24. März 2021 / 06:00 Uhr

Augsburg-Profi Alfred Finnbogason über den Fußball in Island und die WM-Quali gegen Deutschland

Augsburg-Profi Alfred Finnbogason über den Fußball in Island und die WM-Quali gegen Deutschland

Christian Müller
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Alfred Finnbogason spricht über die Entwicklung des Fußballs in Island und die Chancen seiner Länderauswahl gegen das DFB-Team.
Alfred Finnbogason spricht über die Entwicklung des Fußballs in Island und die Chancen seiner Länderauswahl gegen das DFB-Team. © IMAGO/Krieger/imagebroker (Montage)
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Alfred Finnbogason spielt seit 2016 für den FC Augsburg und hat 61 Länderspiele (15 Tore) für Island absolviert. Im SPORTBUZZER-Interview spricht der derzeit verletzte 32-Jährige über den Fußball in seinem Heimatland und das WM-Qualifikationsspiel gegen Deutschland an diesem Donnerstag (20.45 Uhr, RTL).

SPORTBUZZER: Alfred Finnbogason, wie kann Island gegen Deutschland eine Überraschung schaffen?

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Ich kann natürlich unser Geheimnis nicht verraten (lacht). Wir müssen ein Topspiel abliefern. In den vergangenen Jahren haben wir oft für eine Überraschung gesorgt. Wenn wir als Team agieren und Deutschland nicht seinen besten Tag hat, haben wir eine Chance, weil der Glaube in unserer Mannschaft steckt.

Wie hat sich der isländische Fußball in den vergangenen Jahren verbessert?

Vor etwa 15 oder 20 Jahren hat es angefangen, dass die Bedingungen deutlich besser wurden. Meine Generation ist die erste, die davon richtig profitiert hat. Es gibt jetzt Hallen mit Kunstrasen, so dass man das ganze Jahr trainieren kann. Das Wetter in Island während des Winters ist nicht optimal, um draußen Fußball zu spielen. Man sieht, dass wir inzwischen bessere Spieler bekommen. Das zeigt sich in den vergangenen Jahren auch in den Ergebnissen.

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Wird der Fußball in Ihrem Land intensiver gelebt als anderswo?

Fußball ist der Sport Nummer eins in Island. Die EM 2016 und die WM 2018 haben noch einmal einen Boost gegeben. Noch mehr junge Leute wollen seitdem Fußball spielen. Hättest du vor 20 Jahren gesagt, dass Island bei einer WM dabei ist, hätten die Leute gesagt, dass du verrückt bist. Aber jetzt haben wir gezeigt, dass es möglich ist.


Wo muss der isländische Fußball sich noch verbessern?

Unser größtes Problem ist etwas, das wir schwer verändern können: Die Bevölkerung ist nicht groß, es leben nur 350.000 Menschen in Island. Dementsprechend haben wir nicht den breitesten Kader. Wenn zwei, drei Spieler ausfallen, ist das ein Riesenproblem. Wir haben nicht so viele Spieler auf hohem Niveau. Dann kommen vielleicht Spieler nach, die in Island spielen.

Wäre es umso wichtiger, dass mehr isländische Profis in die großen Ligen kommen?

Auf jeden Fall. In den vergangenen Jahren ist die Tendenz, dass die talentierten Spieler mit 16, 17 nach England, Dänemark oder in die Niederlande gehen. Dort haben sie bessere Bedingungen, sich zu entwickeln. Es gibt aber auch Spieler, die ein paar Jahre in Island spielen und dann den Schritt machen. Anders als in Deutschland gibt es in Island keine Nachwuchsleistungszentren. Jeder, der trainieren will, darf trainieren. Die Vereine lehnen keine Spieler ab.

Spielt die Abschiedsankündigung von Joachim Löw eine Rolle für die Partie am Donnerstag?

Schwer einzuschätzen. Die Qualität der deutschen Mannschaft ist nach wie vor da – unabhängig davon, ob der Trainer aufhört oder nicht. Man wird erst im Nachhinein sehen, welche Bedeutung der Entschluss von Löw hat. Wenn Deutschland die drei Partien gewinnt, sagen alle, es war eine große Erleichterung für die Spieler, sie agieren freier. Wenn sie verlieren, wird es negative Auswirkungen haben. Für uns ist es eigentlich egal.

Gegen Deutschland startet die Qualifikation für die WM in Katar, die sehr kritisch gesehen wird. Wie ist Ihre Meinung zu dem Turnier?

Ehrlich gesagt möchte ich mich da nicht zu sehr einmischen. Es gibt viele unterschiedliche Nachrichten aus Katar. Es wurde entschieden, dass dort gespielt wird, und es muss viel passieren, damit das zurückgenommen wird.