06. Juni 2021 / 18:13 Uhr

Deutschland ohne Eishockey-WM-Medaille: Aber Wolfsburgs Bittner trifft, Manager Fliegauf lobt

Deutschland ohne Eishockey-WM-Medaille: Aber Wolfsburgs Bittner trifft, Manager Fliegauf lobt

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Germany's Dominik Bittner, left, scores his side's first goal during the Ice Hockey World Championship third place match between the United States and Germany at the Arena in Riga, Latvia, Sunday, June 6, 2021. (AP Photo/Sergei Grits)
Und zack: Wolfsburgs Dominik Bittner macht es etwas erträglicher, trifft zum 1:5 beim späteren 1:6 im Spiel um Bronze bei der WM gegen die USA. © AP
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Tolles WM-Turnier der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft, doch am Ende reichte es nicht für eine Medaille. Dominik Bittner von Vizemeister Grizzlys Wolfsburg sorgte für sein Team und für sich für etwas Versöhnliches, schoss das Ehrentor beim 1:6 im Spiel um Platz drei gegen die USA. Wolfsburgs Manager Charly Fliegauf sah wichtige Fingerzeige für die DEL.

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Schade, schade, schade, das war in der Summe großartig und doch so schmerzhaft. Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft musste sich bei der Weltmeisterschaft in Riga (Lettland) mit Platz vier begnügen. Im Spiel um Bronze gab es ein 1:6 gegen die USA. Nach einem starken Turnier wirkte das deutsche Team leer im Kopf. Daran konnte auch Dominik Bittner von Vizemeister Grizzlys Wolfsburg nichts ändern, der im Spiel um Bronze am Sonntag zu seinem zweiten Einsatz bei diesen Titelkämpfen und damit zu seinem zweiten WM-Einsatz überhaupt kam. Für ihn und auch Ex-Grizzlys-Torwart Felix Brückmann war es ein Déjà-Vu, ihren ersten Einsatz hatten sie beim 0:2 gegen die USA gehabt. Immerhin: Einmal hatte das deutsche Team Grund zu jubeln: Bittner schoss das Ehrentor zum 1:5. Es war sein erstes Länderspieltor.

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Grausam war einen Tag zuvor das Halbfinale aus deutscher Sicht gewesen. Gegen den amtierenden Weltmeister Finnland setzte es wie in der Vorrunde ein 1:2. Nur: Diesmal war das DEB-Team um etliches stärker, spielte viel mehr gute Chancen heraus. Nur: Der Favorit hatte wie im Vorrundenduell 2:0 geführt. Und das diesmal aus dem Nichts: Der im Turnier überragende Keeper Mathias Niederberger hatte das 0:1 durchflutschen lassen, das 0:2 hatte Lukas Reichel mit einem Fehlpass in der eigenen Zone aufgelegt. Es reichte nur noch zum Anschlusstreffer nach ansonsten spielerisch und kämpferisch sensationeller Leistung.

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Die USA hatten sich am Samstag den im Turnierverlauf immer stärker gewordenen Kanadiern mit 2:4 beugen müssen. Das Spiel um Bronze - auch eine Frage der Mentalität und der Kraft. Und da hatten die USA mehr Power. Bittner hatte einige gute Momente, war aber auch beim 0:2 auf dem Eis, wobei ihn nicht die Schuld traf. Deutlich wurde es, als die USA bei zwei schnell aufeinanderfolgenden Powerplays zweimal schnell traf. Im Schlussdrittel gelang Bittner das Ehrentor, allerdings stand er auch auf dem Eis, als keine halbe Minute später der US-Treffer zum Endstand fiel.



Wolfsburgs Manager Charly Fliegauf urteilte: "Die Luft war raus." Er hatte nach der "emotionalen Achterbahnfahrt", dafür Verständnis: "In der Vorrunde fast raus, Siegzwang gegen Lettland. Geschafft. Dann im Viertelfinale gegen die Schweiz 0:2 hinten und im Penaltykrimi gewonnen. Im Halbfinale gegen Finnland besser, aber Verlierer - das alles wegzustecken ist schwer, da hat dann gegen die USA der Dampf gefehlt."

Dennoch, so Fliegauf: "Was die Mannschaft abgeliefert hat, war stark." Er fand: "Auch viele Spieler aus der Liga wie Marcel Noebels, Moritz Müller oder Nico Krämmer, nicht nur die Nordamerika-Legionäre waren richtig stark." Die DEL habe gezeigt, dass sie im internationalen Vergleich gut dasteht.

Bittner habe sich in seinen zwei Einsätzen als der Spieler gezeigt, als der er mitgefahren war: "Wie bei uns ist er ein wertvoller Mannschaftsspieler. Bei seinem Tor hat er die Spielsituation klasse gelesen."

UPDATE: So erlebte es Bittner

Der Rechtsverteidiger, der auch links spielen kann, war am Sonntag nach dem letzten Spiel geknickt: „Wir sind gut rausgekommen, hatten vier Minuten Überzahl. Leider haben wir da nicht getroffen. Mit dem Ablauf der Überzahl haben wir das 0:1 bekommen, das hat uns mental ein bisschen gebrochen, nachdem es gegen Finnland ein überragendes Spiel von uns gewesen war und wir nicht belohnt wurden.“ Das tat weh. Bittner: „Wir wollten Weltmeister werden und ich sehe auch jetzt noch, dass wir die reelle Chance hatten, Gold zu holen. Wir hatten gedacht, wir hätten den emotionalen Turnaround binnen nicht einmal 24 Stunden geschafft, aber das 0:1 hat uns das Genick gebrochen.“ Und danach, so urteilte er, „waren wir nicht wir selbst, haben nicht unser bestes Eishockey gespielt. Es ist extremst bitter ohne Medaille nach Hause zu fahren.“ Jedoch hob Bittner hervor: „Das ganze Turnier war ein Riesenspaß, eine geile Sache, wir haben mit Deutschland gezeigt, was wir können, dass wir eventuell auch zu mehr fähig sind. Ich bin unglaublich stolz, ein Teil davon gewesen zu sein.“

Die Einschaltquote bei Sport1 war hoch, Fliegauf glaubt: "Das Turnier müsste die Lust am Eishockey und die Neugier auf unseren Sport befeuert haben."