15. Juni 2022 / 14:31 Uhr

Gehemmte Offensivstars: Warum Sané und Werner für Bundestrainer Flick die größte Herausforderung sind

Gehemmte Offensivstars: Warum Sané und Werner für Bundestrainer Flick die größte Herausforderung sind

Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Bundestrainer Hansi Flick (l.) setzt weiter auf seine Sorgenkinder Leroy Sané und Timo Werner (r.)
Bundestrainer Hansi Flick (l.) setzt weiter auf seine Sorgenkinder Leroy Sané und Timo Werner (r.) © IMAGO/ULMER Pressebildagentur/Nico Herbertz (Montage)
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Trotz des Tor-Festivals gegen Italien konnte die deutsche Offensive erneut nicht komplett überzeugen, allen voran Leroy Sané und Timo Werner. Bundestrainer Hansi Flick hielt sich nach dem Spiel mit kritischen Worten dennoch zurück.

Es schien Timo Werner fast selbst etwas peinlich, wie er für seinen Doppelpack gefeiert wurde. Zumindest ließ sein äußerst verhaltener, nahezu verschämter Torjubel nach beiden Treffern beim 5:2 gegen Italien kaum andere Schlüsse zu. Auch Leroy Sané sah trotz des ersten Sieges im vierten Nations-League-Spiel gegen den Europameister nicht rundum glücklich aus. Er wusste, dass seine 16 Ballverluste und zahlreiche vergebenen Großchancen nicht seinen Ansprüchen - und auch nicht denen des Bundestrainers - genügen.

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Hansi Fick hatte seinen beiden kriselnden Offensivstars erneut eine Chance in der Startelf gegeben und verteidigte diese Entscheidung auch nach dem Abpfiff: "Es ist einfach wichtig, dass sie Vertrauen spüren. Ich denke, dass wir ihnen genau das vermittelt haben. Ich freue mich über die beiden Tore von Timo. Er hat wie Leroy geholfen, den Gegner immer wieder unter Druck zu setzen", so der DFB-Coach, der im Anschluss aber auf eine "geschlossene Mannschaftsleistung" verwies und bei der Aufzählung seiner "gut funktionierenden Achse" auf die Namen der schnellen Dribbler verzichtete.

Werner weiß: "Nach jedem Spiel angezählt"

Natürlich dürften Werner die Treffer auf dem Weg in den Urlaub gutgetan haben. "Tore sind immer gut für einen Stürmer. In meinem Fall doppelt und dreifach, wenn man nach jedem Spiel angezählt wird und in der Kritik steht", sagte er nach dem Spiel. Werner weiß, dass die Alternativen im Sturmzentrum überschaubar sind. Dennoch ist er (hoffentlich) selbstkritisch genug, um zu wissen, dass ihm ansonsten so gut wie gar nichts gelang und zumindest das zweite Erfolgserlebnis ein reines Geschenk der Italiener war. Er arbeite nun daran, rechtzeitig zur WM in Katar wieder in Bestform zu sein, so Werner: "Es würde sich keiner beschweren, wenn die Topform im Oktober, November wieder kommen wird."

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Auch Sané (SPORTBUZZER-Note 4) wusste erneut nicht zu überzeugen, wirkte verunsichert und scheint den Druck von Jamal Musiala zu spüren, der auf links bei seinen letzten Einsätzen einen deutlich besseren Eindruck machte, zudem immer mehr zum Publikumsliebling heranwächst. Das war auch bei seiner Einwechslung in Mönchengladbach zu spüren, die frenetisch gefeiert wurde, während bei Sanés Unzulänglichkeiten oft ein verzweifeltes Raunen durchs Publikum ging.

Der Bundestrainer kündigte nach seinem 13. Spiel in Serie ohne Niederlage (neun Siege, vier Remis) eine "genaue Analyse" seines ersten Jahres als DFB-Chef an, wollte aber noch nicht in die Details gehen. Er wird wissen, warum. Denn (berechtigte) Kritik an der Leistung von Werner und Sané wäre nach dem 5:2 gegen den amtierenden Europameister sicherlich nicht als "Vertrauen" in die beiden ausgelegt worden.