27. November 2020 / 18:09 Uhr

Deutschlands Rekord-Biathlet Frank Luck: „Eine Saison wie diese gab es noch nicht“

Deutschlands Rekord-Biathlet Frank Luck: „Eine Saison wie diese gab es noch nicht“

Matthias Schütt
Märkische Allgemeine Zeitung
Biathlon-Rekordweltmeister Frank Luck (Archivfoto vom 18.01.2003) beendet seine Laufbahn vorzeitig. Der 36-Jährige wird nach dem Staffelsieg bei der WM in Oberhof nicht mehr an den Start gehen. Der Oberhofer reist zwar mit der deutschen Nationalmannschaft zum Saisonfinale Mitte März nach Oslo, wird dort aber nur als Betreuer für die deutschen Athleten fungieren. Das teilte der Deutsche Ski-Verband (DSV) am Dienstag (17.02.2004) mit. Foto: Ken Liu  dpa |
Deutschlands Rekord-Weltmeister Frank Luck schießt auch nach der Biathlon-Karriere immer noch scharf, er ist mittlerweile Leiter Jagd auf dem Schloss und Gut Liebenberg. © Ken Liu/dpa
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Interview: Der heute 52 Jahre alte deutsche Rekord-Weltmeister spricht im SPORTBUZZER über seine neue Heimat in Oberhavel, seinen Beruf, die Corona-Pandemie und die anstehende Saison im Biathlon.

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Oberhavel ist nicht gerade für den Wintersport bekannt. Wie hat es Sie nach Brandenburg verschlagen?
Über meinen ehemaligen Sponsor, die Deutsche Kreditbank AG, bin ich nach Liebenberg gekommen. Hier hat die DKB eine Stiftung und ich leite mittlerweile den Jagdbetrieb auf Schloss und Gut Liebenberg. Nach meiner aktiven Biathlon-Karriere und der Zeit als Berufssoldat wollte ich bewusst eine Herausforderung annehmen, die nicht im Sportbereich liegt. Ich bin jetzt über ein Jahrzehnt hier und fühle mich sehr wohl.

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Was macht für Sie Schloss und Gut Liebenberg so besonders, wo sie seit 2010 Leiter des Jagdbetriebes sind?
Die Natur ist mir schon sehr wichtig. Aber auch die Geschichte der Region rund um Liebenberg und Oberhavel. Ich komme ursprünglich aus dem Thüringer Wald, habe aber mittlerweile kompensiert, dass es hier vor Ort nur Hügel gibt. Ebenso ist die Schneelage eine andere. In den 14 Jahren habe ich es nur zwei, drei Mal richtig weiß gesehen. Es wird hier also kein Wintersportmekka werden. Dennoch ist es eine landschaftlich sehr reizvolle Gegend. Zudem hat man auf der einen Seite die Ruhe und kann im Grünen leben. Auf der anderen Seite ist Berlin vor der Haustür. Da hat man dann viele Möglichkeiten, ob im Kultur-oder Sportbereich. Diese breite Palette kannte ich aus meiner Zeit in Thüringen nicht.

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Wie sieht ihr Aufgabenfeld in Liebenberg aus?
Ich bin der Leiter Jagd, kümmere mich also um alles, was rund um die Organisation und Durchführung der Jagd anfällt. Ebenso gilt es auf den Eigentumsflächen der Stiftung die forstlichen Arbeiten zu koordinieren und ich bin in der Verwaltung tätig.

Schlägt sich die aktuelle Corona-Pandemie auch bei ihnen nieder?
Das ist schon zu spüren. Man merkt, dass die Gäste ausbleiben. Der Hotelbetrieb ist ja schwer betroffen von der Krise, stellenweise mussten wir ganz schließen und ein Teil der Belegschaft ist immer noch in Kurzarbeit. Es ist eine schwierige Situation, aber ich bin optimistisch, dass wir den Winter überstehen und es dann auch wieder nach oben geht


Das Coronavirus beschäftigt auch die Sportwelt. Welche Probleme sehen Sie für den Biathlon-Sport aufgrund der anhaltenden Pandemie?
Die Hygienekonzepte stehen ja. Dennoch will ich nicht in der Haut der Verantwortlichen stecken, die diese Konzepte umsetzen müssen. Der Vorteil vom Biathlon ist es sicher, dass es eine Outdoor-Sportart ist. Ich kann die Situation nur von außen bewerten. Ich stelle mir das jedenfalls schwer vor.

Inwieweit sind Sie denn noch nah dran am Biathlon-Geschehen?
Ich habe schon noch Kontakte zu ehemaligen Sportlern. Aufgrund meiner Tätigkeit bei der DKB war ich bei den deutschen Weltcups in den letzte Jahren vor Ort. Wenn ich in der Heimat bin, habe ich Kontakt zu Bundestrainer Mark Kirchner sowie zu den Waffentechnikern oder auch Sven Fischer und Kati Wilhelm. Von den Sportlern aus meiner Zeit ist ja keiner mehr aktiv. Als ich 2004 in Oberhof zur Heim-Weltmeisterschaft meine Karriere beendete, kamen Erik Lesser und Arnd Peiffer als junge, aufstrebende Athleten in die Mannschaft.

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Hat als Leiter des Jagdbetriebes in Liebenberg eine neue Herausforderung gefunden: Frank Luck. © privat

Stichwort Team Deutschland. Am Wochenende vom 27. bis 29. November startet der Biathlon-Weltcup im finnischen Kontiolahti. Welche Aussichten sehen Sie für die deutschen Sportler?
Die Mannschaften bereiten sich gerade in Finnland auf den ersten Weltcup vor. Bei den Frauen sehe ich da schon Denise Herrmann, die die Fahnen sicherlich hochhalten wird. Bei den Herren sehe ich gute Aussichten bei Benedikt Doll und Philipp Horn sowie dem etablierten Arnd Peiffer. Unmittelbar vor dem Weltcup werden intern die Startplätze vergeben. Da kann sicherlich auch der eine oder andere jüngere Athlet mitmischen.

Im Vorjahr gewannen Johannes Thingnes Boe bei den Herren und Dorothea Wierer bei den Frauen den Gesamt-Weltcup. Wen sehen Sie dieses Jahr vorne?
Da muss man erstmal abwarten, wer wie durch die Vorbereitung gekommen ist. Man sollte die Sportler aus Norwegen, Frankreich, Italien, Österreich, Russland und Deutschland auf dem Zettel haben. So eine Saison wie diese gab es noch nicht. Da wird sicherlich der erste Weltcup einige Aufschlüsse geben. Es ist die erste Standortbestimmung der Saison und daher dieses Jahr besonders spannend.

Zur Person

Im thüringischen Schmalkalden wurde Frank Luck am 5. Dezember 1967 geboren. Er wuchs unweit davon in Seligenthal auf und entwickelte schnell eine Liebe zum Skisport. Der heute 52-Jährige ist der erfolgreichste deutsche WM-Biathlet in der Geschichte. Luck holte insgesamt 20 Medaillen – allein elfmal Gold. Ebenso stehen zwei olympische Goldmedaillen zu Buche, die er gemeinsam mit der Staffel in Lillehammer (1994) und Nagano (1998) holte.