24. April 2020 / 11:28 Uhr

Deutschlands ältester Torwart Wolfgang Kaben: "Vielleicht spiele ich mit 100 noch" 

Deutschlands ältester Torwart Wolfgang Kaben: "Vielleicht spiele ich mit 100 noch" 

Jan Jüttner
Der 85-jährige Wolfgang Kaben ist der wohl älteste noch aktive Torwart in Deutschland. 
Der 85-jährige Wolfgang Kaben ist der wohl älteste noch aktive Torwart in Deutschland.  © Michael Gottschalk/privat/Gabfaf-Montage
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Wolfgang Kaben ist 85 Jahre alt und steht bei seinem Klub SG Preußen-Gladbeck noch immer regelmäßig im Tor. Mit #GABFAF hat der wohl dienstälteste Torhüter Deutschlands über seine Leidenschaft zum Amateurfußball und sein Fitness-Geheimnis gesprochen. 

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Dieser Artikel ist Teil der Amateurfußball-Initiative #GABFAF. Mehr Infos dazu auf gabfaf.de.

Wolfgang Kaben kann auch im Rentenalter einfach nicht von seiner großen Leidenschaft lassen: Mit seinen 85 Jahren ist er wohl der dienstälteste Torhüter Deutschlands. Regelmäßig steht er auf dem Platz des Amateurklubs SG Preußen-Gladbeck zwischen den Pfosten und räumt seinen Strafraum auf. #GABFAF hat mit dem Rentner über seine Laufbahn als Torhüter, sein Fitness-Geheimnis und ein besonderes Geschenk des DFB gesprochen.

Herr Kaben, wann haben Sie mit dem Fußball angefangen?

Mit sechs Jahren habe ich einen Gummiball geschenkt bekommen. Damit habe ich dann immer im Flur gespielt. Damals habe ich noch in Rehna in Mecklenburg-Vorpommern gewohnt. Nach dem Krieg habe ich mich dann dem Rehnaer Sportverein angeschlossen und hab dort in der Jugend gespielt. Mit 18 bin ich dann in die erste Mannschaft gekommen.

Wie muss man sich das Training und die Bedingungen damals vorstellen?

Früher gab es noch keine Trainer, das haben wir alles selbst gemacht. Als die Schule aus war, haben wir unsere Rucksäcke zur Seite gestellt und sofort angefangen zu spielen. Der eine hieß dann Fritz Walter und der andere Helmut Rahn. Aus Sackleinen und Stroh haben wir uns selbst einen Ball gebastelt. Wir hatten in unserem Team den Metzgersjungen Markus. Der hat uns mal eine Schweinsblase mitgebracht. Die haben wir dann in den Ball gesteckt und der ist dann gleich viel besser gesprungen (lacht). Zu Beginn habe ich in der Offensive gespielt, aber irgendwann wollte niemand mehr ins Tor gehen. Dann habe ich mich mal reingestellt und es hat mir gut gefallen.

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Wie ging es dann weiter?

Zu Beginn lief es gut, aber nach und nach sind immer mehr Spieler in den Westen geflüchtet. Wir mussten oft Jungs aus der zweiten Mannschaft hochziehen, weil wir zu wenige Spieler hatten. Das hat dann nicht mehr viel Spaß gemacht, weil wir natürlich dadurch immer öfter verloren haben. Ich habe mir gedacht: Jetzt musst du sehen, dass du wegkommst. Dann bin ich 1957 auch in den Westen geflüchtet.

"Wir finden einfach keine Gegner, die so alt sind wie wir"

Wie genau lief das ab?

Ich bin zum Rat des Kreises gegangen und habe angegeben, meine Tante im Zug nach Hamburg begleiten zu wollen. Dies wurde mir genehmigt, aber ich bin gleich durchgefahren bis nach Essen. Später habe ich mir im Westen einen Verein gesucht und mich bei den Sportfreunden Gladbeck angemeldet. Weil ich aber während der Saison abgehauen bin, wurde ich für ein Jahr gesperrt. Von 1971 bis 2002 habe ich durchgängig in der Alten Herren von Preußen gespielt. Aktive Spiele machen wir aber nicht mehr. Wir finden einfach keine Gegner, die so alt sind wie wir.

Das #GABFAF-Manifest:

Das Grundgesetz der Initiative: Im Manifest könnt Ihr nachlesen, wofür #GABFAF sich einsetzt. Direkt hier in der Galerie! Zur Galerie
Das "Grundgesetz" der Initiative: Im Manifest könnt Ihr nachlesen, wofür #GABFAF sich einsetzt. Direkt hier in der Galerie! © #GABFAF

Wie oft stellen Sie sich denn noch ins Tor?

Jeden Freitag trainieren wir auf dem Platz. Torschüsse, Kleinspielfeld, worauf wir so Lust haben. Im Anschluss gibt es dann auch eine Kiste Bier und gern auch mal einen Schnaps.

Wie können Sie in ihrem Alter so fit sein?

Ich mache jeden Abend vor dem Schlafen gehen zehn Liegestützen und verzichte auf fettiges Essen. Alkohol trinke ich aber schon, so ist es nicht. Wenn die jüngeren Kollegen mal einen ausgeben, muss man ja mithalten können (lacht). Mit Leuten aus dem Verein machen wir auch regelmäßig Fahrradtouren, so um die 35 Kilometer.

Wie lange wollen Sie denn noch spielen?

Diese Frage höre ich nicht zum ersten Mal (lacht). Solange es die Gesundheit zulässt. Vielleicht spiele ich ja mit 100 noch. Wer weiß, wie fit ich da noch bin.

Verletzungsgefahr? "Man darf nicht fallen wie ein nasser Sack"

Haben Sie keine Angst sich böse zu verletzen?

Meine Frau Maria sagt immer: `Pass bloß auf, dass nichts passiert.´ Aber als Torwart weiß ich ja, wie ich mich bewegen muss. Man darf nicht fallen wie ein nasser Sack (lacht). Verletzt habe ich mich aber trotzdem schon. Ich hatte einen Schlüsselbeinbruch und mein Handgelenk war gebrochen. Zwei Finger sind auch krumm, wir haben früher keine Handschuhe getragen.

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Haben Sie ein Vorbild?

Früher war es Hans Tilkowski, heute ist es Manuel Neuer. Vor einigen Jahren habe ich dem DFB einen Brief geschrieben und nach einem Autogramm gefragt. Dann habe ich Neuers Handschuhe mit seiner Unterschrift zugeschickt bekommen. Die Handschuhe haben aber sehr gelitten im Laufe der Jahre (lacht). Ich trage sie bei jeder Einheit. Von Neuers Strafraumbeherrschung schaue ich mir immer wieder etwas ab.

Was war das Kurioseste, was sie in all den Jahren erlebt haben?

Ich habe jahrelang auf einem Ascheplatz gespielt. Da lagen auch größere Steine rum. Einmal hab ich einen Rückpass von meinem Verteidiger bekommen und der Ball ist durch einen Stein hochgesprungen. Ich habe dann über den Ball geschlagen und wurde von meinen Mannschaftskollegen gnadenlos ausgelacht (lacht).

Das Amateurfußball-Bündnis #GABFAF wurde am 15. März 2019 ins Leben gerufen. Hier zehn besondere Momente aus dem ersten Jahr:

Überraschung, Freude, Jubel, Rührung: Das #GABFAF-Team hat in der Galerie seine Lieblingsmomente zusammengestellt. Zur Galerie
Überraschung, Freude, Jubel, Rührung: Das #GABFAF-Team hat in der Galerie seine Lieblingsmomente zusammengestellt. ©

Wie hat sich der Fußball im Laufe der Jahre verändert?

Der Fußball ist viel athletischer geworden. Die Jungs hängen ja heutzutage nur noch in der Mukkibude rum. Die haben alle ein Kreuz, da denkt man, das sind Gewichtheber. Zudem ist das Spiel viel schneller geworden, früher war es eher behäbig.

Was gibt Ihnen der Amateurfußball?

Toll finde ich die Geselligkeit. Als Rentner hat man doch viel Zeit. Diese Abwechslung ist wichtig im Leben, sonst rostet man ein. Fußball macht mir noch genau so viel Spaß, wie früher.