22. April 2022 / 16:00 Uhr

Deutzens Trainer Tröger erinnert sich an seine Duelle mit Joachim Streich

Deutzens Trainer Tröger erinnert sich an seine Duelle mit Joachim Streich

Heiko Henschel
Leipziger Volkszeitung
Rolf Tröger (li.) schwärmt noch heute von Joachim Streichs sportlichen sowie menschlichen Qualitäten.
Rolf Tröger (li.) schwärmt noch heute von Joachim Streichs sportlichen sowie menschlichen Qualitäten. © Wolfgang Riedel/imago images
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Ein ganz Großer ist am Karsamstag gegangen: Joachim Streich war ein besonderer Fußballer, der über 100-mal für die Nationalmannschaft aufgelaufen ist und den Torrekord in der DDR-Oberliga hält. Deutzens Trainer Rolf Tröger stand ihm mehrfach als Spieler von Chemie Böhlen gegenüber.

Borna/Geithain. Die Ehrentafel ist ellenlang: 378 Einsätze in der DDR-Oberliga, in dieser dank 229 erzielter Treffer Rekordschütze, mit 102 Nominierungen DDR-Rekordnationalspieler, sagenhafte 55 Länderspieltore, zweimal DDR-Fußballer des Jahres, dreimal FDGB-Pokalsieger, Bronzemedaillengewinner bei den Olympischen Sommerspielen 1972, WM-Teilnehmer 1974, im vergangenem Jahr Aufnahme in die Hall of Fame des deutschen Fußballs. Mit Joachim Streich ist am Karsamstag nach Hans-Jürgen Dörner im Januar ein weiterer ganz Großer des DDR-Fußballs viel zu früh von uns gegangen.

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Unvergessen ist der Gerd Müller des Ostens auch in der hiesigen Region, insbesondere in Böhlen. Schließlich kreuzte die BSG Chemie im DDR-Oberhaus achtmal mit dem 1. FC Magdeburg die Klingen, in sechs dieser Begegnungen stand Streich für den einzigen DDR-Europapokalgewinner auf dem Rasen und markierte dabei stattliche zehn Treffer. Beim 10:2-Kantersieg am 9. Juni 1979 sicherte er sich zum Saisonabschluss mit einem sensationellen Sechserpack eine seiner insgesamt vier Torjägerkanonen.

Tröger hatte Streich an die Kette gelegt

Böhlens damaliger Linksverteidiger Rolf Tröger bestritt sämtliche Partien gegen die Elbestädter und schwärmt noch heute von Streichs sportlichen sowie menschlichen Qualitäten: „Er war ein absoluter Ausnahmekicker, enorm kopfballstark, unglaublich trickreich, konnte mit rechts wie links extrem platziert schießen. Und er war ein richtiger Kumpel-Typ, einer wie du und ich. Natürlich hatte er auch seine Macken, in positiver wie negativer Hinsicht. So war er einer Zigarette alles andere als abgeneigt, da qualmte es schon mal vor oder nach dem Spiel in der Toilette. Aber da er war keineswegs der Einzige.“ Der aus Stendal stammende Defensivstratege der Chemiker war übrigens gegen Magdeburger Teams immer extra motiviert, so bereits im Nachwuchsbereich in den Duellen der Bezirksauswahlmannschaften gegen Akteure wie Jürgen Pommerenke oder Axel Tyll.

Einen Joachim Streich hat Rolf Tröger allerdings besonders gern an die Kette gelegt, wie zum Beispiel am 8. April 1978 vor 8000 Zuschauern an der Jahnbaude beim 1:0-Erfolg über die Blau-Weißen. Was dem Böhlener Abwehrspezialisten selbst gar nicht so richtig in Erinnerung geblieben ist: „Ein Bekannter aus meiner Straße hat mich neulich darauf angesprochen, dass ich Streich in diesem Match komplett abgemeldet habe und er zur Halbzeit ausgewechselt wurde. Dabei dachten zunächst alle, er sei nur schnell noch eine rauchen gegangen. Doch er kam nicht wieder aufs Feld zurück.“

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Einen Glimmstängel wird Joachim Streich in diesen Tagen vielleicht auch im Himmel genießen, es sei ihm vom Herzen gegönnt. Dabei wird er mit Sicherheit den Aufstieg seines 1. FC Magdeburg in die 2. Bundesliga bejubeln, den Klassenerhalt seiner ersten Liebe FC Hansa Rostock feiern und eventuell sogar an die guten alten Zeiten in Böhlen denken. Mach´s gut, Achim!

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