team. "Die Freude ist riesengroß, endlich wieder Wettkämpfe zu absolvieren“, sagte Bundestrainer Horngacher.