03. Juli 2021 / 13:54 Uhr

Baku, Nmecha, Wirtz & Co.: Welcher U21-Europameister steht auf dem Sprung zu Hansi Flick?

Baku, Nmecha, Wirtz & Co.: Welcher U21-Europameister steht auf dem Sprung zu Hansi Flick?

Heiko Ostendorp und Tobias Manzke
RedaktionsNetzwerk Deutschland
In der deutschen U21 konnten unter anderem Ridle Baku, Lukas Nmecha und Florian Wirtz bereits auf sich aufmerksam machen.
In der deutschen U21 konnten unter anderem Ridle Baku, Lukas Nmecha und Florian Wirtz bereits auf sich aufmerksam machen. © IMAGO / Sven Simon / Panthermedia (Montage)
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Das Gesicht der Nationalelf verändert sich. Der neue Bundestrainer Hansi Flick hat konkrete Vorstellungen, wie sein Team für Katar 2022 aussehen soll. Mit Toni Kroos ist jetzt der erste Profi aus der Ära von Joachim Löw zurückgetreten. Wer aus dem DFB-Nachwuchs kann ihn und andere, die ihm vielleicht folgen, ersetzen? 

Begabung allein reicht nicht. "Es braucht das Talent, das Talent auch zu nutzen." Diesen Satz sagte Norbert Elgert gegenüber dem kicker – und er kennt sich aus. Elgert arbeitet seit 25 Jahren auf Schalke und brachte Spieler wie Manuel Neuer, Leroy Sané oder Mesut Özil hervor. Bei der EM traf seine Aussage auf Profis wie Sané, Serge Gnabry oder Timo Werner leider nicht zu. Sie blieben deutlich hinter den Erwartungen zurück. Der Nachwuchs zeigte hingegen, wie es geht und schaffte das, was Joachim Löw mit seiner Mannschaft nicht gelang: Die U21 holte am 6. Juni durch einen 1:0-Sieg im Finale gegen Portugal den EM-Titel. Wie sieht es bei den Finalhelden aus, wer hat das Talent zum nächsten Star für den neuen Bundestrainer Hansi Flick? Der SPORTBUZZER macht den Nachwuchs-Check, prüft die Spieler, die gegen Portugal auf dem Rasen standen und mehr als 15 Minuten gespielt haben.

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Finn Dahmen (23/Torwart/Mainz 05): Der Schlussmann war beim FSV in der vergangenen Saison kein Stammtorwart, er absolvierte nur drei Spiele. Dahmen parierte im Viertelfinale gegen Dänemark im Elfmeterschießen zwei Bälle und wurde dadurch zum Helden. Sein Problem: So lange er im Klub nicht die klare Nummer eins ist und Manuel Neuer im DFB-Tor steht, hat er keine Chance auf Spielzeit. Und: Hinter Neuer wartet schon Marc-André ter Stegen auf Einsätze.

Ridle Baku (23/Abwehr/VfL Wolfsburg): Schnupperte unter Joachim Löw bereits ins A-Team rein, machte am 11. November 2020 gegen Tschechien (1:0) sein erstes Länderspiel. Wenn Flick das System ändert, in der Defensive statt Dreier-auf eine Viererkette setzt, und Joshua Kimmich von der Seite ins Zentrum beordert, ist Baku ein heißer Kandidat als neuer Rechtsverteidiger.

Amos Pieper (23/Abwehr/Arminia Bielefeld): War in der vergangenen Saison Stammspieler bei der Arminia und kam auch bei der EM in allen Spielen über die volle Distanz zum Einsatz. Für den Innenverteidiger spricht seine Größe (1,92 Meter) und sein Zweikampfverhalten. Hat es aber als Rechtsfuß schwer, sollte Mats Hummel weitermachen. Zumal mit Antonio Rüdiger und Matthias Ginter zwei Spieler im DFB-Aufgebot stehen, die eine gute EM gespielt haben.

Nico Schlotterbeck (21/Abwehr/SC Freiburg): Im Vergleich zu Pieper sieht es bei Nico Schlotterbeck anders aus. Er kämpft zwar auch in der Innenverteidigung um einen der zwei Plätze. Aber: Schlotterbeck hat einen linken Fuß, das hat der DFB in der Innenverteidigung nicht. Experten trauen dem 21-Jährigen den Sprung zu. Zuletzt zeigten der VfB Stuttgart und Bayer Leverkusen Interesse an einer Verpflichtung.

David Raum (23/Abwehr/TSG Hoffenheim): Spielt in der neuen Saison für die TSG Hoffenheim, wechselte aus Fürth nach Sinsheim. Raum überzeugte bei der EM mit starken Leistungen. Allerdings: Auf der linken Seite scheint mit Robin Gosens der ideale Mann gefunden zu sein. Gosens spielte sich mit seinen EM-Leistungen ins Team – und die Herzen der Fans.


Arne Maier (22/Mittelfeld/Hertha BSC): Kehrt nach seiner Leihe nach Bielefeld zu Hertha BSC zurück. War Kapitän des EM-Teams. Aber: die Konkurrenz im Mittelfeld ist trotz des Rücktritts von Toni Kross riesig. Sich da zu empfehlen, wir schwer.

Niklas Dorsch (23/Mittelfeld/KAA Gent): Durchlief die Bayern-Jugend, kickt in Belgien bei Gent. Dorsch trumpfte bei der EM stark auf, will am liebsten zurück in die Bundesliga. Sein Vertrag läuft aber noch drei Jahre. Hat dasselbe Problem wie Mittelfeldkollege Maier: Zu viel Konkurrenz auf seiner Position.

Salih Özcan (23/Mittelfeld/Köln): War Kapitän in einigen Nachwuchsmannschaften, hat seinen Vertrag in Köln verlängert. U21-Trainer Stefan Kuntz stellte immer wieder seine Wichtigkeit für die Mannschaft heraus. Dürfte aber keine Chance bei Flick haben.

Florian Wirtz (18/Mittelfeld/Bayer Leverkusen): Löw nominierte den 18-Jährigen von Bayer Leverkusen für die WM-Qualifikationsspiele im März, setzte ihn aber nicht ein, bei der EM verzichtetet er auf ihn. Im Halbfinale des Junioren-Turniers ebnete Wirtz der U21 mit seinem Doppelpack gegen die Niederlande (2:1) den Weg ins Endspiel. "Flo ist ein super Spieler. Er hat gezeigt, dass ertrotz seines Alters in solchen Spielen vorangehen kann", lobte Kai Havertz anschließend. Die beiden Youngster kennen sich aus gemeinsamen Bayer-Zeiten und werden auch in Zukunft in der Nationalelf zusammen auf dem Platz stehen – Wirtz wird den dauerhaften Sprung zu Flick schaffen.

Mergim Berisha (23/Stürmer/RB Salzburg): Spielte in Österreich eine starke Saison, erzielte in 28 Spielen 14 Tore und gab zehn Vorlagen. Bei der EM ging er aber leer aus. Die Konkurrenz in der Offensive mit Sané, Werner, Havertz & Co. dürften es ihm schwer machen.

Lukas Nmecha (22/Stürmer/Manchester City): Der Mittelstürmer erzielte das goldene Tor im Finale gegen Portugal und wurde mit insgesamt vier Treffern bester Torschütze des Turniers. Der 22-Jährige knipste in der vergangenen Saison in 31 Spielen 14 Mal für den RSC Anderlecht, von wo er nach seiner Leihe zu Manchester City zurückkehrt. Sein Vorteil: Er ist der Typ Mittelstürmer, den Deutschland nicht hat. "Der Killerinstinkt fehlt ein bisschen, wir haben auch keinen Strafraumspieler mehr", monierte DFB-Direktor Oliver Bierhoff nach dem EM-Aus gegen England. Nmecha wäre einer.

Karim Adeyemi (19/Stürmer/RB Salzburg): Kam bei der EM zu seinem Debüt für die U21. Adeyemi wurde in allen drei K.o.-Spielen eingewechselt, ein Treffer gelang im nicht. Spielt wie Berisha bei RB Salzburg. Adeyemi erzielte in 29 Spielen sieben Treffer, er gab neun Vorlagen. Hat ohne Zweifel viel Talent, dürfte es aufgrund der Konkurrenz aber sehr schwer haben.

Jonathan Burkhardt (20/Stürmer/Mainz 05): Erzielte gegen Dänemark im Viertelfinale sein erstes Tor für die U21, verschoss dann im Elfmeterschießen. Kam für Mainz auf 29 Einsätze in der Liga (zwei Treffer, beide gegen den FC Bayern). Mit 1,81 Metern nicht der Typ "bulliger Strafraumstürmer". Sehr unwahrscheinlich, ihn in der A-Elf zu sehen.