23. Mai 2020 / 10:11 Uhr

3. Liga, Rummenigge-Kritik, Zweifel an Keller: Beim DFB ballen sich die Probleme

3. Liga, Rummenigge-Kritik, Zweifel an Keller: Beim DFB ballen sich die Probleme

Frank Hellmann
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Gab in der Corona-Krise bisher nicht immer ein glückliches Bild ab: DFB-Präsident Fritz Keller.
Gab in der Corona-Krise bisher nicht immer ein glückliches Bild ab: DFB-Präsident Fritz Keller. © Getty Images
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Am Montag hält der DFB einen außerordentlichen Bundestag ab, um über Folgen aus der Corona-Krise zu entscheiden. Vor dem Treffen ballen sich die Probleme: Die 3. Liga ist zerstritten und die Führung von Präsident Fritz Keller in Zweifel gezogen.

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Es ist für Generalsekretär Friedrich Curtius ein Leichtes, den Fortschritt auf der größten Baustelle des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zu überwachen. Von der Zentrale am Ende der Otto-Fleck-Schneise im Frankfurter Stadtwald bis auf das Gelände der alten Galopprennbahn sind es nur zwei Kilometer. Curtius war kürzlich damit beschäftigt, Fenster und Türgriffe auszusuchen. Die Gebäude würden in "unglaublicher Geschwindigkeit" wachsen, "und wir sind im Kostenplan", versicherte der 44-Jährige. Corona-Krise hin oder her: Bereits im nächsten Jahr will der Sportverband mit mehr als sieben Millionen Mitglieder seine neue Heimat beziehen. Für die Genehmigung des 150 Millionen Euro teuren Leuchtturmprojekts war einst ein Außerordentlicher Bundestag nötig. Am Montag gibt es den nächsten, der wegen der Corona-Krise auf virtuellem Wege stattfindet. Das wird mit 262 zugeschalteten Delegierten nicht nur "technisch eine Herausforderung", so Curtius.

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Krisenmanagement in der Corona-Krise: Der DFB hinkt der DFL hinterher

Denn die Baustellen, welche die 25. 000 Vereine aufgrund der Krise zu meistern haben, sind zahlreich. Und hier kommt Präsident Fritz Keller ins Spiel. Er hat gespürt, dass von ihm in der Pandemie mehr Führung erwartet worden wäre. Vielleicht hätte ein frühes Machtwort in der mittlerweile zerstrittenen 3. Liga geholfen, die Konfrontationen zu verhindern. Dass dem Verband die Debatte entglitten ist und nun beim DFB-Bundestag die Erlaubnis eingeholt werden soll, dass bei Saisonabbruch das DFB-Präsidium das letzte Wort hat, liegt auch an strukturellen Mängeln.

Sollten zudem Klagen auf den Verband zukommen, droht ein Rechtsstreit ungeahnten Ausmaßes. Der Imageschaden ist schon jetzt gewaltig. Curtius hat immerhin zugegeben, dass Corona "wie ein Brandbeschleuniger" auf die Pro­bleme der dritthöchsten deutschen Spielklasse gewirkt hätte. Mehrere Drittligisten haben sich inzwischen klar gegen eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs positioniert. Der 1. FC Magdeburg hat bereits eine Spielverlegung beantragt und will frühestens im Juni wieder spielen, Waldhof Mannheim hat Rechnungen an den DFB geschickt, um die Kosten für Hygiene-Maßnahmen zu decken.

DFL gelobt, DFB in der Kritik

Zu allem Überfluss kam die Deutsche Fußball Liga beim Krisenmanagement besser weg als der DFB. So wurde das Hygiene- und Sicherheitskonzept weltweit gelobt. Neue Konflikte zur DFL sieht der DFB-Generalsekretär aber nicht: "Es ist wichtig, dass wir manchmal auch unterschiedliche Positionen haben, um gemeinsam etwas hinzukriegen. Wir haben das gemeinsame Ziel, das System Fußball zu erhalten."

Das sind die Vorgänger von DFB-Präsident Fritz Keller

Fritz Keller (links) ist der designierte DFB-Präsident: Theo Zwanziger (zweiter von links), Wolfgang Niersbach
 (dritter von links) und Egidius Braun (rechts) gehören zu seinen Vorgängern. Zur Galerie
Fritz Keller (links) ist der designierte DFB-Präsident: Theo Zwanziger (zweiter von links), Wolfgang Niersbach (dritter von links) und Egidius Braun (rechts) gehören zu seinen Vorgängern. ©

Während Curtius kürzlich betonte, wie wichtig aus wirtschaftlicher Sicht die Wiederaufnahme des Spielbetriebs der A-Nationalmannschaft ab Herbst sei ("mit der 3. Liga und der Frauen-Bundesliga verdienen wir kein Geld. Bei der Nationalmannschaft sieht das anders aus"), wendet sich Keller den gesellschaftlichen Aufgabenfeldern zu. Dem 63-Jährigen geht es mit seinem "Fünf-Punkte-Plan für mehr Nachhaltigkeit" um nicht weniger als ein neues Wertesystem im Fußball. Dieser Plan sieht vor, das DFB-Netzwerk für mehr Corona-Präventivtests zu nutzen (Punkt eins), Gehaltsobergrenzen und eine Regulierung des Profifußballs durchzubringen (Punkt zwei), mehr Nachhaltigkeit zu verankern (Punkt drei), das Ehrenamt zu stärken (Punkt vier) und Dialoge mit allen Interessengruppen, vor allem Fans zu führen (Punkt fünf).

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Ob zu diesem Konzept Kellers jüngste Generalabrechnung mit Profis, die Prunk und Reichtum zur Show stellen, gehörte? Damit war die nächste Baustelle eröffnet, denn der Konter von Karl-Heinz Rummenigge, dem Boss des FC Bayern, ließ nicht lange auf sich warten. Im Spiegel legte Rummenigge nun noch einmal nach und bezeichnete die Vorschläge als "kalten Kaffee". Manch ein Ligavertreter wunderte sich ohnehin, warum sich der Verbandschef solche Missstände vorknöpft: vielleicht weil man gerade jetzt bei einer fußballkritischen Öffentlichkeit mit dem Thema gut wegkommt?

Die Irritationen über Kellers Gesamtwerk nach rund acht Monaten Amtszeit beschäftigt auch diejenigen, die ihn über die Findungskommission mit ausgesucht haben. Allen voran Ligachef Christian Seifert und Amateurvertreter Rainer Koch, die im Funktionärswesen erfahrener wirken. Keller hat da Nachholbedarf. Aber vielleicht ist die Pandemie für ihn eine Chance, sein Profil zu schärfen.