01. April 2021 / 17:30 Uhr

Vom 0:9 gegen England bis zum 1:2 gegen Nordmazedonien: Die peinlichsten DFB-Pleiten im Überblick

Vom 0:9 gegen England bis zum 1:2 gegen Nordmazedonien: Die peinlichsten DFB-Pleiten im Überblick

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Es gab nicht nur Erfolge zu feiern: Ilkay Gündogan (von links), Sepp Herberger und Mats Hummels mussten mit dem DFB-Team auch peinliche Niederlagen einstecken.
Es gab nicht nur Erfolge zu feiern: Ilkay Gündogan (von links), Sepp Herberger und Mats Hummels mussten mit dem DFB-Team auch peinliche Niederlagen einstecken. © Getty Images/IMAGO/Laci Perenyi/WEREK (Montage)
Anzeige

Die 1:2-Niederlage gegen Nordmazedonien geht in die Geschichte der peinlichsten Niederlagen in der DFB-Historie ein. Ein Blick zurück in die Vergangenheit: Wann musste die deutsche Nationalmannschaft bereits so überraschende Pleiten einstecken? Der SPORTBUZZER gibt einen Überblick

Anzeige

Ob eine 0:9-Niederlage im Jahr 1909 in England, eine 1:2-Pleite gegen Luxemburg vor 82 Jahren oder jetzt die jüngste Negativ-Überraschung gegen Nordmazedonien: Die deutsche Nationalmannschaft musste in der Geschichte schon einige erstaunliche Niederlagen einstecken. Nach dem 1:2 in der WM-Qualifikation gegen Nordmazedonien blickt der SPORTBUZZER auf die Pleiten, die man im deutschen Fußball wohl nicht mehr vergisst.

Anzeige

Die peinlichsten DFB-Pleiten im Überblick

0:9 am 13. März 1909 in Oxford gegen England: Dieses 0:9 ist bis heute die höchste Niederlage einer DFB-Auswahl. Gegner im erst vierten Länderspiel des Verbandes in Oxford ist eine englische Amateurauswahl, die überwiegend bei Duellen gegen Nationalmannschaften vom Kontinent aktiv wird. Kuriosum: Beim DFB wird das Spiel, bei dem die Engländer Cyril Dunning und Thomas Porter je dreimal treffen, offiziell als Länderspiel geführt, bei der FA nicht – wegen des Amateurstatus‘ des eigenen Teams. Für das DFB-Team bedeutet die Niederlage den Abschluss einer unangenehmen Startserie: Die ersten vier Länderspiele gingen verloren. Einen knappen Monat nach dem Debakel von Oxford gibt es am selben Tag – von verschiedenen DFB-Teams errungen – sowohl ein 3:3 in Budapest gegen Ungarn und ein 1:0 in Karlsruhe gegen die Schweiz.

2:6 am 23. November 1913 in Antwerpen gegen Belgien: Diese Niederlage vor 6500 Zuschauern "krönt" eine Serie von sieben Pleiten der DFB-Auswahl am Stück. Bis heute ist dies die längste Negativserie des Teams überhaupt. Für Belgien treffen Sylvain Brébart und Jean van Cant je dreimal. Ein weiterer Rekord: Das Jahr 1913 ist bis heute das einzige Jahr, in dem die Nationalmannschaft nur Niederlagen kassiert.

100er Klub mit Matthäus, Lahm und Kroos: Das sind die DFB-Rekordspieler

Toni Kroos (links) steht jetzt wie auch Lothar Matthäus (zweiter von links), Franz Beckenbauer und Philipp Lahm im 100er Klub der Nationalmannschaft. Zur Galerie
Toni Kroos (links) steht jetzt wie auch Lothar Matthäus (zweiter von links), Franz Beckenbauer und Philipp Lahm im 100er Klub der Nationalmannschaft. ©

0:6 am 24. Mai 1931 in Berlin gegen Österreich: Seit der Pleite in Sevilla gegen Spanien im November 2020 ist diese Niederlage nicht mehr allein die zweithöchste der DFB-Geschichte. Im Deutschen Stadion von Berlin trifft die Auswahl vom ersten hauptamtlichen "Reichstrainer" Otto Nerz auf das anschließend als „Wunderteam“ gefeierte Österreich. Star auf Seiten des Nachbarn ist der legendäre Matthias Sindelar, Spitzname wegen seiner schmächtigen Statur "der Papierene" und vielleicht der beste Spieler seiner Zeit. Die deutsche Presse nutzt nach der Niederlage schon ähnliche Kategorien wie heute, schreibt von der "größten Blamage des DFB". Für Nerz hat das 0:6 keine Auswirkungen. Nur wenige Monate kassiert Deutschland gegen Österreich erneut eine heftige Klatsche - 0:5 am 13. September in Wien.

1:2 am 26. März 1939 in Differdingen gegen Luxemburg: Im Stade du Thillenberg gab es eine der überraschendsten Pleiten in der DFB-Historie. Insgesamt zwölf von 13 Aufeinandertreffen zwischen diesen beiden Nationen konnte Deutschland für sich entscheiden. Nur im März 1939 gab es gegen den krassen Außenseiter aus dem Zwergstaat eine Niederlage im Freundschaftsspiel. Es war auch für den damaligen Coach Sepp Herberger eine der erstaunlichsten Pleiten seiner 28-jährigen Amtszeit als Bundestrainer. Erich Hänel brachte Deutschland vor mittlerweile 82 Jahren in Führung, doch der Luxemburger Leon Mart drehte mit einem Doppelpack die Begegnung noch.

Heftige Pleite auf dem Weg zum WM-Titel

3:8 am 20. Juni 1954 in Basel gegen Ungarn: Dieses 3:8 gegen die damals als unschlagbar geltenden Ungarn gehört zum großen Plan Bundestrainer Sepp Herbergers bei der Weltmeisterschaft 1954 in der Schweiz. Weil er bereits von einem Wiedersehen mit dem "Goldenen Team" im Finale rechnet, will er das Starensemble aus Budapest um Kapitän Ferenc Puskas in der Vorrunde in Sicherheit wiegen und zugleich seine eigenen besten Spieler schonen, tritt mit einer B-Mannschaft an und nimmt die Niederlage billigend in Kauf. In der Heimat ernten Herberger und seine Mannen Spott, Häme und Hass nach der hohen Pleite. Genau 14 Tage später ist dies wieder vergessen: Denn nach dem 3:2 gegen die Ungarn im Finale von Bern wird klar, dass Herbergers Strategie aufgegangen ist.

0:1 am 16. November 1983 in Hamburg gegen Nordirland: In der Qualifikation für die Europameisterschaft 1984 in Frankreich erlebte die DFB-Elf zwei heftige Rückschläge gegen das Team aus dem Vereinigten Königreich. Erst gab es die 0:1-Niederlage im Hinspiel im Windsor Park in Belfarst. Im Rückspiel im Hamburger Volksparkstadion war das Team um Lothar Matthäus, Karl-Heinz Rummenigge und Co. erneut der klare Favorit. Doch durch das Tor von Norman Whiteside setzte es eine knappe Pleite. Unter Trainer Jupp Derwall folgte dann auch noch eine enttäuschende EM mit dem Vorrundenaus. Danach trat Franz Beckenbauer Derwalls Nachfolge an.

Mehr vom SPORTBUZZER

1:2 am 10. Juli 1994 in East Rutherford gegen Bulgarien: Die knappe Niederlage bei der WM in den USA war nicht nur überraschend - sie war auch noch richtig bitter. Im Viertelfinale musste sich die DFB-Elf mit Spielern wie Lothar Matthäus, Rudi Völler oder auch Guido Buchwald im Duell mit dem Außenseiter geschlagen geben. Nach dem Elfmetertor von Matthäus kurz nach der Pause sah Deutschland lange Zeit wie der sichere Sieger aus. Doch dann kamen Hristo Stoichkov und Yordan Lechkov und drehten die Partie noch. Chefcoach Berti Vogts durfte nach dem Turnier aber dennoch als Bundestrainer weitermachen. Und wurde zwei Jahre später Europameister.

1:5 am 1. September 2001 in München gegen England: Rudi Völler wähnte sich als Teamchef auf sicherem Kurs Richtung WM 2002. England wurde im letzten Spiel im "alten Wembley" mit 1:0 bezwungen. Im Rückspiel nahmen die Three Lions herbe Revanche: Michael Owen wirbelte Deutschland und Torwart Oliver Kahn mit einem Dreierpack durcheinander. Die DFB-Elf musste in die Playoffs gegen die Ukraine. In Japan und Südkorea wurde man dann wieder WM-Zweiter.

Das deutliche WM-Aus in Russland

0:2 am 27. Juni 2018 in Kasan gegen Südkorea: Diese Pleite bedeutete auch das frühe Aus bei der WM in Russland. Der als amtierende Weltmeister ins Turnier gegangene Top-Favorit enttäuschte bei den drei Gruppenspielen komplett. Die Niederlage gegen Südkorea war der negative Höhepunkt der jüngeren WM-Geschichte. Der frühere Bundesliga-Angreifer Heung-Min Son und Young-gwon Kim schossen das DFB-Team mit zwei Toren in der Nachspielzeit ab. Der Posten von Bundestrainer Joachim Löw wackelte danach. Doch der Weltmeistertrainer von 2014 bekam nochmal eine Chance.

0:6 am 17. November 2020 gegen Spanien: Im letzten Spiel des Corona-Jahres erlebte die deutsche Nationalelf ein fast historisches Debakel. Das 0:6 gegen Spanien in der Nations League wertete Rekordtorwart Manuel Neuer als "Tiefschlag". Coach Joachim Löw saß fassungslos auf der Bank, Oliver Bierhoff schlug auf der Tribüne die Hände vors Gesicht. Angstgegner Spanien verpasste einer führungslosen deutschen Nationalmannschaft zum Abschluss des komplizierten Corona-Jahres 2020 die höchste Niederlage in der Amtszeit des Langzeit-Bundestrainers. Es war ein heftiger Stimmungsdämpfer mit Blick auf das EM-Jahr.

Es sei zudem erwähnt, dass die frühere Auswahl der DDR in ihrer Geschichte keine hohen Pleiten kassieren musste. Das negative Rekordergebnis des Teams aus dem "Arbeiter- und Bauernstaat" lautet 1:4. Insgesamt dreimal war die DDR-Auswahl in ihren 293 Länderspielen von 1952 bis 1990 mit diesem Ergebnis unterlegen: 1957 gegen Wales und die Tschechoslowakei sowie 1985 gegen Dänemark.