20. Mai 2021 / 10:15 Uhr

Rückkehrer Hummels und Müller, Überraschungen Volland und Günter: Der EM-Kader in der Analyse

Rückkehrer Hummels und Müller, Überraschungen Volland und Günter: Der EM-Kader in der Analyse

Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Bundestrainer Joachim Löw hat seinen Kader für die kommende Europameisterschaft nominiert. Der SPORTBUZZER analysiert die Entscheidungen des Bundestrainers.
Bundestrainer Joachim Löw hat seinen Kader für die kommende Europameisterschaft nominiert. Der SPORTBUZZER analysiert die Entscheidungen des Bundestrainers. © IMAGO/Sven Simon/Pacific Press Agency/Montage
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Mit dem Aufgebot für die Europameisterschaft im Sommer hat Bundestrainer Joachim Löw den Kader für sein letztes großes Turnier im Amt benannt. Heraus ragt die Rückholaktion von Thomas Müller und Mats Hummels - aber nicht nur. Der SPORTBUZZER analysiert den DFB-Kader für die EM.

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Die letzte Mission von Joachim Löw kann endgültig beginnen. Am Mittwoch gab der scheidende Bundestrainer sein 26-köpfiges Aufgebot für die Europameisterschaft bekannt, in die die Nationalmannschaft am 15. Juni mit dem Spiel gegen Weltmeister Frankreich startet. Es hat beinahe schon Tradition, dass Löw ein paar Überraschungen aus dem Hut zauberte. Aufseiten der Nominierten, aber auch der Nichtnominierten. Doch wie gut ist das DFB-Team tatsächlich besetzt? Der Kader unter der Lupe:

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Tor

Nach der verletzungsbedingten Absage von Marc-André ter Stegen war klar, dass sowohl Kevin Trapp als auch Bernd Leno ein EM-Ticket bekommen. Hinter der Nummer eins Manuel Neuer gibt es nun einen offenen Kampf um den jeweiligen Platz im 23er-Kader für die EM-Spiele. Schon vorher war aber klar: Auf dieser Position ist Deutschland so oder so gut aufgestellt.

Das ist der DFB-Kader für die Europameisterschaft

Manuel Neuer (FC Bayern München) Zur Galerie
Manuel Neuer (FC Bayern München) ©

Abwehr

Die Schwachstelle in den letzten Jahren. Auch deshalb geht Löw mit Mats Hummels ins Turnier. „Wir haben festgestellt, dass wir zuletzt in der Defensive nicht immer die gewünschte Stabilität hatten. In einigen Spielen hat uns Erfahrung gefehlt“, sagt der Bundestrainer. Die soll nun Dortmunds Abwehrboss einbringen: „Er hat auf andere Spieler einen guten Einfluss und weiß, wie man bei Turnieren mit schwierigen Momenten umgeht.“ Auch über eine Rückkehr von Jérôme Boateng wurde diskutiert. Hummels dürfte in der Innenverteidigung gesetzt sein, um den Platz an seiner Seite streiten sich Matthias Ginter und Antonio Rüdiger.

Die linke Außenbahn besetzt Löw mit Christian Günter, Robin Gosens und Marcel Halstenberg dreifach, auf der anderen Seite steht mit Lukas Klostermann nur ein gelernter Rechtsverteidiger im Aufgebot. Allerdings können auch Ginter, Robin Koch oder Emre Can diese Position einnehmen. Löw setzt auf Flexibilität, insgesamt hat die Defensive aber auch mit Hummels kein internationales Topniveau.

Mittelfeld

In der Zentrale hat Löw ein Überangebot an Topspielern: Toni Kroos, Ilkay Gündogan, Leon Goretzka, Joshua Kimmich, Kai Havertz – sie alle haben Anspruch auf einen Stammplatz. Dazu nominierte Löw mit dem 18-Jährigen Jamal Musiala einen Youngster, der als Joker parat steht. Auf den anderen Überflieger der Saison, Leverkusens Florian Wirtz, verzichtete er dagegen. Genau wie auf Marco Reus, der darum gebeten hatte, seinem Körper eine Pause zu gönnen. „Ich hätte ihn gerne dabei gehabt“, sagte Löw. „Ich danke Marco für seine Offenheit.“

Gündogan stößt wie auch Havertz, Rüdiger und Timo Werner aufgrund des Champions-League-Finals am 29. Mai erst später zum Team, auch auf den an Corona erkrankten Kroos muss Löw warten. Er geht aber davon aus, „dass Toni rechtzeitig zum Turnierstart fit sein wird.“ Sowohl in der Breite als auch in der Spitze ist das Mittelfeld der bestbesetzte Mannschaftsteil.

Sturm

Die Rückkehr von Thomas Müller ändert nicht nur hierarchisch einiges, sondern auch in der Spielausrichtung. Dessen Zeit auf der Außenbahn ist laut Löw vorbei: „Thomas hat seine Stärken mittlerweile, wenn er aus dem Zentrum oder der Halbposition kommt.“ Neben den schnellen Dribblern Timo Werner, Leroy Sané und Serge Gnabry steht mit Kevin Volland eine Überraschung im Kader, ein gänzlich anderer, robuster Spielertyp, der sich mit 16 Toren und acht Vorlagen bei der AS Monaco empfohlen hat. Löw: „Er macht körperlich einen starken Eindruck. Mit seiner Torgefahr und seinem Durchsetzungsvermögen kann er uns bereichern.“ Nach wie vor fehlt ein klassischer Strafraumstürmer wie Miroslav Klose oder Mario Gomez, dennoch muss sich die deutsche Offensive in dieser Besetzung auch vor Topnationen nicht verstecken.

Die Verlierer

Julian Draxler, Julian Brandt und Thilo Kehrer, die Löw persönlich informierte. Mahmoud Dahoud – so ließ Löw durchblicken – wäre einer der ersten Kandidaten, sollte in der Offensive noch verletzungsbedingt Bedarf bestehen, in der Verteidigung dürfte dies auf Kehrer und Ridle Baku zutreffen.

Fazit

Mit Hummels und Müller hat Löw Erfahrung und Qualität zurückgeholt, mit Volland und Günter zwei spannende Alternativen dabei. Trotzdem ist Deutschland bei der EM nur ein hoch dekorierter Außenseiter.