20. April 2020 / 17:18 Uhr

DFB-Arzt Tim Meyer: Das ist der wichtigste Mediziner für den deutschen Fußball in der Corona-Krise

DFB-Arzt Tim Meyer: Das ist der wichtigste Mediziner für den deutschen Fußball in der Corona-Krise

Frank Hellmann
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Tim Meyer ist seit 2001 für die deutsche Nationalmannschaft tätig.
Tim Meyer ist seit 2001 für die deutsche Nationalmannschaft tätig. © imago/Chai v.d. Laage
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Tim Meyer ist gerade der wichtigste Mediziner für den deutschen Fußball. Warum der Arzt der Nationalmannschaft sich so gut für den Krisenfall eignet - ein Porträt über "Doktor gründlich".

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Auf den Tag genau kann Tim Meyer gar nicht mehr sagen, wann er das erste Mal vom neuartigen Coronavirus erfuhr. "Wenn ich mich recht erinnere, kurz vor dem Jahreswechsel im Urlaub. Aber zunächst schien unklar, ob eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung möglich ist. Für mich war das zunächst nur wie eine gelegentliche Infektionsmeldung." Diese Aussage tätigte der Professor der Sport- und Präventivmedizin am 1. März, als der Erreger begann, sich auch in Deutschland zu verbreiten.

In jener Phase stimmte sich die Medizinische Kommission des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) darüber ab, welche Auslandsreisen den DFB-Mitarbeitern oder Auswahlmannschaften gestattet werden können. Als letztes Team jettete nach Meyers Einverständnis die Frauen-Nationalmannschaft zum Algarve Cup an die portugiesische Atlantikküste. Covid-19 war in jener Region noch nicht angenommen, das Endspiel wurde trotzdem abgeblasen, weil die Italienerinnen fürchteten, wegen der Corona-Krise nicht mehr heimzukommen.

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Inzwischen macht auch Meyer nichts anderes mehr, als das tückische Virus zu bekämpfen: Am 31. März ernannte ihn die Deutsche Fußball-Liga (DFL) zum Leiter der Task Force, die die Rahmenbedingungen für eine "medizinisch vertretbare Fortführung des Spiel- und Trainingsbetriebs" erarbeitet. Der 52-Jährige ist also der wichtigste Mediziner für den deutschen Profifußball. Auch er arbeitet im Homeoffice, denn auf dem Campus im Saarland läuft nur noch ein Notdienst. "Für mich haben die aktuell im Fußball anstehenden Herausforderungen komplett die frei werdende Zeit aufgefressen", sagt er.

Gründlichkeit ist bei Tim Meyer oberstes Gebot

Über seine inhaltliche Arbeit äußert er sich nicht – aus guten Gründen. Nichts wäre schlimmer, wenn die in den Videokonferenzen des vierköpfigen Gremiums ausgeklügelten Konzepte zuvor in der Öffentlichkeit zerredet würden. Womöglich noch von jenen Gesundheitsexperten, die mit Profilneurose von Talkshow zu Talkshow tingeln. Bei seinen Mitstreitern kann der langjährige Arzt der deutschen Nationalmannschaft dagegen auf verschwiegene Verbündete zählen. Jene, die ihn gut kennen, schätzen seine Ruhe und Klarheit. Der Australien-Liebhaber nimmt sich und seine Arbeit nicht zu wichtig. Effektivität geht ihm vor Effekthascherei. Gründlichkeit ist bei ihm oberstes Gebot.

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Eine weitere Eigenschaft ist seine Ausdauer – die zehn Kilometer legte er schon mal in weniger als 31 Minuten zurück. In seiner Nienburger Heimat galt er als passabler Amateurkicker, seit 2001 gehört er dem Ärzteteam der DFB-Auswahl an. Er hat als junger Arzt miterlebt, wie es im deutschen Fußball unter Teamchef Rudi Völler kräftig rumpelte, ehe Revolutionär Jürgen Klinsmann vieles veränderte – auch in seinem Arbeitsbereich. Dass Meyer immer noch eine leitende Position besetzt und von Bundestrainer Joachim Löw als Vertrauensperson geschätzt wird, spricht für ihn. Auf die Wichtigkeit der Handhygiene wies er schon hin, als Philipp Lahm und Co. zur WM 2014 das Campo Bahia bezogen. "In Brasilien ist die Infektionssituation eine andere als in Deutschland, weil der Körper mit neuen Erregern in Berührung kommt. Also haben wir die Spieler darauf hingewiesen, sich mehrfach am Tag gründlich mit Seife die Hände zu waschen. Und wir haben Desinfektionsmittel verteilt, um ein sichtbares Zeichen zu setzen", erinnert sich Meyer.

System soll medizinisch möglichst wasserdicht sein

Diesmal werden die Sicherheitsmaßnahmen deutlich drastischer sein, wenn die Bedingungen für die Geisterspiele am Donnerstag auf der nächsten virtuellen DFL-Mitgliederversammlung besprochen werden. Dass auch Kameraleute und Balljungen Mundschutz tragen sollen, wäre keine Überraschung. Man will ein System präsentieren, das auf die nötige politische und gesellschaftliche Akzeptanz trifft und auch medizinisch natürlich möglichst wasserdicht ist. Meyer scheint nicht nur wegen seiner Erfahrungswerte die Idealbesetzung auf einer Schlüsselfunktion. Ob es deswegen funktioniert, die Saison in einer Art virenfreien Sonderzone zu Ende zu bringen, bleibt aber trotzdem offen.