07. September 2019 / 14:33 Uhr

Deutschland devot: So hart geht das DFB-Team nach der Holland-Schlappe mit sich ins Gericht

Deutschland devot: So hart geht das DFB-Team nach der Holland-Schlappe mit sich ins Gericht

Tim Lüddecke und Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Alles andere als zufriedenstellend: Bundestrainer Joachim Löw war mit der Leistung seiner Mannschaft nicht einverstanden. Auch seine Spieler fanden klare Worte.
Alles andere als zufriedenstellend: Bundestrainer Joachim Löw war mit der Leistung seiner Mannschaft nicht einverstanden. Auch seine Spieler fanden klare Worte. © Getty
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Als anhaltende Lektion des Ausscheidens bei der WM geben sich Bundestrainer Joachim Löw und seine Spieler nach der Niederlage gegen Holland selbstkritisch. Das wirft Fragen auf - zeigt aber auch das neue Selbstverständnis des DFB-Teams.

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Niklas Süle musste dem Fragesteller Recht geben. „Das haben Sie gut gesehen“, sagte der Nationalverteidiger am späten Freitagabend, angesprochen auf die deutsche Mauer- und Umschalttaktik, die im Hamburger Volksparkstadion gegen das niederländische Nationalteam mal so gar nicht aufgegangen war. „Mir war das zu wenig Ballbesitz“, stimmte er ein in die überaus selbstkritische Betrachtungsweise, die nach der 2:4-Niederlage in dem EM-Qualifikationsspiel in den Aussagen der DFB-Protagonisten beinahe auffällig erschien. Andere Zahlen (neben dem Ergebnis) belegten diesen allgemeinen Eindruck natürlich, beispielsweise die dürftigen 36 Prozent deutsche Spielanteile.

Internationale Pressestimmen zur deutschen Niederlage gegen Holland in Hamburg

Manuel Neuer hat mit dem DFB-Team eine herbe Heimniederlage gegen Holland kassiert. Der SPORTBUZZER zeigt die Reaktionen der internationalen Medien. Zur Galerie
Manuel Neuer hat mit dem DFB-Team eine herbe Heimniederlage gegen Holland kassiert. Der SPORTBUZZER zeigt die Reaktionen der internationalen Medien. ©
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Holland-Trainer Koeman zeigt sich verwundert über die passive deutsche Gangart

Das sollte dann doch nicht etwa die neue Art Fußball sein, wie ihn sich Bundestrainer Joachim Löw nach der sich personell und taktisch verordneten Frischzellenkur als Reaktion auf das Aus bei der WM 2018 vorgestellt hat, oder? Ein auf schnelle Gegenstöße ausgelegter Plan mit einer (zumindest nominell) stabilen Defensive, bestehend aus drei Innen- und zwei Außenverteidigern. Selbst Bondscoach Ronald Koeman zeigte sich hernach regelrecht verwundert über die passive Gangart des Gegners: „Ich war überrascht, dass sie uns den Ball überlassen haben.“

Auch im deutschen Lager schmeckte Spielern wie Funktionären der eigene Auftritt dementsprechend gar nicht. „Leider hatte ich heute nie das Gefühl, dass wir das Spiel im Griff hatten“, sagte Bundestrainer Löw. Dabei hatte es anfangs noch so ausgesehen, als würde seine Spielidee vielleicht doch aufgehen. Dem frühen Treffer zur 1:0-Führung durch Serge Gnabry (9.) war eben genau eine solche Umschaltbewegung vorangegangen; Joshua Kimmich hatte den auf rechts startenden Lukas Klostermann mit einem Bilderbuchpass in die Tiefe dabei in Szene gesetzt. Dass die Führung sogar bis zur Halbzeit währen sollte, änderte letztendlich nichts daran, dass etwa Süle später erklärte: „Die erste Hälfte war schon nicht so gut.“

Löws defensive Einstellung trifft auf Kritik

Kimmich lenkte ebenfalls kritisch ein gegenüber den vielleicht etwas zu zurückhaltenden taktischen Vorgaben: “Wenn du kilometerweise immer nur dem Ball hinterherläufst, ist es schwierig, die Konzentration bis zum Ende bei 100 Prozent zu behalten.“ DFB-Direktor Oliver Bierhoff, der einen „Entwicklungsschritt“ gesehen haben wollte, hatte fatalerweise aber auch festgestellt: „Man hat einfach gesehen, dass zu viel Passivität da war, auch ein bisschen Angst.“ Und Kapitän Manuel Neuer hob mit Blick auf die nächsten Qualifikationsspiele sogar vorsorglich schon mal den verbalen Zeigefinger: „Wir wissen, dass im Fußball immer alles passieren kann, das haben wir 2018 bei der WM am eigenen Leib erlebt. Als nicht unbedingt jeder Fußballfachmann damit gerechnet hat.“

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Es war ein warnender, vielleicht sogar demütiger Tenor, der beinahe aus jedem Interview an diesem Abend im Volkspark hervor ging – und der zumindest den Eindruck einer etwas realistischeren Selbstwahrnehmung beim DFB verfestigt, nachdem man sich bereits nach dem WM-Aus so etwas wie geläutert gegeben hatte. Von Selbstgefälligkeiten (Bierhoff) und einem „fast schon arroganten“ Auftreten (Löw) war da im Nachhinein die Rede gewesen.

Süle weist Kritik an mangelnder Erfahrung der DFB-Elf ab

Die gleich vier niederländischen Gegentore an der Zahl – das hatte es aus deutscher Sicht noch nie gegeben – legten den Finger gleich mal wieder in die Wunde. „Die Gegentore haben wir viel zu leichtfertig kassiert", befand Torschütze Gnabry. Und Süle ergänzte: „Wir haben sie eingeladen.“ Etwas schnippisch reagierte der mit gerade mal 24 Jahren bereits als neuer Abwehrchef auserkorene Bayern-Profi auf Fragen zur jungen deutschen Mannschaft; acht Spieler in der Startelf waren 26 Jahre und jünger: „Nö, hat mit Erfahrung nichts zu tun.“ Es war einer der ganz wenigen Sätze, die so etwas wie Trotz versprühten.

Nach dem am Ende aus der Hand gegebenem Spiel sah sich Kimmich hingegen dazu veranlasst, davon zu sprechen „nicht reif genug“ zu sein: „Es war heute nicht das erste Mal, dass wir eine Führung hergegeben haben. Das ist kein Zufall mehr.“ Vor allem ärgerte ihn, dass Holland durch den vierten Treffer nach dem deutschen 3:2-Hinspielsieg als Gewinner aus dem direkten Vergleich hervorging. Daher gelte hinsichtlich des nächsten Quali-Spiels gegen Tabellenführer Nordirland am Montag (20:45 Uhr, RTL) im Windsor Park von Belfast – und auch darüber hinaus: „Wir müssen nun alle Spiele gewinnen.“ Diese selbstbewusste Herangehensweise gibt es beim DFB allemal noch.

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Die deutsche Nationalmannschaft hat gegen die Niederlande nach zwischenzeitlicher Führung eine Niederlage erlitten und in Hamburg den Sprung auf den ersten Platz der Quali-Gruppe verpasst. Der <b>SPORT</b>BUZZER zeigt, wie die deutschen Spieler in Form waren. Zur Galerie
Die deutsche Nationalmannschaft hat gegen die Niederlande nach zwischenzeitlicher Führung eine Niederlage erlitten und in Hamburg den Sprung auf den ersten Platz der Quali-Gruppe verpasst. Der SPORTBUZZER zeigt, wie die deutschen Spieler in Form waren. ©
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