24. November 2022 / 22:38 Uhr

Debakel 2.0? Warum beim DFB-Team in Katar vieles an die WM-Schmach von 2018 erinnert

Debakel 2.0? Warum beim DFB-Team in Katar vieles an die WM-Schmach von 2018 erinnert

Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die Bilder gleichen sich: Thomas Müller (l.) nach dem WM-Aus 2018 gegen Südkorea und Manuel Neuer nach der Auftaktpleite gegen Japan.
Die Bilder gleichen sich: Thomas Müller (l.) nach dem WM-Aus 2018 gegen Südkorea und Manuel Neuer nach der Auftaktpleite gegen Japan. © Imago/Moritz Müller/Ulmer/Teamfoto (Montage)
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Nach der Auftaktpleite gegen Japan droht der deutschen Nationalmannschaft bei dieser WM ein erneutes Vorrunden-Aus. im Team rumort es und vieles erinnert dabei an die Schmach 2018 in Russland. 

Es hätte alles so schön sein können. Ein paar Kaltgetränke auf der rund eineinhalbstündigen Busfahrt aus Doha zurück ins Teamquartier an der Nordküste, danach ein Abendessen samt Übernachtung mit den Spielerfrauen. Und dann einen entspannten freien Nachmittag mit den Familien nach dem Auftaktsieg gegen Japan. So hatte es Hansi Flick ursprünglich geplant – doch es kam (wieder mal) ganz anders.

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Zwar durften die besseren Hälften der Nationalspieler trotz der 1:2-Auftaktpleite ihre Männer im noblen Zulal-Resort besuchen, allerdings diente dies eher als Aufmunterung nach dem verpatzten WM-Auftakt. Und vielleicht auch als Deeskalationsstrategie. Denn in der Mannschaft rumort es heftig.

Die interne Stimmung im DFB-Team ist alles andere als kuschelig

Bereits in den Aussagen einiger DFB-Stars nach Spielschluss war abzulesen, dass die interne Stimmung alles andere als kuschelig ist. Vielmehr bekam man das Gefühl, dass sich die Spieler gegenseitig die Schuld in die Schuhe schieben wollten. Die Abwehrspieler sprachen mehrheitlich über die mangelnde Chancenverwertung, die Offensivabteilung über die krassen Patzer in der Defensive – vor allem bei den beiden Gegentreffern.

Deutschland in der Einzelkritik gegen Japan

Die deutsche Nationalmannschaft hat gegen Japan enttäuscht. Alle DFB-Spieler hier in der Einzelkritik. Zur Galerie
Die deutsche Nationalmannschaft hat gegen Japan enttäuscht. Alle DFB-Spieler hier in der Einzelkritik. ©

Torschütze Ilkay Gündogan, ansonsten kein Mann für die lauten Töne, hatte dabei die heftigsten Worte gewählt. "Ich weiß nicht, ob die Reife fehlt oder auch ein stückweit die Qualität", sagte der Kapitän von Manchester City. Aber auch Manuel Neuer ("Vollkatastrophe") und Antonio Rüdiger ("lachhaft") waren merklich bedient. Und DFB-Präsident Bernd Neuendorf sagte über die Stimmung in der Mannschaft: "Das ist wie ein Kater, den man hat."

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Bundestrainer Hansi Flick muss eine brandgefährliche Kader-Mischung managen

Derzeit gibt es erschreckend viele Parallelen zum historischen Vorrunden-Aus vor vier Jahren. Auch damals ging das Auftaktmatch (0:1 gegen Mexiko) gegen einen Underdog in die Hose. Auch damals sickerte nach und nach durch, dass es innerhalb des Kaders Grüppchen gibt. 2018 waren es die "Kartoffeln" um Neuer, Toni Kroos oder Mats Hummels auf der einen – und die "Kanacken" um Mesut Özil, Jeromé Boateng oder Rüdiger auf der anderen Seite. So nannten sich die Spieler, natürlich im Spaß.

Heute gibt es die "Oldies" um Kapitän Neuer und Thomas Müller, die ihren großen Titel auch auf Nationalmannschaftsebene längst in der Tasche haben. Und die "ungekrönte Generation" um Joshua Kimmich, Serge Gnabry, Leon Goretzka oder Leroy Sané, die nach zwei verpatzten Endrunden unbedingt zeigen wollen, dass sie auch mit dem DFB-Team Pokale gewinnen können. Defensive gegen Offensive. Jung gegen Alt. Internationale Topstars gegen Bundesliga-Frischlinge. Eine brandgefährliche Mischung, die der Bundestrainer irgendwie managen muss.

Das DFB-Team ist von der Weltspitze weiter entfernt denn je

Im Vorfeld und rund um das Turnier in Russland drohte die Stimmung zu eskalieren, als es zur Erdogan-Affäre kam, weil sich Gündogan und Özil mit dem türkischen Despoten ablichten ließen. Ein unappetitliches Thema, das vom Wesentlichen ablenkte. Genau wie aktuell, wo es in den vergangenen Tagen und Wochen mehr um Boykott, Spielführerbinden und politische Zeichen ging, als um den Fokus auf die sportliche Mission "Zurück in die Weltspitze".

Von der scheint die Nationalelf weiter entfernt denn je, von den letzten neun Spielen bei großen Turnieren wurden gerade mal zwei gewonnen. Und auch die Unterstützung aus der Heimat, die es über Jahrzehnte immer gab, ist aus vielerlei Gründen völlig abhandengekommen. Gerade mal 9,23 Millionen Fans saßen beim Japan-Match vorm TV. 2018 waren es noch 25,96 Millionen gewesen. Im Stadion waren die wenigen deutschen Anhänger kaum zu hören. Am Sonntag gegen Spanien (20 Uhr, ZDF und Magenta TV) braucht die DFB-Elf unbedingt einen Sieg, will man nicht bereits nach dem zweiten Spiel vorzeitig die Koffer packen.

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