30. Juni 2022 / 18:30 Uhr

Des Fußballs neue Heimat für 150 Millionen Euro: DFB-Campus in Frankfurt offiziell eröffnet

Des Fußballs neue Heimat für 150 Millionen Euro: DFB-Campus in Frankfurt offiziell eröffnet

Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Am Donnerstag wurde der neue DFB-Campus in Frankfurt offiziell eröffnet. DFB-Direktor Oliver Bierhoff zeigte sich stolz.
Am Donnerstag wurde der neue DFB-Campus in Frankfurt offiziell eröffnet. DFB-Direktor Oliver Bierhoff zeigte sich stolz. © IMAGO/Nico Herbertz/dpa (Montage)
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Mit der Eröffnung des 150-Millionen-Euro-Projekts DFB-Campus will der krisengeschüttelte Verband neue Maßstäbe setzen und zurück in die Weltspitze. 

Für sein smartes Grinsen ist Oliver Bierhoff schon immer bekannt. Bei öffentlichen Auftritten gibt sich der DFB-Direktor meist bestens gelaunt, freundlich und eloquent. Am Donnerstagabend war er aber besonders gut drauf. Kein Wunder, denn Bierhoffs Baby wurde getauft. Auf den Tag genau 26 Jahre nachdem er mit seinem Tor im Finale gegen Tschechien Deutschland letztmals zum Europameister machte, eröffnete der Deutsche Fußball-Bund seine neue Heimat im Frankfurter Stadtteil Niederrad, den 150 Millionen Euro teuren Campus.

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"Wir sind unglaublich stolz, dass wir heute hier stehen können", sagte Bierhoff, der die Idee initiiert hatte und ergänzte: "Wir haben uns viele Projekte angeschaut, aber es gibt keinen Verband, der Sport und Verwaltung so vereint wie wir jetzt."

So sieht der neue DFB-Campus aus.
So sieht der neue DFB-Campus aus. © DFB/Kadawittfeldarchitektur

Von den Ex-Präsidenten schaut nur Grindel vorbei

Natürlich waren auch Bundestrainer Hansi Flick und Präsident Bernd Neuendorf zur Einweihung gekommen und zeigten sich – wenig überraschend – begeistert vom Komplex, der am Freitag nach 1155 Bautagen offiziell in den Vollbetrieb startet. Es fehlen nur noch ein paar Schlösser und Türschilder, die aktuell auf einem Schiff vor Shanghai lagern. Der DFB-Coach wird mit seiner Mannschaft erstmals im September auf der Anlage trainieren und freute sich, "dass wir jetzt ein gemeinsames Zuhause haben". Neuendorf lobte seine Präsidentenvorgänger, die den Bau des Campus mit verantwortet hatten und allesamt eingeladen waren. Der Einzige, der sich blicken ließ, war allerdings Reinhard Grindel – auch ein Statement aufgrund der vielen Irrungen und Wirrungen der Vergangenheit.

Unter den rund 300 Gästen war natürlich trotzdem reichlich Prominenz aus Politik und Sport, beispielsweise der ehemalige WM-Kapitän und heutige Turnierdirektor der EM 2024, Philipp Lahm, mit seiner Kollegin Celia Sasic, Frankfurts Sportchef Markus Krösche oder Hessens Ministerpräsident Boris Rhein. Laut Neuendorf haben sich demnächst UEFA-Präsident Aleksandr Ceferin und FIFA-Boss Gianni Infantino angesagt – zur Eröffnung schickten sie Vertreter aus der zweiten und dritten Reihe.

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Neuer DFB-Campus soll Herz für die Kicker des Landes sein

Bis zu 700 Mitarbeitende finden auf dem 15 Hektar großen Gelände der ehemaligen Galopprennbahn künftig Platz, das hervorragend an den Flughafen und die Autobahn angebunden ist. Bierhoffs Leuchtturmprojekt ("Ein Quantensprung für den deutschen Fußball") soll ab jetzt die Zentrale, das Herz für die Kicker des Landes sein. "Aber nicht nur für die Elite, sondern für den gesamten Fußball", wie Akademieleiter Dr. Tobias Haupt betonte und den teilweise kritischen Stimmen aus den Landesverbänden zum teuren Prestigeobjekt entgegnete.

Amateurfußballer und Trainer aus den 24.316 Vereinen, deren Wappen in den Eingangsbereich des Campus integriert sind, sollen regelmäßig eingeladen werden, bald alle Nationalmannschaften, inklusive der U-Teams, dort regelmäßig trainieren, auch Flick und Bierhoff ein- und ausgehen. Man wolle den Fußball nicht neu erfinden, aber fortschrittlich und innovativ sein, durch die kurzen Wege neue Synergien schaffen, Ideen und ganzheitliche Ansätze bieten – in Sachen Training, Ausbildung, Talentsichtung, Technikeinbindung, so das Credo.

33 Athletenzimmer reichen für den Tross der A-Nationalmannschaften nicht aus

Es gibt neben der Verwaltung zahlreiche Konferenz- und Seminarräume, einen Pressekonferenzsaal, einen Fitnessbereich mit Saunen, Laufparcours und Techlab – und drei frisch angelegte Rasenplätze, die die deutschen Fußballerinnen Anfang des Monats in Vorbereitung auf die Frauen-EM in England einweihen durften. Außerdem stehen ein überdachter Kunstrasenplatz mit FIFA-Originalmaßen und eine Futsal- und Mehrzweckhalle zur Verfügung.

Bei aller Euphorie mutet es allerdings etwas merkwürdig an, dass die A-Nationalmannschaften bei ihren Maßnahmen auch in Zukunft in einem Hotel übernachten und anreisen müssen, da die 33 Athletenzimmer für die großen Trosse nicht ausreichen. Ein starkes Signal hätte anders ausgesehen.

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