14. Oktober 2020 / 10:12 Uhr

Kommentar zur Defensive der DFB-Elf: Bundestrainer Joachim Löw braucht einen Abwehrchef

Kommentar zur Defensive der DFB-Elf: Bundestrainer Joachim Löw braucht einen Abwehrchef

Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Bundestrainer Joachim Löw muss nach Ansicht von RND-Sportchef Heiko Ostendorp einen Abwehrchef finden.
Bundestrainer Joachim Löw muss nach Ansicht von RND-Sportchef Heiko Ostendorp einen Abwehrchef finden. © imago images/Schüler
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Als Rückschlag wollen Joachim Löw und sein Team das 3:3 gegen die Schweiz nicht werten. Das Hauptproblem bleibt: Defensiv-Fehler bringen das Team um den Lohn gelungener Offensivaktionen. RND-Sportchef Heiko Ostendorp meint, dass der Bundestrainer keinen Abwehrboss mehr hat.

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Viel und intensiv wurde diskutiert in den vergangenen Tagen - und vielleicht ist das sogar gut so. Denn wenn sich die Menschen landauf, landab darüber streiten, ob Joachim Löw in der Defensive auf eine Dreier-, Vierer-, oder Fünferkette setzen soll, könnte man das auch als Zeichen werten, dass die Nationalmannschaft sehr wohl noch bewegt. Und zwar mehr, als man das anhand sinkender Einschaltquoten, die auch in anderen Fußball-Nationen aktuell nicht besser sind, "analysiert" haben wollte.

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Beim 3:3 gegen die Schweiz entschied sich der Bundestrainer (wie viele Experten im nahe gelegt hatten) mal wieder dafür, mit vier Verteidigern aufzulaufen - namentlich Lukas Klostermann, Matthias Ginter, Antonio Rüdiger und Robin Gosens. Auf der Pressetribüne wurde angesichts des zwischenzeitlichen Chaos' in der DFB-Defensive geflachst, ob Löw vielleicht mit Absicht diese taktische Ausrichtung vorgegeben habe, um den anderen "Bundestrainern" im Land zu zeigen: "Seht ihr, so läuft es auch nicht besser."

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Tatsächlich scheint in der Defensive aktuell nicht die Formation das Problem, sondern die Besetzung. Die vier Protagonisten, die gegen in der Bundesliga überforderte Stürmer wie Mario Gavranovic oder Haris Seferovic aufliefen, zeigten zumindest an diesem Abend keine gehobene internationale Klasse – und die ist auch nicht in Sicht. Schlimmer noch: Löw hat keinen Abwehrboss mehr. Vermutlich würde es zur allgemeinen Steigerung schon reichen, wenn ein Verteidiger diese Aufgabe übernehmen könnte. Aber Ginter ist zu ruhig, Süle zu jung und zu lange verletzt, Rüdiger gehört bei Chelsea nicht mal mehr zum Kader. Und Gosens ist ein DFB-Frischling.

Auch auf andere Kandidaten wie Robin Koch oder Jonathan Tah passt das Anforderungsprofil nicht, Mats Hummels und Jeromé Boateng hat der Bundestrainer selbst die Türe verschlossen. Am ehesten noch könnte Emre Can von seinem Naturell und seiner Erfahrung in diese Rolle schlüpfen, doch der ist weder gelernter Verteidiger, noch für die EM-Startelf vorgesehen. Vielleicht war es im Nachhinein ein Fehler, dass Löw auf dieser auch hierarchisch wichtigen Position gleich zwei Leader geopfert hat. Zumindest wird man das Gefühl nicht los, dass es mit dieser Abwehr schwierig wird, die selbst gesteckten Ziele ("Minimum EM-Halbfinale") zu erreichen. Zur Erinnerung: zwei der drei Gruppengegner sind Europameister Portugal und Weltmeister Frankreich.