18. März 2020 / 12:52 Uhr

DFB streicht Ex-Nationalspielern die Ehrenkarten - Weltmeister Kohler: "Schreiben scheinheilig"

DFB streicht Ex-Nationalspielern die Ehrenkarten - Weltmeister Kohler: "Schreiben scheinheilig"

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Ex-Weltmeister wie Thomas Berthold (links) und Jürgen Kohler (rechts) reagierten irritiert auf die Entscheidung des DFB, den verdienten Nationalspielern die Ehrenkarten zu streichen.
Ex-Weltmeister wie Thomas Berthold (links) und Jürgen Kohler (rechts) reagierten irritiert auf die Entscheidung des DFB, den verdienten Nationalspielern die Ehrenkarten zu streichen. © imago/WEREK
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Der DFB streicht ehemaligen Nationalspielern die Ehrenkarten für Heim-Länderspiele und das DFB-Pokalfinale. Stattdessen erhalten die Ex-Profis nun ein Vorkaufsrecht auf VIP-Tickets mit 30 Prozent Rabatt. Diese Maßnahme sorgt bei drei Weltmeistern für mächtig Unmut.

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Der DFB streicht ehemaligen Nationalspieler - und auch anderen Personengruppen - die Ehrenkarten. Dies berichtet die SportBild, der ein entsprechendes, drei Din-A4-Seiten langes Schreiben dazu vorliegt. Demnach beendet der Verband die bisherige Praxis, ehemalige Nationalspieler zu Heim-Länderspielen und zum DFB-Pokalfinale einzuladen. Stattdessen sollen sie künftig ein exklusives Vorkaufsrecht auf VIP-Tickets mit einem Rabatt von 30 Prozent erhalten.

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Die Entscheidung ist offenbar Konsequenz einer Betriebsprüfung beim DFB. Die damit einhergehenden Diskussionen mit externen Beratern hatten das Ziel, "nachhaltig den Status der Gemeinnützigkeit zu sichern", wie der DFB in dem von Schatzmeister Dr. Stephan Osnabrügge und Generalsekretär Dr. Friedrich Curtius unterzeichneten Schreiben mitteilt. Außerdem hatte der Verband wohl Bedenken bezüglich des Einsatzes von Geldern - und der Frage, ob diese satzungsgemäß (zur Förderung des Fußballsports) verwendet werden oder eher einem wirtschaftlichen Zweck dienen.

Weltmeister von 1990 reagieren irritiert

Drei Weltmeister von 1990 äußerten sich irritiert bis enttäuscht über die Maßnahme. Andreas Brehme, der im Finale gegen Argentinien in Rom vor 30 Jahren den entscheidenden Elfmeter zum 1:0-Endspielsieg verwandelt hatte, sagte der SportBild: "Mein erster Gedanke war, als ich die Mail las: Dann gehe ich halt gar nicht mehr zu Länderspielen." Jürgen Kohler ergänzte: "Das Schreiben kommt mir scheinheilig vor. Die Begründung ist für mich nicht schlüssig. Auch verbilligte Karten sind ein geldwerter Vorteil."

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Lothar Matthäus, der Weltmeister-Kapitän von damals, äußerte zwar Verständnis dafür, dass der DFB aufgrund der Sommermärchen-Affäre um die Vergabe der WM 2006 offenbar besonders transparent agieren will. Denn: "Karten kann sich jeder von uns kaufen, wenn er will", meint er: "Das ist nicht das Problem. Aber die Art und Weise ist irritierend." Ex-Verteidiger Thomas Berthold konnte sich eine Bemerkung nicht verkneifen, die als Seitenhieb gegen Osnabrügge und Curtius verstanden werden könnte: "Ich kann nur betonen: Wichtig ist es, dass beim DFB nicht zu viele Juristen und Bürokraten das Ruder übernehmen."