20. September 2022 / 08:33 Uhr

Zwischen Nations League und Katar-Debatte: Die Herausforderungen für das DFB-Team auf dem Weg zur WM

Zwischen Nations League und Katar-Debatte: Die Herausforderungen für das DFB-Team auf dem Weg zur WM

Heiko Ostendorp und Tobias Manzke
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Bundestrainer Hansi Flick (l.) und die deutsche Nationalmannschaft stehen vor der WM in Katar noch vor einigen Herausforderungen.
Bundestrainer Hansi Flick (l.) und die deutsche Nationalmannschaft stehen vor der WM in Katar noch vor einigen Herausforderungen. © IMAGO/Ulrich Hufnagel, Moritz Müller (Montage)
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Noch fast genau zwei Monate sind es bis zum Anpfiff der Winter-WM in Katar. Auf die deutsche Nationalmannschaft warten bis dahin noch sportliche Herausforderungen in der Nations League, aber auch nicht sportliche Herausforderungen, die das WM-Gastgeberland betreffen.

Der Countdown läuft – am Dienstag sind es auf den Tag genau noch zwei Monate bis zum Anpfiff der ersten Winter-WM in Katar. Am Montag traf sich die Nationalmannschaft vor den Toren von Frankfurt, um sich vor dem Abflug zur umstrittenen Endrunde im Wüstenstaat einzustimmen. Am Freitag spielt das Team von Hansi Flick in Leipzig gegen Ungarn (20.45 Uhr, ZDF), bevor es am nächsten Montag in London gegen England geht (20.45 Uhr, RTL). "Eine gute Generalprobe für die WM", nennt der Bundestrainer die beiden Partien der Nations League, in denen die DFB-Elf, die nach drei Remis und einem Sieg einen Punkt hinter Tabellenführer Ungarn liegt, den Gruppensieg eintüten will. Dieser würde die Teilnahme an der Finalrunde im Juni 2023 bedeuten und ist aus diesem Grund enorm wichtig, um auf dem Weg zur Heim-EM 2024 nicht nur Freundschaftsspiele bestreiten zu müssen.

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An diesem Dienstag bittet Flick seinen 24er-Kader erstmals zur Trainingseinheit auf dem neuen DFB-Campus. Er will die sieben Tage nutzen, um weitere Eindrücke zu sammeln, bevor die Auswahl am 14. November zur Turniervorbereitung in den Oman abhebt. Dort wird Deutschland zwei Tage später den letzten Test bestreiten, am 23. November (14 Uhr) wartet zum WM-Auftakt Japan. "Der Oman ist ein gutes Ziel, um sich möglichst schnell an die Klimazone von Katar zu gewöhnen, und ein nicht ganz so starker Gegner", begründete DFB-Direktor Oliver Bierhoff diese Entscheidung. Begleitet wird die Mannschaft dabei übrigens erstmals von einem TV-Team von Amazon Prime, das eine sechsteilige Dokumentation "auf dem Weg zurück in die Weltspitze" dreht und einen Blick hinter die Kulissen bieten soll.

Bierhoff hob während des DFB-Kongresses "Sport und Menschenrechte" am Montag noch einmal hervor, dass es in Katar um mehr gehen wird als um den WM-Pokal: "Wir müssen darauf achten, diesen Spagat zu finden zwischen der Verantwortung und dem Bewusstsein, das wir als Menschen haben. Auf der anderen Seite gehen wir als deutsche Nationalmannschaft rüber, wir vertreten unser Land, wir wollen erfolgreich Fußball spielen." Das Team freue sich auf die Weltmeisterschaft, auf das Messen mit den Besten der Welt und darauf, „dass wir Deutschland vertreten können und hoffentlich den nächsten Stern holen“. Die „vielen Geräusche und auch Kritiken, die vorher kommen“, dürften "nicht dazu führen, dass wir keine Lust am Turnier haben", so Bierhoff.

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DFB-Boss Neuendorf stellt Forderungen an Katar

Der Botschafter Katars in Deutschland, Abdulla Mohammed al Thani, forderte bei der Veranstaltung indes einen fairen Umgang mit seinem Land als WM-Gastgeber und zog einen Vergleich zu Russland als Ausrichter 2018. "Wenn wir vier Jahre zurückgehen, war die WM in einem Land, die Krim war gerade eingenommen, Menschen im Gefängnis, unterdrückte Menschen, und da war keine Aufmerksamkeit aus Deutschland und nicht aus irgendeinem anderen Land in Europa", sagte er. Sein Land stehe seit zwölf Jahren im Fokus und habe viele Veränderungen angestoßen. Die Situation in Katar sei "noch nicht perfekt", räumte der Botschafter ein, der Wandel brauche Zeit. "Es ist nicht bei 100 Prozent, es ist eine Reise", meinte er. Al Thani wünschte sich, dass Deutsche, die in Katar waren, von ihren positiven Erfahrungen berichten: „Sagen Sie es öffentlich oder halten Sie den Mund“, formulierte der Diplomat in ungewöhnlich klarer Wortwahl.

DFB-Präsident Bernd Neuendorf kündigte indes an, vor dem WM-Start nochmals die Verbesserung der Menschenrechtslage in Katar bei einer gemeinsamen Reise mit Innenministerin Nancy Faeser (SPD) anzumahnen. Fortschritte seien erkennbar, doch zwei Punkte bedürften der konkreten Umsetzung, betonte er. So müssten „Working center“ eingerichtet werden, an die sich Arbeiter bei Verstößen der Arbeitgeber wenden könnten, und ein Fonds für Arbeiter, die beim Bau der Stadien ums Leben kamen oder verletzt wurden. Dort stehe auch die FIFA in der Verantwortung.