16. Juni 2021 / 10:44 Uhr

Deutschland wartet noch auf echte EM-Stimmung: So lief der Turnier-Auftakt in München

Deutschland wartet noch auf echte EM-Stimmung: So lief der Turnier-Auftakt in München

Heiko Ostendorp und Tobias Manzke
RedaktionsNetzwerk Deutschland
In München kommt – bis auf einige Ausnahmen – noch wenig EM-Feierlaune auf.
In München kommt – bis auf einige Ausnahmen – noch wenig EM-Feierlaune auf. © IMAGO/PanoramiC/Privat (Montage)
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Rund um den deutschen Turnier-Auftakt gegen Frankreich wollte in München noch keine rechte EM-Stimmung aufkommen. Die SPORTBUZZER haben sich umgeschaut.

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Auch der interimistische DFB-Präsident wollte es sich nicht nehmen lassen und stürzte sich bereits am Tag des deutschen Eröffnungsspiels ins Getümmel. Peter Peters genoss bei strahlendem Sonnenschein die Atmosphäre am Chinesischen Turm im Englischen Garten. Ringsherum tummelten sich Fans in Deutschland- und Frankreich-Trikots, es wurde friedlich angestoßen und war im Vergleich zu sonstigen Großereignissen in der Stadt sehr ruhig. Ob es daran lag, dass bei der deutschen 0:1-Niederlage gegen Frankreich am Abend "nur" 14. 500 Zuschauerinnen und Zuschauer in der Allianz Arena dabei sein durften? Oder an den noch zurückhaltend ausgelebten Corona-Lockerungen? Oder ist der Fußballverdruss doch größer als gedacht und viele Menschen haben das Interesse verloren?

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Deutschland-Fan Thomas Rellmann, der mit seinen drei Kumpeln aus Ascheberg (Nordrhein-Westfalen) angereist war, glaubte, noch einen anderen Grund zu kennen. "Die Zurückhaltung vieler Leute lag sicher auch am schrecklichen Vorfall um Christian Eriksen. So richtig EM-Stimmung kam bisher noch nicht auf", stellte er fest. In der Tat waren die meisten Plätze in der bayerischen Metropole kaum mehr besucht, als an anderen sonnigen Tagen im Juni. Nur wurden mehr Fußballtrikots getragen – vorrangig von Thomas Müller oder von Kylian Mbappé.

Mit Rellmann am Tisch saßen auch seine Kumpel Markus Mersmann, Daniel Deicksel und Tobias Rehr. Der Plan des Quartetts: Biergartenhopping bis zum Anpfiff des Spiels um 21 Uhr. "Eigentlich wollten wir mit zwölf Leuten hier sein", erzählte Mersmann. Weil aber wegen der Corona-Krise und den geringeren Zuschauerauslastungen in den Stadien die UEFA die Tickets neu verloste, gingen acht Freunde leer aus. "Total ärgerlich", sagte Deicksel. Rehr hatte mit einem Deutschland-Turnier-Ticket ("follow your team") sogar Karten für ein mögliches Halbfinale und Finale des DFB-Teams. "Leider sind die jetzt aber auch weg."

Dennoch freuten sich die vier Anhänger, überhaupt bei einem EM-Spiel dabei zu sein. Die wichtigste Frage natürlich: Wer steht am 11. Juli im Londoner Wembley-Stadion im Endspiel und wer wird am Ende Europameister? Da gingen die Meinungen der Freunde auseinander. "Ich habe auf Frankreich getippt", sagte Mersmann, was bei den anderen Jungs für Entrüstung sorgte. Trotz der Hammergruppe – und immerhin da waren sich alle einig – sollte das Weiterkommen in die K.-o.-Phase für das DFB-Team klappen.

Bei der Stimmung in München gibt es im EM-Verlauf noch Verbesserungspotenzial

Am Nachmittag stieg die Stimmung im Biergarten am Chinesischen Turm langsam an. Ein paar Meter weiter war die Nationalmannschaft, die nach der Partie zurück ins Basecamp nach Herzogenaurach reist, im Hilton-Hotel am Tucherpark einquartiert und ließ sich einige Stunden zuvor bei einem lockeren Spaziergang ebenfalls im Englischen Garten blicken. Nicht mit dabei waren Jonas Hofmann, Leon Goretzka, Kevin Trapp und Jamal Musiala, die per Bulli zum Campus des FC Bayern gebracht wurden, wo sie eine kleine Trainingseinheit absolvierten. Die drei Akteure standen nicht im DFB-Kader.

Die geplante Fanzone im Münchner Olympiapark musste aufgrund der Pandemie bereits im Vorfeld der EM abgesagt werden, in vielen Teilen der Stadt herrschte am Abend während des Spiels ein Glasflaschenverbot. Dennoch gab es einige (kleinere) Public Viewings, die Gaststätten und Biergärten unter Einhaltung der Hygienevorschriften angeboten hatten. Stimmungstechnisch ist für den weiteren Verlauf der EM in München insgesamt aber noch deutlich Luft nach oben.