16. Juni 2021 / 17:01 Uhr

Deutscher EM-Start: Heimische Fußball-Szene bewertet Eigentor und Knabberei

Deutscher EM-Start: Heimische Fußball-Szene bewertet Eigentor und Knabberei

Maik Schulze
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Deutschlands EM-Start: Die heimische Fußball-Gemeinde mit (kl. Bilder v. l.) Cedric Hertwich, Jannes Drangmeister, Thorben Rutsch und Holger Grunewald beleuchtet für den SPORTBUZZER Szenen, die das 0:1 gegen Frankreich prägten. Darunter das Eigentor von Mats Hummels (l. Bild) und den Zweikampf zwischen Antonio Rüdiger und Paul Pogba (r. Bild).
Deutschlands EM-Start: Die heimische Fußball-Gemeinde mit (kl. Bilder v. l.) Cedric Hertwich, Jannes Drangmeister, Thorben Rutsch und Holger Grunewald beleuchtet für den SPORTBUZZER Szenen, die das 0:1 gegen Frankreich prägten. Darunter das Eigentor von Mats Hummels (l. Bild) und den Zweikampf zwischen Antonio Rüdiger und Paul Pogba (r. Bild). © DPA (2), Privat (3), Ollech
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Den Weltmeister knackte der Ex-Weltmeister nicht. Deutschland unterlag in seinem Auftaktspiel bei der Fußball-EM Frankreich mit 0:1. Das Eigentor, die größte deutsche Chance und eine Knabberei am Gegenspieler - der SPORTBUZZER hat die heimische Fußball-Gemeinde zu entscheidenden und wichtigen Szenen befragt. Inklusive Vorschau aufs Portugal-Spiel.

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Erster Rückschlag in der Hammer-Gruppe F für Deutschland. Zum Auftakt gab's bei der Fußball-EM in München ein 0:1 gegen Frankreich. Der SPORTBUZZER hat zu den Knackpunkt-Szenen die heimische Fußball-Gemeinde befragt und auch einen Blick aufs Portugal-Spiel am Samstag gewagt.

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20. Minute - 1:0 Frankreich! Mensch, Mats Hummels, das Ding muss er doch zur Ecke klären, oder?

Cedric Hertwich (Verteidiger beim TSV Hehlingen) sagt zu der Szene: "Sieht sch... aus, ist super unglücklich. Aber im Endeffekt kann Hummels nichts machen. Es ist leicht gesagt: 'Halt den Fuß anders, dann fliegt der Ball anders.' Aber Hummels läuft Richtung eigenes Tor und es war ja nicht mal einfach eine Flanke, sondern ein strammes Ding, was Lucas Hernández da reinbringt. Dementsprechend war die Reaktionszeit zu kurz, die er da hat. In der Zeitlupe sieht das dann immer doof aus, aber wenn du nun mal so stehst wie du stehst im Laufen und jemand da quasi einen Spannschuss aus sieben, acht Metern in deine Richtung feuert, ist da nicht mehr viel mit Kontrolle. Stark war aber seine Aktion in höchster Not gegen Kylian Mbappé. Die Grätsche habe ich als Abwehrspieler ganz schön abgefeiert. Er kann sich zwar nicht beschweren, wenn es Elfer gibt. Aber er nimmt das Risiko und er trifft den Ball auch zu einem großen Teil. Absolut geiles Ding. Vielleicht wird diese Torverhindeurng in der Endabrechnung noch mal wichtig."

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45. Minute - Antonio Rüdiger knabbert Paul Pogba an, war das nicht Rot?

Thorben Rutsch (Gifhorns Schiedsrichter-Lehrwart) sagt zu der Szene: "Es ist ziemlich ungeschickt, wie er da hingeht und hätte sich meiner Meinung nach über einen Feldverweis nicht beschweren dürfen. Während der WM 2014 in Brasilien ist das mit dem Beißen ja aufgekocht. Ich finde es nicht so intensiv, wie es damals bei Luis Suárez war. Wahrscheinlich wird Pogba auch keinen Abdruck haben. Andererseits hat da der Mund in einer solchen Situation des Spiels nichts zu suchen. Ich vermute, dass der Schiri mit dem Videoassistenen in Kontakt gewesen ist. Letzterer soll aber nur bei klaren Fehlentscheidungen eingreifen, oder wenn der Schiri es nicht sehen konnte. Ich kenne den Funkverkehr ja nicht, denke aber, dass der Unparteiische auf dem Platz gesagt hat: 'Ich konnte es bewerten, für mich war es kein beißen.' Vielleicht hat der Videoassistent gesagt, es ist keine klare Fehlentscheidung. Im Nachhinein hat Pogba zwar gesagt, so schlimm sei es nicht gewesen, so eine Aussage auf dem Platz hätte aber im Falle einer Roten Karte nichts geändert."

54. Minute - die beste Chance fürs deutsche Team: Serge Gnabry kommt völlig frei zum Schuss, der Volley muss doch sitzen, oder?

Jannes Drangmeister (Torjäger des SSV Kästorf) sagt zu der Szene: "Er macht eigentlich alles richtig, setzt sich nach hinten ab, macht den Laufweg auf den zweiten Pfosten. Der Ball kommt zu ihm, gegen die Laufrichtung, macht er alles gut. Er wäre ja auch fast reingegangen. Wenn er ihn voll trifft, mit der Innenseite, dann ist der drin. Nur er trifft ihn nicht zu 100 Prozent, was auch schwierig ist nach so einer hohen Flanke. Doch mit etwas mehr Glück und Selbstbewusstsein macht er ihn rein. Ich sage mal in so einem Bayern-Spiel hätte ich ihm den zugetraut. Gegen Frankreich lief leider nicht so viel. Ballbesitz gewinnt keine Spiele. Deutschland hat nach vorn nichts gemacht, Frankreich überragend verteidigt. Ich hätte deshalb als Stürmertyp Kevin Volland früher gebracht und vorn reingestellt, weil er der Wandspieler ist, der die Bälle festmacht und klatschen lässt - und nicht Timo Werner, der auf die tiefen Läufe fokussiert ist, die es gar nicht gegeben hat. Robin Gosens und Joshua Kimmich haben viel über Außen versucht, ein, zwei Flanken kamen, der Rest aber wurde abgefangen. Und mit Werner in der Mitte wird man Durchschlagskraft im Luftduell nicht kriegen."

Abpfiff - Pleite zum Start, jetzt gegen Portugal. Was sollte Jogi Löw seinem Team mit auf den Weg geben?

Holger Grunewald (Trainer des TSV Heiligendorf) sagt: "Ich würde 3-4-3 spielen. Kimmich ist in der Mitte effektiver, sucht da auch mal den Abschluss, daneben Goretzka, wenn er fit ist. Drei Mann hinten ist okay, zu Hummels würde ich aber Robin Koch und Marcel Halstenberg stellen. Weil sie spielerisch stärker sind. Gosens eins nach vorn setzen und auf der rechten Seite Leroy Sané wegen seiner Schnelligkeit bringen. Vorne dann Thomas Müller, Werner und Volland. Gegen Frankreich kam kaum ein Umschaltspiel zustande, die Räume waren nicht da, Frankreich hat dichtgemacht. Gegen Portugal würde ich am Samstag auf Abwarten spielen, den Gegner kommen lassen und dann die Schnelligkeit von Sané und Gosens nutzen. Wenn sie sich hinten reinstellen, wird es aber genauso schwierig, trotzdem muss man versuchen, den Gegner rauszulocken. Und im Endeffekt brauche ich Strafraumpräsenz. Die hat gegen Frankreich gefehlt. Man muss sich auch mehr zutrauen, außen mal die Eins-gegen-eins-Situation suchen, um dann aufs Tor zu gehen oder den Ball querzulegen. Man muss an die Spieler appellieren, Herzblut zu zeigen und selbstbewusst auf den Platz zu gehen. Im Endeffekt mal was erzwingen, vielleicht einen Freistoß rausholen. Und die müssen dann aber auch aufs Tor gezogen werden."