15. Januar 2021 / 09:21 Uhr

Stimmung vergiftet, Klima der Angst: DFB-Machtkampf spitzt sich vor Präsidiumssitzung zu

Stimmung vergiftet, Klima der Angst: DFB-Machtkampf spitzt sich vor Präsidiumssitzung zu

Frank Hellmann
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Beim DFB scheint der Machtkampf zwischen Präsident Fritz Keller und Generalsekretär Friedrich Curtius immer verbissener zu werden.
Beim DFB scheint der Machtkampf zwischen Präsident Fritz Keller und Generalsekretär Friedrich Curtius immer verbissener zu werden. © imago images/Martin Hoffmann/Kicker/Zink/Montage
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Beim DFB nimmt der Machtkampf zwischen Präsident und Generalsekretär immer mehr Fahrt auf. Eine Schlichtung scheint aktuell nicht in Sicht. Und jetzt steht auch noch eine Präsidiumssitzung an.

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Wenn die Probleme beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) doch so schnell dahinschmelzen würden wie der Schnee im Frankfurter Stadtwald. Die weiße Pracht hielt dem Tauwetter nicht stand, aber nichtsdestotrotz herrscht in der DFB-Zentrale weiterhin Eiszeit. Vor der Präsidiumssitzung am Freitag stehen sich Präsident Fritz Keller und Generalsekretär Friedrich Curtius weiter unversöhnlich gegenüber. Keller hat den Fehdehandschuh in Richtung Curtius geworfen, indem er einen Untersuchungsausschuss im eigenen Hause fordert, über den nun die Präsidiumsmitglieder abstimmen sollen.

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Der Verbandsboss höchstselbst will Informationen vorlegen, die sein verloren gegangenes Vertrauen in den wichtigsten Angestellten im operativen Geschäft belegen. Dass der 2019 mit vielen Vorschusslorbeeren als Erneuerer empfangene Keller mit dem bereits seit 2004 für den DFB tätigen Curtius keine Arbeitsgrundlage mehr sieht, ist offenkundig. Die beiden mächtigsten Männer im Verband liefern sich auch im neuen Jahr einen Machtkampf: Keller, 63, und Curtius, 45, pflegen so unterschiedliche Herangehensweisen an ihre Aufgaben, dass eine Übereinkunft kaum mehr möglich erscheint.

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Als der Präsident zum Jahreswechsel betonte, "alte Zöpfe müssen abgeschnitten werden" oder "Fehler, die vor Jahren gemacht worden sind", seien nie "richtig beseitigt worden", waren das gezielte Angriffe auf den Generalsekretär. Allerdings verfügt Curtius über wichtige Verbündete: Im fünfköpfigen Präsidialausschuss werden Vizepräsident Rainer Koch und Schatzmeister Stephan Osnabrügge ihm zugerechnet, während Multifunktionär Peter Peters eher hinter Keller steht und dabei als Interessenvertreter der Bundesliga-Vereine dient, wobei es jeglicher Grundlage entbehrt, dass die Deutsche Fußball-Liga (DFL) die Macht übernehmen will. Aber: Sie rückt wohl von Curtius ab. Süddeutsche Zeitung und Bild berichteten von einem brisanten Schreiben des Präsidiums der DFL an Keller. Darin sollen die Verantwortlichen der Liga Keller bitten, Curtius künftig nicht mehr als Vertreter des DFB zu den Sitzungen zu entsenden.

Von Razzien und Steuernachforschungen

Einen Verband, den eine Razzia im Herbst vergangenen Jahres und zuletzt noch Steuernachforderungen wegen Sachzuwendungen des Großsponsors Adidas belastet haben – davon wird die Ligavertretung indes die Finger lassen, zumal deren Chef Christian Seifert im nächsten Jahr die Kommandobrücke verlässt. Auch Seiferts Verhältnis zu Curtius ist dem Vernehmen nach gestört. Dem DFL-Boss ist das Management des DFB-Generalsekretärs suspekt. Dabei geht es vor allem um die Rolle der eigentlich als Aufklärer angeheuerten Firma Esecon.

Der Umgang mit dem Wirken der Ermittler, die sich aus Kriminalisten, Polizisten, Juristen, IT-Forensikern und Wirtschaftsprüfern zusammensetzen, ist zu einem zentralen Streitpunkt geworden, denn ihre teuren Nachforschungen haben viel Unruhe ausgelöst. Ende Januar soll der Esecon-Bericht zur sogenannten Generalinventur vorliegen. Die Esecon-Mitarbeiter haben Räume im Anbau der DFB-Zentrale bezogen, führen Befragungen durch, tauchen in Sitzungen auf. Durch Zugriff auf die interne IT können sämtliche Mails gesichtet werden. Viele Mitarbeiter sind verunsichert, einige Angestellte berichten von einem Klima der Angst. Curtius weist die Vorwürfe als "absurd" zurück.

Keller-Rücktritt ausgeschlossen

Am Freitag wird von Keller auch ein hoch dotierter Beratervertrag zur Sprache kommen, den Curtius mit unterschrieben hat. Der Präsident sieht sich als Opfer so mancher Intrigen. An Rücktritt denkt der Winzer aber mitnichten. In einem Radiointerview mit dem Hessischen Rundfunk klang kürzlich viel Kampfeslust durch, als er sagte: "Wenn sie dafür geholt werden, Dinge zu verändern, müssen sie auch in Konflikte rein." Und er fügte an: "Ich werde mich auf keinen Fall vom Weg der Erneuerung abbringen lassen." Was heißt: Seine Aufräumarbeiten sind noch nicht beendet. Der ehemalige Präsident des SC Freiburg kann stur sein, wenn er seinen Überzeugungen folgt. Jetzt scheint er es drauf ankommen zu lassen, ob der Präsident oder der Generalsekretär diesen Konflikt verliert.