27. September 2019 / 09:50 Uhr

Deutsche Leichtathletik-Stars besorgt um Bedingungen in WM-Stadion: "Erkältung wäre fatal"

Deutsche Leichtathletik-Stars besorgt um Bedingungen in WM-Stadion: "Erkältung wäre fatal"

Stefan Döring
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Das katarische Nationalstadion Khalifa International ist mit einer gigantischen Klimaanlage ausgestattet: 500 Düsen pusten kalte Luft in den Austragungsort der Leichtathletik-WM. 
Das katarische Nationalstadion Khalifa International ist mit einer gigantischen Klimaanlage ausgestattet: 500 Düsen pusten kalte Luft in den Austragungsort der Leichtathletik-WM.  © imago images / Montage
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Die Leichtathletik-WM im Wüstenstaat Katar steht bevor. Temperaturen von bis zu 45 Grad Celsius werden erwartet. Damit die Sportler trotzdem ihre Bestleistungen abrufen können, wurde in das Nationalstadion eine riesige Klimaanlage eingebaut - die deutschen Athleten sehen das kritisch. 

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Niklas Kaul hat eine klare Meinung. „Von den Klimabedingungen hätte es mehr Sinn ergeben, die WM woanders hinzugeben“, sagte der deutsche Zehnkämpfer vor dem Start der Leichtathletik-WM in Doha am Freitag gegenüber dem SPORTBUZZER. Im Wüstenstaat Katar sind während der Wettkampftage (27. September bis 6. Oktober) Temperaturen von bis zu 45 Grad Celsius zu erwarten. Selbst nachts zeigen die Thermometer noch um die 30 Grad Celsius an. Keine idealen Temperaturen, um Leistungssport zu betreiben.

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Die Entscheidung für die WM in Katar – die auch als Testlauf für die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 gesehen wird – fiel vor fünf Jahren. „Es hat sich die mit Abstand schlechteste Kandidatur durchgesetzt“, schimpfte damals der spanische Verbandschef José María Odriozola, der die WM gern in Barcelona ausgetragen hätte: „Alles, was die haben, ist Geld.“ Und zwar eine ganze Menge.

Das sind die deutschen Medaillengewinner der Leichtathletik-WM in Doha

Das sind die deutschen Medaillengewinner der Leichtathletik-WM: Unter anderen Christina Schwanitz, Konstanze Klostermann und Malaika Mihambo holten Edelmetall. Zur Galerie
Das sind die deutschen Medaillengewinner der Leichtathletik-WM: Unter anderen Christina Schwanitz, Konstanze Klostermann und Malaika Mihambo holten Edelmetall. ©

Mit dem Geld versucht Katar nun das Klima auszutricksen. Während die Marathonläufer und Geher aufgrund der Temperaturen sogar mitten in der Nacht auf die Strecke müssen, haben es die Athleten im Stadion besser. Denn das katarische Nationalstadion Khalifa International wird während der zehntägigen Wettkampfphase heruntergekühlt. Auf bis zu 20 Grad könnten die Temperaturen gesenkt werden, heißt es von den Veranstaltern. Für Kaul ein fragwürdiges Vorgehen. „Warum muss erst ein Stadion heruntergekühlt werden, damit Athleten Höchstleistungen bringen können“, fragte er sich. „Ich habe die Befürchtung, dass es im Stadion zu kalt wird und wir damit klarkommen müssen.“ Angestrebt werden Temperaturen von 25 Grad Celsius – wohlgemerkt in einem offenen Stadion. Und das in Zeiten von weltweiten Debatten um Klimaschutz.



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Damit dies gelingt, blasen 500 Düsen auf drei Ebenen kalte Luft in den Innenraum des 50.000 Zuschauer fassenden Stadions. Sonnenkollektoren rum um das Stadion sorgen für die Energie, die beim Kühlungsprozess benötigt wird. In einem Wärmeumwandler wird dem Wasser aus einem riesigen Tank mit maximal 38 Millionen Litern die Wärme entzogen. Das ungefähr fünf Grad kalte Wasser kühlt anschließend die warme Luft ab, die dann in den Innenraum des Stadions geblasen wird. Da die kalte Luft schwerer ist als die warme, die über dem 44. 000 Quadratmeter großen Membrandach ist, bleibt es im Stadion kühl. Bis zu 40 Prozent schonender als andere Methoden soll das Verfahren sein, heißt es von den Veranstaltern. Während der Wettkämpfe soll die größte Klimaanlage der Welt übrigens nicht laufen – damit keine Disziplinen beeinflusst werden.

Chefbundestrainer Alexander Stolpe. „Da wird natürlich ein hohes Infektrisiko geschaffen.“

Dennoch machen sich besonders die Speerwerfer Gedanken um ihren Wettkampf am Schlusstag der WM. Das deutsche Quartett um Weltmeister Johannes Vetter und Andreas Hofmann gehört zu den absoluten Topfavoriten um die WM-Medaillen. Aufgrund der Luftverhältnisse plant Hofmann bereits mit speziellen Würfen. „Ich kann mir vorstellen, dass der Speer besser fliegt, wenn wir höher werfen in Doha, weil wir dann über das Stadiondach kommen“, sagte er im Gespräch mit dem SPORTBUZZER.

Andere Athleten sehen in den warmen Temperaturen des Wüstenstaats übrigens keine Probleme. „Im vergangenen Jahr bei der EM in Berlin waren am Tag des 100-Meter-Finals auch 37 Grad“, sagte etwa Deutschlands beste Sprinterin Gina Lückenkemper. „Für uns als Sprinter spielt das keine große Rolle – eher für Langstreckler und Athleten, die sich bei technischen Disziplinen und im Mehrkampf länger im Innenraum aufhalten. Als Sprinterin mag ich es eh warm. In der Wärme arbeiten die Muskeln besser.“

Das sind die Stars und Favoriten der Leichtathletik-WM 2019 in Doha:

Im katarischen Nationalstadion Khalifa International messen sich bei der Leichtathletik-WM die besten Athleten der Welt. Das sind die Favoriten:  Zur Galerie
Im katarischen Nationalstadion Khalifa International messen sich bei der Leichtathletik-WM die besten Athleten der Welt. Das sind die Favoriten:  ©

Dennoch ist das Klimamanagement ein wichtiger Punkt. Die Temperaturunterschiede zwischen heruntergekühlten Hotels, Bussen und dem Stadion gegenüber den Außentemperaturen können bis zu 20 Grad betragen. Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) hat besondere Maßnahmen ergriffen. „Die Trainingslager der Athleten sind darauf vorbereitend gewesen – zum Beispiel mit Saunagängen, um sich an die Hitze zu gewöhnen“, sagte der neue Chefbundestrainer Alexander Stolpe. „Überall werden Klimaanlagen laufen, draußen wird es aber heiß sein. Da wird natürlich ein hohes Infektrisiko geschaffen.“ Davor hat übrigens auch Kaul Respekt. „Eine Erkältung wäre fatal.“ Speziell auf seinen Wettkampf bezogen ist das Klima deshalb „eine Variable mehr im Zehnkampf, quasi ein Elfkampf“.

Tipp: Die komplette SPORTBUZZER-Berichterstattung zur EM 2021 findest Du auch in der superschnellen EM-App von Toralarm. Und folge gerne @sportbuzzer auf Instagram!