24. März 2020 / 16:37 Uhr

Deutsche Sportler reagieren auf Olympia-Aus: "Diese Spiele wären die Hölle für uns gewesen"

Deutsche Sportler reagieren auf Olympia-Aus: "Diese Spiele wären die Hölle für uns gewesen"

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die deutschen Sportler Marcel Nguyen (von links, im Uhrzeigersinn), Ronny Rauhe, Robert Harting und Gesa Krause haben sich zur Olympia-Absage geäußert.
Die deutschen Sportler Marcel Nguyen (von links, im Uhrzeigersinn), Ronny Rauhe, Robert Harting und Gesa Krause haben sich zur Olympia-Absage geäußert. © Getty/imago images/ZUMA Wire
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Die Absage der Olympischen Spiele von Tokio nehmen die deutschen Sportler mit Erleichterung zur Kenntnis. Allerdings mischen sich die positiven Reaktionen auf die Entscheidung von IOC und den japanischen Organisatoren auch mit Kritik am zögerlichen Vorgehen.

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Die Entscheidung ist gefallen: Olympia 2020 wird es nicht geben. Wie das IOC und Japan beschlossen haben, werden die Spiele der 32. Olympiade wegen der weltweiten Coronavirus-Pandemie nicht wie geplant im Juli und August in Tokio ausgetragen, sondern erst 2021. Damit gaben die Veranstalter großem öffentlichem Druck nach. Zahlreiche Sportler und Mitgliedsverbände hatten eine Absage oder Verlegung der Wettkämpfe gefordert.

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Entsprechend erleichtert reagierte die Sportwelt auf die Nachricht, die Japans Premierminister Shinzo Abe am Dienstag der Öffentlichkeit präsentierte. Wir haben einige Reaktionen von deutschen Sportstars zusammengestellt. Sie alle sind erleichtert, dass die Spiele von Tokio vorerst abgesagt wurden. Einige übten jedoch auch Kritik am IOC – wegen der allzu zögerlichen Art, in der die Olympischen Spiele abgesagt wurden.

Zehnkampf-Weltmeister Niklas Kaul: "Die Entscheidung ist richtig für alle Sportler. Ich hoffe, dass wir alle 2021 die Spiele bekommen, die wir uns erträumen. Jetzt ist Zeit, an den Schwächen zu arbeiten – was mir natürlich nicht schmeckt."

Speerwurf-Olympiasieger Thomas Röhler: "In dem Moment, als die Entscheidung kam, war ich froh. Es wird rein sportlich eine Herausforderung. Der Kampf hat sich aber gelohnt, dass wir als Sportler unserer Stimme Nachdruck verliehen haben. Natürlich war der Plan zwei Jahre straight auf Olympia ausgerichtet. Aber in der aktuellen Zeit hat man andere Probleme. Die Entscheidung nimmt viel mentalen Druck von den Sportlern. Die Spiele im späteren Verlauf von 2020 hätten niemanden beruhigt, weil niemand weiß, wie es wirklich weitergeht mit dem Virus. 2021 gibt uns mehr Sicherheit. Ich bin hoffnungsvoll, dass wir wunderbare und schöne Spiele haben werden."

Kanu-Olympiasieger Rauhe: "Das muss ich erst mal sacken lassen"

Ronald Rauhe, Kanu-Olympiasieger: "Das war gesellschaftlich unumgänglich. Diese Spiele wären die Hölle für uns gewesen. Wir waren in einem ständigen Dilemma: Auf der einen Seite wollten wir trainieren, auf der anderen unserer Vorbildfunktion in der Gesellschaft gerecht werden und Kontakte meiden. Andererseits: Ich wollte nach den Spielen meine Karriere beenden. Jetzt muss ich das erst mal sacken lassen und mit meiner Frau Gespräche führen. Das dauert jetzt vielleicht ein paar Wochen."

Turn-Star Marcel Nguyen: "Es gab keine Alternative. Hoffentlich feiern wir alle 2021 ein großes Festival in Tokio – und dieser Unsinn mit dem Training im Garten ist jetzt zu Ende."

Gesa Krause, Hindernis-Europameisterin: "Während unsere Welt in einer Krise steckt, ist die Verlegung von Olympia die einzig richtige Entscheidung. Die Gesundheit eines jeden Einzelnen und der Schutz unserer Gesellschaft sollten immer im Vordergrund stehen. Auch wenn man es vorhersehen konnte, so ist die endgültige Entscheidung dennoch schockierend. Mein Leben war auf dieses Event ausgerichtet, und die Veränderung zu verarbeiten benötigt sicher etwas Zeit. Meine Ziele haben sich nicht geändert. Sie sind nur um ein Jahr verschoben. Die Arbeit geht also weiter."

Makoto Hasebe, japanischer Bundesliga-Profi von Eintracht Frankfurt: "Es ist die richtige Entscheidung, Olympia im nächsten Jahr stattfinden zu lassen. Japan und Tokio werden ein toller Gastgeber sein, und wir alle hoffen, dass wir dieses Ereignis 2021 ohne die aktuellen Sorgen genießen können."

Robert Harting: "Dass ein Virus zur Olympia-Verschiebung führt, ist Wahnsinn"

Robert Harting, Diskus-Olympiasieger: "Alles andere als sich der Weltgesundheit zu stellen und den Austragungszeitraum respektvoll anzupassen, würde das IOC zum Straftäter machen. Denn die Vereinten Nationen haben Gesundheit zu einem Menschenrecht erklärt. Dass ein Virus zur Olympia-Verschiebung führt, ist Wahnsinn. Es wird auch extreme Verschiebungen in der Wirtschaft geben, auch für die Athleten. Das wird auch zu Verschiebungen der Leistungsfähigkeit führen."

Radsport-Profi Maximilian Schachmann: "Das IOC hat Verantwortung gezeigt und die richtige Entscheidung getroffen und den Sportlern den Druck von den Schultern genommen."

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