25. Januar 2019 / 22:02 Uhr

Endstation Norwegen: Deutschland scheidet im Halbfinale der Handball-WM aus

Endstation Norwegen: Deutschland scheidet im Halbfinale der Handball-WM aus

Jens Kürbis
Lübecker Nachrichten
Der deutsche Torwart Silvio Heinevetter ist während des Spiels gegen die Norweger enttäuscht von der Leistung seiner Mannschaft.
Der deutsche Torwart Silvio Heinevetter ist während des Spiels gegen die Norweger enttäuscht von der Leistung seiner Mannschaft. © imago/Bildbyran
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Die deutsche Handball-Nationalmannschaft schafft das Wunder nicht. In Hamburg verliert das DHB-Team von Trainer Christian Prokop gegen Norwegen und verpasst das mögliche Finale gegen Co-Gastgeber Dänemark.

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Aus der Traum vom Finale bei der Handball-WM. Fabian Wiede ging mit feuchten Augen in die Knie, wurde von Steffen Weinhold in die Arme genommen. Patrick „Bam, Bam“ Wiencek , der sanfte Haudrauf, lehnte am Pfosten, starrte ins Nichts. Und die 12.500 Zuschauer in der ausverkauften Barclaycard-Arena, sie schwiegen kurzzeitig. Es hatte nicht gereicht. Deutschlands Handballer haben das Halbfinale gegen den WM-Zweiten Norwegen mit 25:31 (12:14) verloren, spielen nun am Sonntag in Herning gegen Noch-Weltmeister Frankreich um Bronze (14.30 Uhr/ZDF). Der Titelverteidiger war zuvor von Co-Gastgeber Dänemark mit 38:30 (21:15) zerlegt worden. Noch vor Mitternacht ging es für Gensheimer & Co. mit dem Bus ins gut 350 Kilometer dänische Herning.

„Wir sind alle sehr enttäuscht, hatten uns das anders vorgestellt. Es waren zu viele Gegentore, das haben wir zuletzt besser gemacht", sagte Paul Drux nach dem Spiel in der ARD. "Die Norweger waren besser und haben das clever runtergespielt. Außerdem haben wir zu viele Zeitstrafen zugelassen. Wenn wir runtergekommen sind, können wir stolz auf uns sein. Jetzt überwiegt die Enttäuschung.“ Kapitän Uwe Gensheimer fasste die Gefühlslage der deutschen Mannschaft zusammen: "Uns geht's beschissen im Moment."

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Die Fans in Hamburg sorgten für eine tolle Kulisse

Wenige Stunden vor dem Halbfinale hatte es sogar noch eine Videobotschaft der „Handball-Kanzlerin“ gegeben: „Nicht nur ich, sondern Millionen Menschen in Deutschland werden wie ein Mann und eine Frau hinter Ihnen stehen“, sagte Angela Merkel.

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Eine Überraschung auch das: Es war doch ein Heimspiel. „Die Arena hat zwar 7000 Zuschauer weniger, das Publikum wird auch mehr durchmischt sein, aber Hamburg muss für drei schreien, dann ist alles gut“, hatte DHB-Vize Bob Hanning vor der Partie gemeint. Und die Fans schrien für drei. Doch es war nicht alles gut. Im Kampf der Systeme gewann Norwegens Tempo-Handball mit jeder Minute mehr die Oberhand. Das Team von Trainer Christian Berge, dem ehemaligen Flensburger, hatte bis dato 34 Treffer im Schnitt erzielt, 66 allein nach Tempogegenstößen.

Die deutsche Abwehr, die weltbeste Defensive, die bis dato im Schnitt nur 22,5 Gegentore kassiert hatte, fand nur schwer Zugriff. Immer wieder wurde sie überlaufen, ausgehebelt. Vor allem vom langen Rückraumrechten, dem Flensburger Magnus Rod (5 Treffer bis zur Pause). Die Deutschen schafften es nicht, Norwegen die Schnelligkeit zu nehmen. Auch, weil sie zu oft in Unterzahl agieren mussten. Die tschechischen Schiris Horacek/Novotny verteilten Zweiminutenstrafen wie Disco-Freikarten am Ballermann, allein fünf gegen die Deutschen bis zur Pause.

Das deutsche Team tut sich gegen Norwegen schwer

Das DHB-Team tat sich auch im Positionsangriff schwer. Gegen die defensiv innerhalb des Neunmeter-Kreises hart und beweglich verteidigenden Norweger fanden Häfner, Wiede & Co. keine Lösungen und Lücken. Immer wieder prallten ihre Angriffsbemühungen wie an einer Gummiwand ab. Nach dem 6:5 (15.), der letzten Führung durch Uwe Gensheimer, entglitt so das Spiel.

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In der Partie Deutschland gegen Norwegens Bundesliga-Auswahl - elf Akteure aus dem 18er Kader verdienen in Deutschland ihr Geld, fünf spielten in der Anfangssieben – gewannen die Skandinavier beim Hin und Her mit wechselnden Führungen nach 20 Minuten die Oberhand. Clever, abgezockt, mit überfallartigen Angriffen, einem klug die Bälle verteilenden Regisseur Sander Sagosen. Nach 27 Minuten lag Deutschland so erstmals mit drei Treffern zurück (10:13), zur Pause 12:14 – der erste Halbzeit-Rückstand bei dieser WM. Und es stellte sich die Frage: Besteht Deutschland diese Reifeprüfung?

Nein. Denn das DHB-Teams ließ die „Big Points“, die wichtigen Punkte, liegen. Hendrik Pekeler setzte einen Ball frei vom Kreis neben das Tor, die Defensive fand weiterhin keinen Zugriff, auch nicht „Big Bad Wolf“, der böse Andreas Wolff im Tor. Deutschland lag so 15:19 (36.) zurück. Ein Vier-Tore-Minus – noch eine neue WM-Erfahrung. Als so etwas wie Hoffnung aufkam (19:21/44.) , verlor sie auch noch ihren Abwehrchef Hendrik Pekeler (dritte Zeitstrafe/44.). Doch die Deutschen spielten weiter mit Herz, mit Leidenschaft, mit einem Käptn Gensheimer, der mehr und mehr Verantwortung übernahm, selbst aus kleinstem Winkel warf und traf, auch einem jetzt mutigeren, guten Fabian Böhme (6 Treffer) im Rückraum. Als Fabian Wiede zum 25:27 verkürzte, noch 3:06 Minuten zu spielen waren, war der Strohhalm wieder da. Auch die Arena erhöhte den Druck „Defense, Defense“. Doch Sagosen und Myrhol machten mit zwei Treffern den Sack zu.

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