22. Juni 2021 / 17:01 Uhr

Friedrich, Höwedes, Kramer: Diese DFB-Stars überraschten wie Robin Gosens bei großen Turnieren

Friedrich, Höwedes, Kramer: Diese DFB-Stars überraschten wie Robin Gosens bei großen Turnieren

Heiko Ostendorp und Tobias Manzke
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Robin Gosens hat bei dieser EM für positive Überraschungen gesorgt - ähnlich wie andere einstige DFB-Helden bei großen Turnieren.
Robin Gosens hat bei dieser EM für positive Überraschungen gesorgt - ähnlich wie andere einstige DFB-Helden bei großen Turnieren. © IMAGO / Team 2 / Avanti / Getty (Montage)
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Mit seiner Gala-Vorstellung beim 4:2 gegen Portugal hat Nationalspieler Robin Gosens bei der EM nachhaltig auf sich aufmerksam gemacht. Doch er ist nicht der erste Spieler, der bei einem großen Turnier im DFB-Dress zu einem unerwarteten Helden wurde. Der SPORTBUZZER blickt zurück.

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Mit seiner Weltklasseleistung gegen Portugal eroberte „DFB-Kampfschwein“ Robin Gosens die Herzen einer ganzen Fußballnation im Sturm. Durch seine unbekümmerten Aussagen („Mir ist einer abgegangen“, „Das war affengeil“) und frechen Auftritten auf und neben dem Platz ist er auf bestem Weg bei dieser EM, ein neuer, unerwarteter Held zu werden – er wäre nicht der erste.

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Jeder Fußballfan erinnert sich bis zum heutigen Tag an diese Bilder. Als die frischgebackenen Weltmeister 2014 am Brandenburger Tor in Berlin vor über einer Million Anhängern auf die Bühne traten und ihre Choreographie zum Besten gaben, ernteten auch zwei Nationalspieler riesigen Applaus, die vor dem Turnier kaum jemand auf dem Zettel hatte: Christoph Kramer und Benedikt Höwedes.

Kramer mit kuriosem Auftritt im WM-Finale 2014

Vor dem Sieg gegen Argentinien im Maracana-Stadion in Rio gab es tatsächlich deutsche Reporter auf der Medientribüne, die nicht wussten, bei welchem Verein Kramer überhaupt spielte. Nach zuvor nur zwölf gespielten WM-Minuten war er nach dem Aufwärmen für den angeschlagenen Sami Khedira in die Startelf fürs Finale gerutscht und musste schon nach 31 Minuten aufgrund eines Zusammenpralls mit einer Gehirnerschütterung und Kieferprellung wieder ausgewechselt werden. Zuvor war er minutenlang über den Platz getaumelt, hatte den Schiedsrichter gefragt, ob dieses Spiel wirklich das WM-Finale sei – und kann sich bis heute nicht an den größten Abend seiner Karriere erinnern. Die verrückt-tragische Geschichte machte aus ihm einen der Helden, der bis heute Kultstatus hat.

Ein anderer war Höwedes, den Bundestrainer Joachim Löw vom Innen- zum Außenverteidiger umfunktioniert hatte und der auf der linken Abwehrseite in der sogenannten „Ochsenkette“ jede Partie über die komplette Spielzeit absolvierte. Der ehemalige Schalker ging als einer von insgesamt gerade mal zehn deutschen Nationalspielern, die bei einem der vier WM-Titel keine einzige Minute verpassten, in die DFB-Geschichtsbücher ein. Als Kirsche auf der Torte gab es zudem ein Sonderlob von höchstmöglicher Stelle. Franz Beckenbauer schwärmte nach dem Turnier: „Er hat auf einer völlig fremden Position gespielt und eine Klasseleistung gebracht. Das hat er mit Bravour bewältigt. Höwedes hat mich am meisten überrascht.“

Friedrich brillierte bei WM 2010

Vier Jahre zuvor schaffte es Arne Friedrich als Kapitän des damaligen Absteigers Hertha BSC auf die große Bühne. Vor der WM 2010 in Südafrika lief der Verteidiger jahrelang unter dem Radar. Bis zum Viertelfinale gegen Argentinien war Friedrich in 76 Länderspielen ohne Tor geblieben. Beim furiosen 4:0-Sieg traf er aber nicht „nur“ zum Endstand, sondern meldete auch den Superstar der „Albiceleste“, Lionel Messi, ab und machte eine überragende Partie. Auch Friedrich verpasste in der Innenverteidigung neben Per Mertesacker übrigens keine einzige Turnierminute. Später widmete ihm der damals noch nicht gänzlich abgedriftete Xavier Naidoo sogar eine eigene Strophe. Im Song „Danke“ heißt es: „Und Arne Friedrich war uns erst zu friedlich, dann war er wie neugeboren und schließlich sah man die Tür vorm Tor: Arne Friedrich, Deutschland liebt dich!“

Nicht so spektakulär, aber enorm effizient gelang Dieter Eilts beim EM-Titelgewinn 1996 der Sprung zum unerwarteten Helden. Der damalige Bremer räumte im defensiven Mittelfeld alles ab, wurde beim Turnier in England zu einer der wesentlichen Stützen des DFB-Teams und am Ende sogar ins All-Star-Team der UEFA gewählt. Für Gosens ist es bis dahin noch ein langer Weg.