23. März 2019 / 20:10 Uhr

Joachim Löw mit gutem Gefühl gegen Holland: So will das DFB-Team eine erneute Schmach verhindern

Joachim Löw mit gutem Gefühl gegen Holland: So will das DFB-Team eine erneute Schmach verhindern

Heiko Ostendorp
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
In der Nations League ließen Julian Brandt, Joshua Kimmich und Co. nach dem 0:3 gegen die Niederlande die Köpfe hängen. Gelingt dem Löw-Team zum Quali-Auftakt die Revanche?
In der Nations League ließen Julian Brandt, Joshua Kimmich und Co. nach dem 0:3 gegen die Niederlande die Köpfe hängen. Gelingt dem Löw-Team zum Quali-Auftakt die Revanche? © imago/Matthias Koch-Montage
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Vor dem Duell gegen den ewigen Rivalen werden Erinnerungen an das 0:3 von Deutschland gegen die Niederlande aus dem vergangenen Oktober wach. Kommt es zum Start in die EM-Qualifikation zur Revanche oder zu einer erneuten Schmach? Eine Bestandsaufnahme. 

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Angst ist ein Wort, welches es im deutschen Fußball jahre-, nein jahrzehntelang nicht gab. Zumindest, wenn es um die Nationalmannschaft ging. Nach dem Tiefpunkt zu Anfang des neuen Jahrtausends und Platz drei bei der Heim-WM 2006 war das Team unter Joachim Löw eine Bank, bei den großen Turnieren immer unter den letzten Vieren gesetzt. Ob WM oder EM – die Qualifikation stand ohnehin nie auch nur annähernd in Frage. Und wenn es um die Pötte ging, führte der Weg zum Titel eigentlich immer über Deutschland.

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Tor: #1 Manuel Neuer (FC Bayern München) ©
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In der magischen Nacht von Rio krönten sich Philipp Lahm & Co. dann 2014 zur besten Mannschaft des Planeten, nachdem die Löw-Truppe im Halbfinale Gastgeber Brasilien mit 7:1 auseinander genommen und damit ein ganzes Land in Trauer versetzt hatte. Alle fürchteten „DieMannschaft“, jeder hatte Angst, gegen Deutschland zu spielen. Auch die einst so große Niederlande, die sogar zwei Turniere hintereinander verpasst hatte – die EM 2016 und die WM 2018. Doch vor dem Duell der ewigen Rivalen am Sonntag in Amsterdam (20.45 Uhr, RTL) ist alles anders.

Projekt "Zurück in die Weltspitze" beginnt in Holland

Bondscoach Ronald Koeman, der sich nach dem Sieg im Halbfinale der Europameisterschaft 1988 mit einem Deutschland-Trikot den Hintern abwischte, sagte vor dem Start in die Qualifikation zur EM 2020 nun selbstbewusst: „Wir wollen beide Spiele gewinnen.“ Mit dem lockeren 4:0-Sieg zum Auftakt gegen Weißrussland wurde Teil eins seines Plans umgesetzt, gegen Deutschland soll Teil zwei folgen.

„Wir sind immer noch Deutschland“, sagte Marco Reus nach dem 1:1 im ersten Test 2019 gegen Serbien und meinte damit, dass die letzten Ergebnisse nicht den Ansprüchen und auch nicht der vorhandenen Qualität gerecht wurden. Lediglich zwei Siege in den Freundschaftsspielen gegen Peru (2:1) und Russland (3:0) gab es in den sieben Partien nach dem WM-Desaster im Sommer. In nahezu all diesen Spielen gab es gute Ansätze, der Ertrag blieb jedoch überschaubar. Und es wurde deutlich, dass es durchaus auch länger als erhofft dauern könnte, bis die Nationalmannschaft das eigens propagierte Ziel „Zurück in die Weltspitze“ tatsächlich umsetzen kann.

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Gestern Mittag landete der Bundestrainer mit seinem 22er-Kader ohne den verletzungsbedingt abgereisten Leipziger Debütanten Lukas Klostermann in Amsterdam – an dem Ort, wo im vergangenen Oktober der absolute Tiefpunkt erreicht wurde. Beim 0:3 in der Nations League zeigten die Holländer mit ihrem neu zusammengestellten, jungen Team exakt den Fußball, den auch Löw gerne wieder sehen würde und den sich auch die deutschen Fans so sehnlichst wünschen: Schnell, frech, offensiv – und erfolgreich.

Löw mit gutem Gefühl vor erstem deutschen Quali-Spiel

Nach der Vorführung im Oktober war kurzzeitig sogar die Ablösung des Bundestrainers ein Thema: So konnte es nicht weitergehen – das war allen Beteiligten klar. Löw führte viele Gespräche auf vielen Ebenen und entschied sich für einen konsequenten Umbruch, wie ihn die Holländer bereits hinter sich hatten und ihn viele bereits nach der verkorksten WM der DFB-Elf gefordert hatten.

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In der Teambesprechung vor dem Auftakt in die Qualifikation führte Löw das 0:3 noch mal an, sagte aber mit Blick auf die Partie: „Es war damals eine große Enttäuschung, aber wir haben jetzt eine andere Situation. Ich habe kein mulmiges, sondern ein gutes Gefühl.“ Beim Rückspiel im November in Gelsenkirchen war Deutschland lange Zeit besser, unter dem Strich blieb aber auch nur ein 2:2.

Nur noch vier Weltmeister gehören zum Aufgebot

Inzwischen gehören nach der Ausbootung von Mats Hummels, Thomas Müller und Jérome Boateng nur noch vier Weltmeister zum Aufgebot, neue Kräfte wie Leroy Sané, Serge Gnabry oder Thilo Kehrer sind etabliert und machen Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Gegen Serbien betrug der Altersdurchschnitt der Startelf gerade mal 23,7 Jahre. Dass mit den Niederlanden gleich zum Auftakt der Qualifikation der mit Abstand schwerste Gegner wartet, macht die Aufgabe nicht einfacher. Gibt es in der Johan-Cruyff-Arena eine erneute Klatsche, dürften die Diskussionen wieder losgehen, die Kritiker noch lauter werden. Danach sind Löw bis zum nächsten Länderspiel im Juni die Hände gebunden – genau davor haben viele Angst.

Die mögliche DFB-Aufstellung gegen Holland: Neuer – Kehrer, Ginter, Süle, Rüdiger, Schulz – Kroos, Kimmich – Reus, Werner, Sané

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