07. Oktober 2020 / 23:47 Uhr

"Erwachsener sein": DFB-Spieler und "angefressener" Löw schieben nach 3:3 gegen Türkei Frust

"Erwachsener sein": DFB-Spieler und "angefressener" Löw schieben nach 3:3 gegen Türkei Frust

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die deutsche Nationalmannschaft zeigte sich nach dem späten Remis gegen die Türkei frustriert.
Die deutsche Nationalmannschaft zeigte sich nach dem späten Remis gegen die Türkei frustriert. © Getty
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Großer Ärger herrschte im DFB-Team nach dem Testspiel gegen die Türkei. Beim 3:3 hatte die Nationalmannschaft einmal mehr eine Führung aus der Hand gegeben. Die Reaktionen waren deutlich, vor allem von Bundestrainer Joachim Löw und BVB-Profi Emre Can.

Wieder hatte die deutsche Nationalmannschaft einen Vorsprung, wieder hat es nicht zum Sieg gereicht: Beim 3:3-Remis im Testspiel in Köln gegen die Türkei hat die DFB-Auswahl erneut einen Sieg verpasst. Auch bei den Nations-League-Partien gegen Spanien und in der Schweiz im September war dem Team von Bundestrainer Joachim Löw dies schon passiert, als jeweils ein 1:0 aus der Hand gegeben wurde. Diesmal lag Deutschland sogar dreimal vorn - und kassierte dreimal den Ausgleich. Die Reaktionen von Löw und der Spieler nach dem Abpfiff fielen entsprechend deutlich aus.

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BVB-Profi Emre Can nach 3:3-Ausgleich bedient

Vor allem Emre Can von Borussia Dortmund war bedient. "Wenn man in der letzten Minute das Gegentor bekommt, fühlt sich das nie gut an", sagte der BVB-Profi am RTL-Mikrofon mit Blick auf den Treffer zum 3:3 durch Kenan Karaman von Fortuna Düsseldorf in der Nachspielzeit (90.+4). "Das passiert uns in letzter Zeit zu oft. Wir müssen abgeklärter, erwachsener sein, vielleicht auch dreckiger. Einfach mal den Ball lang schlagen", legte Can den Finger in die Wunde, während Karaman sich diebisch freute: "Das Köln-Stadion liegt mir als Düsseldorfer gut."

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Löw selbst gab zu, er sei "erst einmal enttäuscht und angefressen". Zwar sei es schwierig, seiner Elf einen Vorwurf zu machen, weil diese in dieser personellen Konstellation erstmals zusammenspielte. "Allerdings besteht das Problem schon seit längerer Zeit. Wir müssen es mal thematisieren", betonte der Bundestrainer. Julian Draxler, an diesem Abend Kapitän und Torschütze zum zwischenzeitlichen 1:0, ergänzte: "Klar ist es nicht so leicht, wenn man zum ersten Mal zusammen spielt. Aber ein paar Grundregeln muss man trotzdem befolgen. Das ist uns nicht gelungen." Für ein Lob war der Spieler von Frankreichs Serienmeister Paris-Saint Germain kaum zugänglich: "Ich habe keine Lust zu sagen, wir hatten wieder gute Ansätze. Im Endeffekt kommt es darauf an, die Spiele zu gewinnen. Und das haben wir wieder nicht gemacht." Die DFB-Auswahl habe die Türken "eingeladen, Tore zu schießen".

Löw ärgert sich über Chancenverwertung

Der Bundestrainer bemängelte unter anderem die Chancenverwertung. "Wenn man das 3:1 macht, ist der Gegner an einem Tag wie heute tot und kommt wahrscheinlich nicht mehr zurück", so Löw, der auch die teils zu einfachen Ballverluste kritisierte. Zudem habe dem Team phasenweise die nötige Organisation gefehlt. Florian Neuhaus, der bei seinem Länderspieldebüt (Löw: "Er hat ein gutes Spiel gemacht, hatte viele Aktionen, war ballsicher und hat ein schönes Tor erzielt") gleich das 2:1 erzielte, konnte sich über seine ordentliche Leistung jedenfalls nicht uneingeschränkt freuen. "Wir wollten das Spiel unbedingt gewinnen, das ist uns nicht gelungen. Deswegen bin ich nicht ganz zufrieden", meinte der Gladbacher. Deutschlands dritter Torschütze, Luca Waldschmidt von Benfica Lissabon, fügte hinzu: "Wir haben eigentlich ein gutes Spiel gemacht. Aber wenn wir die Führung haben, müssen wir auch konsequent zu Ende spielen."

Zwei Spiele bleiben Löw in der aktuellen Länderspielperiode noch, um kurzfristig Besserung herbeizuführen. An diesem Samstag folgt in der Nations League das Gastspiel in der Ukraine, am Dienstag geht es dann erneut in Köln gegen die Schweiz. Löw will den Auftritt gegen die Türkei jetzt aufarbeiten und setzt dabei erneut das Defensivverhalten nach ganz oben auf die Prioritätenliste. "Ich habe es vor dem Spiel schon angesprochen. Das ist ein Thema, das uns begleitet", sagte der Bundestrainer. Später fügte er hinzu: "Es wird definitiv wichtig sein, dass wir die nächsten Spiele siegreich bestreiten. Und dann wird auf jeden Fall auch eine andere Mannschaft auf dem Platz stehen."