04. Mai 2021 / 18:26 Uhr

Nächste Wendung im DFB-Chaos: DFL-Boss Seifert wirft DFB-Vize Koch in Schreiben Indiskretionen vor

Nächste Wendung im DFB-Chaos: DFL-Boss Seifert wirft DFB-Vize Koch in Schreiben Indiskretionen vor

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
DFL-Boss Christian Seifert erhöht mit einem Brief den Druck auf Rainer Koch.
DFL-Boss Christian Seifert erhöht mit einem Brief den Druck auf Rainer Koch. © IMAGO/DeFodi/ActionPictures (Montage)
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Das Chaos beim Deutschen Fußball-Bund nimmt immer größere Ausmaße an. Neben der Affäre um den Nazi-Vergleich um Präsident Fritz Keller gerät jetzt auch sein Vize Rainer Koch in den Fokus. DFL-Boss Christian Seifert wirft ihm in einem Schreiben Indiskretionen und "Unterstellungen" vor.

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Beim Deutschen Fußball-Bund kehrt weiter keine Ruhe ein. Nachdem er zuletzt Opfer eines unwirschen Nazi-Vergleichs durch DFB-Präsident Fritz Keller wurde, gerät nun auch das Verhalten von Vize-Präsident Rainer Koch in den Fokus. Das ZDF veröffentlichte am Dienstag auf Twitter einen Brief von Christian Seifert, dem Präsidenten der Deutschen Fußball Liga, an Koch, in dem Seifert ihm vorwirft, Informationen an einen SPIEGEL-Journalisten durchgestochen zu haben.

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Demnach soll der Journalist Seifert konkrete Fragen zu "möglichen Plänen der DFL" sowie bezüglich "beruflicher Perspektiven" Seiferts gestellt haben. Der Chef des Ligaverbands hört im kommenden Jahr auf. Seifert wünscht sich von Koch nun Klarheit, ob der DFB-Vize die Interna tatsächlich kommuniziert hat: "Ich würde Sie zunächst bitten, gegenüber der DFL Stellung zu beziehen, ob Sie sich entsprechend geäußert haben."

Seifert fordert von DFB-Akteuren: "Unterstellungen in Richtung DFL unterlassen"

Der Kicker berichtet, dass Seifert den Brief auch an die 36 Profiklubs aus der Bundesliga und der 2. Liga geschickt hat, die in der DFL organisiert sind. Zudem veröffentlichte das Fachblatt den vermeintlichen weiteren Inhalt des Briefes mit samt einer Klarstellung Seiferts zu den vermeintlichen Vorwürfen, mit denen der SPIEGEL ihn konfrontiert haben soll. Die Klarstellungen von Seifert laut Kicker:

"1. Es existieren in der DFL keine Pläne, den DFB strukturell zu zerschlagen.

2. Meine beruflichen Pläne sehen nicht vor, an die Seite einer Private-Equity-Firma zu wechseln, die auf das große Geld im deutschen Fußball zielt. Übrigens sehen meine beruflichen Pläne keinerlei Tätigkeit vor, die direkt oder indirekt mit dem DFB in Verbindung stehen. Ich habe andere Pläne, und in diesen kommt der DFB definitiv nicht vor.

3. Die DFL hat auch keine Informationen über angebliche Pläne einer uns unbekannten Private-Equity-Firma, die auf eine Infront-Übernahme zielen, um im Anschluss die "Herauslösung der Kronjuwelen aus dem DFB" anzustreben.

4. Dieses Konzept wäre im Übrigen auch dumm und unattraktiv, denn substanzielle Medienrechte des DFB werden durch den DFB gar nicht mehr vermarktet, sondern durch internationale Verbände wie die UEFA...

5. Generell empfehle ich allen derzeit in verantwortlicher Position im DFB handelnden Personen, die fortlaufenden und wiederkehrenden Unterstellungen in Richtung der DFL zu unterlassen. Die offenkundigen Probleme des dysfunktionalen Systems DFB löst man - wenn es Ihnen denn tatsächlich in erster Linie um die Mitarbeiter*innen des DFB und seiner Mitgliedsverbände geht - nicht durch den Aufbau imaginärer Feindbilder und abenteuerlicher Verschwörungstheorien, sondern durch seit Langem überfällige strukturelle und personelle Reformen."

Koch hatte die jüngste Vertrauensfrage im DFB-Vorstand im Vergleich zu Präsident Keller und Generalsekretär Friedrich Curtius noch halbwegs glimpflich überstanden. Der Präsident des Bayerischen Fußballverbands bekam als Vize von 21 Präsidenten der Landes- und Regionalverbände das Vertrauen ausgesprochen, 13 andere stimmten bei drei Enthaltungen gegen ihn. Koch wolle im Amt bleiben, berichtete der SID am Dienstagvormittag. Die Entschuldigung von Präsident Keller für den Vergleich Kochs mit Roland Freisler, dem Vorsitzenden des Volksgerichtshofs im Nationalsozialismus, hatte Koch nach einer Aussprache lediglich "entgegengenommen".