01. Dezember 2020 / 08:59 Uhr

Ablauf, Dauer, Inhalte: So lief der DFB-Gipfel zur Zukunft von Bundestrainer Joachim Löw

Ablauf, Dauer, Inhalte: So lief der DFB-Gipfel zur Zukunft von Bundestrainer Joachim Löw

Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die DFB-Spitze um Direktor Oliver Bierhoff (links) und Präsident Fritz Keller diskutierte am Montag gemeinsam mit Joachim Löw (rechts) über die Zukunft des Bundestrainers.
Die DFB-Spitze um Direktor Oliver Bierhoff (links) und Präsident Fritz Keller diskutierte am Montag gemeinsam mit Joachim Löw (rechts) über die Zukunft des Bundestrainers. © imago images (Montage)
Anzeige

Joachim Löw bleibt Bundestrainer – dies ergab eine DFB-Sitzung am Montag. In den Gesprächen ging es weniger um Details als um das große Ganze. Auch die Rückkehr der geschassten Thomas Müller, Jérome Boateng und Mats Hummels war kein Thema. Ein Rückblick auf den entscheidenden Tag.

Anzeige

Das Gespräch über die wichtigste Personalie im deutschen Fußball dauerte weniger lang als ein Spiel – nach nicht mal 90 Minuten war klar: Joachim Löw bleibt Bundestrainer! Entgegen vieler Berichte in den vergangenen Tagen und Wochen trafen sich die Bosse um DFB-Präsident Fritz Keller, Direktor Oliver Bierhoff, die Vizepräsidenten Rainer Koch und Peter Peters, Schatzmeister Stephan Osnabrügge bereits am Montag in der Verbandszentrale und tagten in der Bibliothek im ersten Stock – auf Wunsch von Löw. Dieser wollte sich nach dem 0:6-Debakel in Spanien persönlich erklären und Stellung nehmen zur heftigen Kritik und den Rücktrittsforderungen, die es landauf landab gab. Einzig Friedrich Curtius fehlte – nach seinem heimischen Leitersturz ist der Generalsekretär noch krank geschrieben.

Anzeige

Um 15.45 Uhr wurde dann die Mitteilung versendet: "DFB-Spitze unterstützt Joachim Löw auf weiterem Weg mit der Nationalmannschaft". In 36 Zeilen wurde begründet, warum die Bosse den eingeschlagenen Weg mit dem Bundestrainer weitergehen. Unter anderem hieß es: "Auf dem Weg zur EM 2021 sind bereits wichtige sportliche Ziele erreicht worden – darunter die EM-Qualifikation, der Verbleib in Liga A der Nations League und die Positionierung im ersten Lostopf bei der WM-Qualifikation. Entsprechend hat Joachim Löw weiterhin das Vertrauen des DFB-Präsidiums."

Mehr zur Löw-Entscheidung

Dieses Gremium wurde nach der Sitzung des Präsidialausschusses telefonisch zugeschaltet und nickte die Empfehlung von Bierhoff und Co. wenig überraschend ab. Damit erübrigt sich dieser Punkt auf der Tagesordnung für den kommenden Freitag, an dem es zur turnusmäßigen Präsidiumssitzung kommt. Bierhoff wird natürlich dennoch anwesend sein, die Entscheidung über die Zukunft des Bundestrainers ist derweil allerdings schon gefallen.

Rauswurf und Nachfolger waren kein Thema

Um Löw abzusetzen hätte es formaljuristisch im Übrigen einen Antrag geben müssen, das Gegenteil war der Fall. Tatsächlich präsentierte sich die Spitze des zuletzt häufig so brüchigen Verbandes zumindest in der wichtigsten Personalie geschlossen – ein Rauswurf des Bundestrainers war nach SPORTBUZZER-Informationen ebenso wenig ein Thema wie die Diskussion über mögliche Nachfolger. Intern soll der Name Ralf Rangnick zwar mal gefallen sein, zu ernsthaften Gesprächen kam es aber nie.


Bereits unmittelbar nach der Klatsche in Sevilla gegen Spanien hatte sich Präsident Keller in einer flammenden Kabinenansprache an die Mannschaft gewendet und appelliert, dass man nun zusammenhalten müsse – Rückschläge wie diese heftige Niederlage seien zwar nicht schön, könnten im Zuge eines derartigen Umbruchs aber durchaus passieren.

Auch Bierhoff hatte sich öffentlich vor den Bundestrainer gestellt und ihm das Vertrauen ausgesprochen: "Daran ändert ein Spiel nichts", sagte er.

In der Sitzung am Montag ging es übrigens weniger um Details als um das große Ganze – nämlich den eingeleiteten Umbruch und die weiteren Pläne Richtung EM. Daher waren auch Löw-Assistent Marcus Sorg und Torwarttrainer Andreas Köpke angereist, die allerdings nicht am Gipfel teilnahmen, sondern sich lediglich mit dem Bundestrainer austauschten.

Nach Informationen des SPORTBUZZER wurde in der Verbandszentrale auch nicht darüber gesprochen, ob man nun doch die aussortierten Weltmeister Thomas Müller, Jérôme Boateng und Mats Hummels zurückholen müsse. In Anbetracht der Tatsache, dass sich die Nationalmannschaft erst im März wieder trifft und bis dahin in alle Richtungen noch viel passieren kann, wäre eine solche Entscheidung zum jetzigen Zeitpunkt auch durchaus merkwürdig gewesen. Dennoch ist nicht ausgeschlossen, dass einer von ihnen oder alle bei der EM dabei sind – Löw will sich das offenhalten.