18. November 2020 / 12:41 Uhr

Nach 0:6-Debakel in Spanien: Das waren die höchsten Pleiten der deutschen Nationalmannschaft

Nach 0:6-Debakel in Spanien: Das waren die höchsten Pleiten der deutschen Nationalmannschaft

Sebastian Harfst
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Wie auch Robin Koch (links) und Toni Kroos mussten wie auch Trainer Otto Nerz (Mitte) und Fritz Walter (rechts) hohe Niederlagen mit der deutschen Nationalmannschaft einstecken.
Wie auch Robin Koch (links) und Toni Kroos mussten wie auch Trainer Otto Nerz (Mitte) und Fritz Walter (rechts) hohe Niederlagen mit der deutschen Nationalmannschaft einstecken. © Getty Images/imago images/Ferdi Hartung/Montage
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Ein Blick zurück in die Vergangenheit: Wann musste die deutsche Nationalmannschaft zuletzt eine so bittere Pleite wie zuletzt in Spanien einstecken? Der SPORTBUZZER fasst die deutlichsten Niederlagen der DFB-Elf seit 1909 zusammen.

Das 0:6 von Dienstagabend tut weh. Seit fast 90 Jahren hatte eine deutsche Nationalmannschaft nicht mehr so hoch verloren wie an diesem letzten Spieltag der Nations League in Spanien. Insgesamt bedeutet das Debakel von Sevilla die zweithöchste Niederlage in der DFB-Historie. Entsprechend aufgeregt sind die Diskussionen rund um Bundestrainer Joachim Löw und sein Team. Wie wurde früher mit derartigen Blamagen umgegangen? Das sind die höchsten Pleiten der DFB-Geschichte und ihre Folgen.

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Die höchsten DFB-Pleiten im Überblick

0:9 am 13. März 1909 in Oxford gegen England: Dieses 0:9 ist bis heute die höchste Niederlage einer DFB-Auswahl. Gegner im erst vierten Länderspiel des Verbandes in Oxford ist eine englische Amateurauswahl, die überwiegend bei Duellen gegen Nationalmannschaften vom Kontinent aktiv wird. Kuriosum: Beim DFB wird das Spiel, bei dem die Engländer Cyril Dunning und Thomas Porter je dreimal treffen, offiziell als Länderspiel geführt, bei der FA nicht – wegen des Amateurstatus‘ des eigenen Teams. Für das DFB-Team bedeutet die Niederlage den Abschluss einer unangenehmen Startserie: Die ersten vier Länderspiele gingen verloren. Einen knappen Monat nach dem Debakel von Oxford gibt es am selben Tag – von verschiedenen DFB-Teams errungen – sowohl ein 3:3 in Budapest gegen Ungarn und ein 1:0 in Karlsruhe gegen die Schweiz.

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0:6 am 24. Mai 1931 in Berlin gegen Österreich: Seit Dienstag ist diese Niederlage nicht mehr allein die zweithöchste der DFB-Geschichte. Im Deutschen Stadion von Berlin trifft die Auswahl vom ersten hauptamtlichen „Reichstrainer“ Otto Nerz auf das anschließend als „Wunderteam“ gefeierte Österreich. Star auf Seiten des Nachbarn ist der legendäre Matthias Sindelar, Spitzname wegen seiner schmächtigen Statur „der Papierene“ und vielleicht der beste Spieler seiner Zeit. Die deutsche Presse nutzt nach der Niederlage schon ähnliche Kategorien wie heute, schreibt von der „größten Blamage des DFB“. Für Nerz hat das 0:6 keine Auswirkungen.


3:8 am 20. Juni 1954 in Basel gegen Ungarn: Dieses 3:8 gegen die damals als unschlagbar geltenden Ungarn gehört zum großen Plan Bundestrainer Sepp Herbergers bei der Weltmeisterschaft 1954 in der Schweiz. Weil er bereits von einem Wiedersehen mit dem „Goldenen Team“ im Finale rechnet, will er das Starensemble aus Budapest um Kapitän Ferenc Puskas in der Vorrunde in Sicherheit wiegen und zugleich seine eigenen besten Spieler schonen, tritt mit einer B-Mannschaft an und nimmt die Niederlage billigend in Kauf.

In der Heimat ernten Herberger und seine Mannen Spott, Häme und Hass nach der hohen Niederlage. Genau 14 Tage später ist dies wieder vergessen. Nach dem 3:2 gegen die Ungarn im Finale von Bern wird klar, dass Herbergers Strategie aufgegangen ist.

0:5 am 13. September 1931 in Wien gegen Österreich: Wieder Österreich, wieder das Wunderteam! In Wien will sich die Auswahl des DFB um Schalke-Legende Ernst Kuzorra für das 0:6 von Berlin im vorangegangenen Mai revanchieren – was grandios schiefgeht. Beim ersten Fußballspiel im neuen Prater-Stadion – heute Ernst-Happel-Stadion genannt – trifft Sindelar allein dreimal, bereitet die übrigen Tore vor. Das deutsche Team scheint die Niederlage zu motivieren. Es gewinnt anschließend vier Spiele in Folge. Gemeinsam mit einer Erfolgsserie im Jahr 1924 ist dies die bis dahin längste Siegesserie der Auswahl.

2:6 am 23. November 1913 in Antwerpen gegen Belgien: Diese Niederlage vor 6500 Zuschauern krönt eine Serie von sieben Pleiten der DFB-Auswahl am Stück. Bis heute ist dies die längste Negativserie des Teams überhaupt. Für Belgien treffen Sylvain Brébart und Jean van Cant je dreimal. Ein weiterer Rekord: Das Jahr 1913 ist bis heute das einzige Jahr, in dem die Nationalmannschaft nur Niederlagen kassiert.

Deutschland in der Einzelkritik gegen Spanien

 Die deutsche Nationalmannschaft in der Einzelkritik gegen Spanien. Zur Galerie
Die deutsche Nationalmannschaft in der Einzelkritik gegen Spanien. ©

Folgen für den Trainer haben entsprechende Niederlage in dieser Zeit nicht. Grund: Es gibt keinen Nationalcoach. Bis 1928 werden die Spieler und die Aufstellung vom DFB-Spielausschuss vorgegeben, die Taktik bestimmt der jeweilige Mannschaftskapitän. Das große Comeback entfällt anschließend: Vor Ausbruch des 1. Weltkriegs gibt es im April 1914 nur noch ein 4:4 gegen die Niederlande. Erst 1920 folgen die nächsten Länderspiele.

Es sei zudem erwähnt, dass die frühere Auswahl der DDR in ihrer Geschichte keine Pleiten aus dieser Kategorie kassieren musste. Das negative Rekordergebnis des Teams aus dem „Arbeiter- und Bauernstaat“ lautet 1:4. Insgesamt dreimal war die DDR-Auswahl in ihren 293 Länderspielen von 1952 bis 1990 mit diesem Ergebnis unterlegen: 1957 gegen Wales und die Tschechoslowakei sowie 1985 gegen Dänemark.