31. Mai 2022 / 12:12 Uhr

Plötzlich WM-Härtetest: Wie sich die Bedeutung der Nations League für das DFB-Team gewandelt hat

Plötzlich WM-Härtetest: Wie sich die Bedeutung der Nations League für das DFB-Team gewandelt hat

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Für Hansi Flick sind die kommenden Spiele in der Nations League seine erste große Herausforderung als Bundestrainer.
Für Hansi Flick sind die kommenden Spiele in der Nations League seine erste große Herausforderung als Bundestrainer. © IMAGO/Michael Weber (Montage)
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Erst der Fast-Abstieg in der ersten Saison, dann die Blamage gegen Spanien im Jahr 2020: Die Nations League war bisher kein Erfolgswettbewerb für die deutsche Nationalmannschaft. Der dritten Auflage des Turniers kommt unter Löws Nachfolger Hansi Flick aber eine besondere Bedeutung zu - nicht nur wegen der Qualität der Gegner.

In den vergangenen Jahren hatte es fast schon Tradition. Mindestens einer, meist mehrere Stars fehlten, wenn sich die Nationalmannschaft vor den großen Turnieren versammelte. 2021 musste Joachim Löw bei der EM-Vorbereitung in Seefeld auf die Ankunft von Finalteilnehmer Ilkay Gündogan und der drei Chelsea-Legionäre um Kai Havertz warten, der seinen Klub gerade zum Champions-League-Titel geschossen hatte. Bei den vorherigen Sammlungen wurden die Plätze für Spieler des FC Bayern, von Real Madrid und/oder Manchester City frei gehalten.

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Am Montagabend dagegen konnte Hansi Flick, der Löw inzwischen als Bundestrainer beerbt hat, 25 Spieler seines Kaders (einzig Marco Reus fehlte erkrankt) in der sogenannten World of Sports bei Ausrüster Adidas in Herzogenaurach begrüßen. Der einzige Deutsche im Endspiel der Königsklasse, Toni Kroos, ist inzwischen aus dem DFB-Team zurückgetreten und relaxt mit seinem fünften Henkelpott.

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Es wird ernst: DFB-Trainingslager in Marbella ist passé

So sehr sich Flick sicher gefreut hätte, wenn einer seiner aktuellen Nationalspieler den wichtigsten Titel im europäischen Klubfußball errungen hätte, so zufrieden wird er sein, nun gleich mit allen Akteuren arbeiten zu können – die Zeit ist knapp. Sehr knapp, denn bis zum Start der Winter-WM in Katar gibt es nur noch eine Länderspielphase im September. Und knapp bis zum Beginn der Nations League am Samstag, die 2022 deutlich wichtiger ist als zuletzt – zumindest fürs DFB-Team.

Nach den vier Spielen, die in den nächsten 14 Tagen anstehen, werde man "wissen, wie weit der Weg noch ist", betonte der Bundestrainer mit Blick auf die propagierte Rückkehr in die Weltspitze zum Abschluss des Kurztrainingslagers in Marbella, das er in der vergangenen Woche zum lockeren Aufgalopp mit seinen Spielern und deren Familien abgehalten hatte und das er als "runde Sache" bezeichnete. Doch in den kommenden Tagen werden sich die Begrifflichkeiten und die Ansprache ändern: Keine Familien, kein Freizeitspaß, jetzt wird es ernst! "Ich habe den Spielern ganz klar gesagt: Wenn wir auf dem Platz stehen, wenn wir ein Meeting haben, dann müssen sie zu 100 Prozent da sein. Die Spieler haben eine Riesenverantwortung dafür, was sie auf dem Platz bringen", sagte Flick. Und DFB-Direktor Oliver Bierhoff ergänzte: "Wir haben große Ziele dieses Jahr. Die WM steht an, da müssen wir Extrameilen gehen."

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WM-Ticket für Ausnahmetalent Wirtz reserviert?

Die anstehenden Partien des neuen Wettbewerbs, in dem sich Deutschland unter Löw noch blamierte (zwei Punkte aus vier Spielen 2018/2019, zwei Siege aus sechs Partien 2020/2021), sind nun eindeutig zu Härtetests mit Blick auf die Endrunde deklariert worden – auch weil die Gegner allesamt Endrunden-Niveau haben. Zweimal geht es gegen Europameister Italien (4./14. Juni), dazwischen gegen England (7. Juni) und Ungarn (11. Juni). "Die Nations League hat an Bedeutung gewonnen“, bestätigt Bierhoff. "Es geht darum, als Mannschaft einen weiteren Schritt nach vorn zu machen, sich Selbstvertrauen zu holen."

Natürlich kann bis zum WM-Auftaktspiel gegen Japan (23. November) noch einiges passieren, dennoch bezeichnet Flick seinen aktuellen Kader sehr offensiv als „Maß aller Dinge“, sprich: Ambitionierte Profis wie Robin Gosens, Matthias Ginter, Florian Neuhaus und Christian Günter, die allesamt nicht dazugehören, müssen in den kommenden Monaten Gas geben, wenn sie ihre Konkurrenten noch überholen wollen. Einzig für Ausnahmetalent Florian Wirtz (Kreuzbandriss) dürfte der DFB-Coach einen WM-Platz reservieren, falls der 19-Jährige noch rechtzeitig fit wird.

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