19. Mai 2020 / 15:16 Uhr

Nach Rummenigge-Kritik: DFB-Boss Keller will Gehaltsobergrenze einführen und stellt 5-Punkte-Plan vor

Nach Rummenigge-Kritik: DFB-Boss Keller will Gehaltsobergrenze einführen und stellt 5-Punkte-Plan vor

Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
DFB-Präsident Fritz Keller (l.) hat zu einem 5-Punkte-Plan für mehr Nachhaltigkeit im Fußball aufgerufen.
DFB-Präsident Fritz Keller (l.) hat zu einem 5-Punkte-Plan für mehr Nachhaltigkeit im Fußball aufgerufen. © dpa
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Fritz Keller will den deutschen Fußball neu aufstellen. Zu diesem Zweck stellte der DFB-Präsident am Dienstag einen 5-Punkte-Plan für mehr Nachhaltigkeit vor. Darunter findet sich - nach Konsultationen mit Bayern-Vorstand Karl-Heinz Rummenigge - auch die Einführung einer Gehaltsobergrenze.

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DFB-Präsident Fritz Keller sieht die aktuelle Corona-Krise als gute Gelegenheit dazu, den Fußball grundsätzlich neu aufzustellen. Der 63-Jährige hat einen 5-Punkte-Plan für mehr Nachhaltigkeit entwickelt, um der Deutschen liebstes Hobby für die kommenden Generationen zu erhalten. "Die Auswirkungen der Corona-Pandemie werden uns aber noch auf Jahre hinaus beschäftigen. Deshalb gilt es jetzt, nicht nur abzuwarten, sondern aus dieser Krise zu lernen und die einmalige Fußballstruktur in Deutschland zukunftsfähig zu gestalten", erklärte Keller.

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Unter den fünf Punkten ist auch eine Gehaltsobergrenze und die "sinnvolle Regulierung des Fußballs" vorgesehen. Demnach gibt es bereits eine Arbeitsgruppe, die auch in Zusammenarbeit mit der UEFA dafür sorgen soll, dass eine europakonforme Regelung getroffen wird. Vor allem die immensen Transfersummen und Provisionen für Spielerberater würden die Gesellschaft zunehmend entfremden: "Da schäme ich mich manchmal wirklich fremd", sagte der Präsident des Verbandes. Keller erklärte, er habe unter anderem mit Karl-Heinz Rummenigge telefoniert. Der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern hatte den DFB-Chef am Wochenende deutlich kritisiert.

Es habe eine Aussprache gegeben, sagte Keller nun und bezog sich auf die Worte Rummenigges, der DFB solle sich "mal einen Besen kaufen, um vor der eigenen Tür zu kehren", nachdem der DFB-Präsident die Auswüchse des modernen Profifußballs kritisiert hatte. "Wir haben einen Konsens gefunden und wir kehren beim DFB jeden Tag, keine Sorge." Er freue sich, dass er im puncto Gehaltsobergrenzen "mit Karl-Heinz Rummenigge einer Meinung" sei, betonte Keller. Über Rummenigges Unterstützung beim Vorhaben der Gehaltsobergrenze habe er sich "unglaublich gefreut". Keller: "Seine Stimme hat auch international Gewicht."

Das ist der 5-Punkte-Plan von DFB-Präsident Keller

1. Keller will den DFB in der Corona-Krise für Präventivtests nutzen. Das bedeutet: falls von Politik und Wissenschaft präventive Tests in Deutschland durchgeführt werden, "wird der Fußball seinen Beitrag zum Gelingen dieser Maßnahme leisten: mit seiner verbindenden Kraft, seiner Popularität, Logistik und Infrastruktur, vor allem aber mit seinen sieben Millionen Mitgliedern und rund 25.000 Vereinen", sagte Keller.

2. Keller will über "eine Gehaltsobergrenze nachdenken" und den Fußball "sinnvoll regulieren". Zu diesem Zweck will der DFB-Präsident mit dem UEFA-Boss Aleksander Ceferin sowie seinen internationalen Verbandskollegen Kontakt aufnehmen. "Provisionen für Spielerberater und immense Transfersummen irritieren die Gesellschaft zunehmend und entfremden sie von unserem geliebten Sport", schrieb Keller. "Der gesamte Fußball ist aufgefordert, endlich zufriedenstellende Antworten auf diese Problemstellungen zu geben."

3. Keller will mehr Nachhaltigkeit für den Fußball. Es schwingt auch Kritik an der Wirtschaftsführung der Profiklubs mit: "Gute Unternehmensführung bedeutet insbesondere das Denken in langfristigen Perspektiven und nicht von Saison zu Saison", betont Keller. Zu diesem Zweck will er "verbindliche Nachhaltigkeits-Standards entwickeln. Außerdem will der DFB die Initiative der EU unterstützen, die sich ein klimaneutrales Europa im Jahr 2050 auf die Fahnen geschrieben hat. Die EM 2024 "wird dabei ein besonders wichtiger Meilenstein sein", so Keller.

Das sind die Vorgänger von DFB-Präsident Fritz Keller

Fritz Keller (links) ist der designierte DFB-Präsident: Theo Zwanziger (zweiter von links), Wolfgang Niersbach
 (dritter von links) und Egidius Braun (rechts) gehören zu seinen Vorgängern. Zur Galerie
Fritz Keller (links) ist der designierte DFB-Präsident: Theo Zwanziger (zweiter von links), Wolfgang Niersbach (dritter von links) und Egidius Braun (rechts) gehören zu seinen Vorgängern. ©

4. Keller will das Ehrenamt stärken. Der DFB-Präsident bezeichnet Ehrenamtler in Deutschland als "Heldinnen und Helden des Alltags" und nennt als Beispiel die Digitalisierung. Vereine sollen künftig Rücklagen bilden dürfen.

5. Keller will grundsätzlich mehr Dialogbereitschaft aller Interessensgruppen. "Alle genannten Maßnahmen möchte ich mit den Menschen abstimmen, die davon betroffen sind. Dazu werde ich einen breiten Dialog für mehr Nachhaltigkeit im Fußball starten", bekräftigt Keller. Dazu zählen neben Verbänden und Vereinen auch die Fans, Politiker und Wissenschaftler. Keller: "Die Stärkung des Fan-Dialogs als ein Teil unserer Dialogoffensive ist mir persönlich dabei besonders wichtig."