23. November 2022 / 16:35 Uhr

Geste in Richtung FIFA: DFB-Team hält sich nach "One Love"-Verbot den Mund beim Mannschaftsfoto zu

Geste in Richtung FIFA: DFB-Team hält sich nach "One Love"-Verbot den Mund beim Mannschaftsfoto zu

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Haben vor dem WM-Auftakt gegen Japan ein Zeichen gesetzt: die Spieler der deutschen Nationalmannschaft.
Haben vor dem WM-Auftakt gegen Japan ein Zeichen gesetzt: die Spieler der deutschen Nationalmannschaft. © 2022 Getty Images
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Nach dem faktischen Verbot der "One Love"-Binde durch die FIFA reagieren die deutschen Nationalspieler mit einer Geste beim Mannschaftsfoto. Manuel Neuer & Co. halten sich den Mund zu und verdeutlichen damit ihre Zweifel an der Meinungsfreiheit.

Nach dem faktischen Verbot der "One Love"-Kapitänsbinde durch die FIFA hat die deutsche Nationalmannschaft vor ihrem ersten WM-Spiel in Katar zumindest ein kleines Zeichen gesetzt. Beim offiziellen Mannschaftsfoto vor der 1:2-Auftaktpleite am Mittwoch gegen Japan hielten sich Manuel Neuer & Co. den Mund zu – ein "Gruß" an den Weltverband, der zuletzt mit gewissem Nachdruck den Eindruck vermittelte, ihm missliebige Meinungen zu unterdrücken.

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"Wir wollten mit unserer Kapitänsbinde ein Zeichen setzen für Werte, die wir in der Nationalmannschaft leben: Vielfalt und gegenseitiger Respekt. Gemeinsam mit anderen Nationen laut sein. Es geht dabei nicht um eine politische Botschaft: Menschenrechte sind nicht verhandelbar", erklärte der DFB via Twitter die Aktion beim Teamfoto: "Das sollte selbstverständlich sein. Ist es aber leider immer noch nicht. Deshalb ist uns diese Botschaft so wichtig. Uns die Binde zu verbieten, ist wie den Mund zu verbieten. Unsere Haltung steht."

Statt des Sportlichen stand in den vergangenen Tagen vornehmlich die Debatte um die "One Love"-Binde im öffentlichen Fokus. Der DFB hatte im Vorfeld des Turniers wiederholt angekündigt, das Kapitän Neuer mit der unter anderem für Diversität und Toleranz stehenden Kapitänsbinde auflaufen werde. Die FIFA erklärte dann am Montag, dass die gemeinsame Aktion der Deutschen und anderer europäischer Nationen gegen die Ausrüstungsvorschriften verstoße.

Der DFB ruderte angesichts der drohenden Strafen, die von einer Gelben Karte für Neuer bis zu schwerwiegenderen Sanktionen reichen können, zurück und verzichtet wie alle anderen an dem Plan beteiligten Länder auf das Vorhaben. "Die Mannschaft war schon sehr enttäuscht. Aber letztendlich sind wir hier, um ein gutes Turnier zu spielen", sagte Bundestrainer Hansi Flick vor dem Anpfiff gegen Japan in der ARD. Er könne "nicht in die Köpfe der Spieler schauen", ergänzte der Bundestrainer auf die Frage, wie sehr die Mannschaft von den jüngsten Diskussionen beeinflusst wurde: "Wir wollten ein Zeichen setzen, das hat die FIFA rigoros abgeblockt."

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Wirbel hatte es unmittelbar vor dem deutschen Auftaktspiel auch in den sozialen Medien gegeben. Einige Beobachter deuteten einen farbigen Ring auf dem Ärmel des ansonsten überwiegend in weiß gehaltenen Trainingsanzugs des DFB-Teams als Regenbogen-Symbolik. Auch die T-Shirts, die die Spieler beim Aufwärmen trugen, hatten auf dem Ärmel bunte Applikationen. Eine kurzfristige Reaktion des Verbandes auf das Verbot der "One Love"-Binde seitens der FIFA? Nein! Die Optik der Trainingsjacke sowie der Aufwärm-Shirts steht seit Langem fest, entsprang der Design-Abteilung von Ausrüster Adidas.

In dessen Online-Shop sind die Artikel als "Game Day"-Kollektion zu finden und werden von allen Nationalmannschaften, die in Katar von dem Sportartikelhersteller aus Herzogenaurach ausgestattet werden, an den Spieltagen getragen. Deshalb trugen die die Japaner am Mittwochnachmittag das gleiche Outfit, nur mit ihrem Verbandslogo auf der Brust. Auch Superstar Lionel Messi und seine argentinischen Mitspieler wärmten sich bereits unter anderem mit dem farbigen Ärmel auf.

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