02. September 2020 / 12:48 Uhr

Umbruch, Pleiten und ein Happy End: Rückblick auf die erste Nations-League-Spielzeit der DFB-Elf

Umbruch, Pleiten und ein Happy End: Rückblick auf die erste Nations-League-Spielzeit der DFB-Elf

Leon Schaefer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die erste Spielzeit in der Nations League lief für die deutsche Nationalmannschaft alles andere als zufriedenstellend.
Die erste Spielzeit in der Nations League lief für die deutsche Nationalmannschaft alles andere als zufriedenstellend. © Getty Images/imago images/Sven Simon (Montage)
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Am Donnerstag geht es für die Nationalmannschaft mit dem Spiel gegen Spanien in die zweite Austragung in der Nations League. Nach dem Debakel bei der Premiere des Wettbewerbs hat die DFB-Elf Wiedergutmachung zu leisten – der SPORTBUZZER blickt zurück auf den sportlichen Abstieg und die Rettung durch die UEFA-Reform.

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Am Donnerstag geht es für die deutsche Nationalmannschaft in Stuttgart mit dem Spiel gegen Spanien (20.45 Uhr, ZDF) in die neue Saison der Nations League. Dann geht es vor allem um eins: Wiedergutmachung. Denn die Premieren-Saison war für die DFB-Elf ein ähnliches Debakel wie die Weltmeisterschaft 2018. Ohne die Reform des Wettbewerbs wäre man sogar abgestiegen. Der SPORTBUZZER zeichnet die erste Spielzeit der deutschen Mannschaft nach.

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"Endlich mal kein Losglück. Gott sei Dank" - mit Humor hatte Bundestrainer Joachim Löw im Januar 2018 auf die Ziehung der deutschen Gruppen-Gegner für die Premiere des Wettbewerbs reagiert – mit Weltmeister Frankreich und den Niederlanden ziemlich schwere Kaliber. "Für die Fans, für uns alle sind das interessante Spiele", meinte Löw aber. Und der Auftakt in der Allianz Arena gegen Frankreich am 6. September 2018 missglückte zumindest nicht: Im ersten Länderspiel nach dem Ausscheiden in der Gruppenphase bei der WM 2018 bot die DFB-Elf dem Weltmeister Paroli. Beim 0:0 agierte das deutsche Team – zu diesem Zeitpunkt noch mit den Weltmeistern Thomas Müller, Jerome Boateng und Mats Hummels – auf Augenhöhe mit den Franzosen.

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Gegen die Niederlande ist das DFB-Team ohne Chance

Im folgenden Spiel gegen die Niederlande am 13. Oktober kristallisierte sich allerdings langsam heraus, dass die Löw-Elf in der stark besetzten Gruppe gegen den Abstieg spielen würde. In Amsterdam setzte es ein 0:3 gegen ein junges "Oranje"-Team, Deutschland blieb weiter ohne Tor. Die Holländer zeigten vor allem in der Offensive den dynamischen Fußball, der der DFB-Elf abging.

Drei Tage später im Stade de France in Paris war zu merken, dass die deutsche Truppe verstanden hatte, dass ein anderes Auftreten vonnöten war. Im Rückspiel gegen Frankreich stellte Löw seine Mannschaft um, unter anderem kamen Serge Gnabry und Leroy Sané für Mark Uth und Thomas Müller in die Startelf. Und die deutsche Elf begann auch deutlich schwungvoller als in den ersten beiden Partien. Per Foulelfmeter von Toni Kroos ging Deutschland in der ersten Hälfte sogar in Führung. Doch Frankreich zeigte sich abgebrühter: ein Doppelpack von Antoine Griezmann drehte das Spiel – und brachte den DFB dem Abstieg aus der Elite-Liga A immer näher.

Am letzten Spieltag reichte dann schon der Sieg der Niederlande gegen Frankreich, um den deutschen Gang der Deutschen in Liga B perfekt zu machen. Dass die DFB-Elf im abschließenden Spiel gegen die Niederländer dann auch noch eine 2:0-Führung hergab und nur Remis spielte, war letztlich nicht mehr entscheidend - aber symbolisch für die Gesamtsituation.

Nach dem sportlichen Abstieg wagte Löw endgültig den Umbruch

Auch dem Bundestrainer setzte das nächste Debakel nach der verpatzten WM in Russland zu: "Natürlich ist man ein bisschen frustriert und genervt, als Leistungssportler hörst du das Wort 'Abstieg' nie gerne", sagte er. Schon nach der WM war der Bundestrainer auch selbst angezählt. Doch Löw machte weiter. Für ihn und Teammanager Oliver Bierhoff "war klar, dass wir so nicht gehen werden. So nicht", sagte der inzwischen 60-Jährige im September 2019 im SPORTBUZZER-Interview.

Stattdessen sollte nun endgültig der Umbruch von der Generation der Weltmeister von 2014 zu einer jungen, hungrigen Truppe vollzogen werden. Und Löw griff direkt durch: Jerome Boateng, Mats Hummels und Thomas Müller teilte er mit, dass sie fortan nicht mehr zum Team gehören würden. Andere Profis wie Joshua Kimmich, Leroy Sané, Niklas Süle, Timo Werner oder Kai Havertz sollten stattdessen Führungsrollen übernehmen.

In der EM-Qualifikation zeigte sich die neue DFB-Elf stark verbessert

In der EM-Qualifikation ging dieser Plan vergangenes Jahr auf, Deutschland qualifizierte sich souverän als Gruppensieger – noch vor den Niederlanden. Mit dem Umbruch zeigte sich Löw daher jüngst auch zufrieden: "Viele andere Nationen wie Frankreich, England oder die Niederlande haben das so nicht geschafft und haben nach einem Generationswechsel zwei oder vier Jahre oder länger gebraucht, bis sie wieder eine konkurrenzfähige Mannschaft hatten."

Der DFB-Kader für die Nations-League-Spiele gegen Spanien und die Schweiz

Am 3. September trifft die Nationalmannschaft in der Nations League in Stuttgart auf Spanien, drei Tage später geht es in Basel gegen die Schweiz. Der <b>SPORT</b>BUZZER zeigt den Kader von Bundestrainer Löw für die Partien – mitsamt drei DFB-Neulingen! Zur Galerie
Am 3. September trifft die Nationalmannschaft in der Nations League in Stuttgart auf Spanien, drei Tage später geht es in Basel gegen die Schweiz. Der SPORTBUZZER zeigt den Kader von Bundestrainer Löw für die Partien – mitsamt drei DFB-Neulingen! ©

Sogar in der Nations League bekamen Löws Schützlinge letztlich noch die Chance auf baldige Wiedergutmachung: Nach der Premieren-Saison beschloss die UEFA im vergangenen Jahr eine Reform des Wettbewerbs. Die Liga A wurde auf vier Teilnehmer aufgestockt und der deutsche Abstieg am Grünen Tisch noch verhindert - ein Happy End. Ab Donnerstag kann Löw nun beweisen, dass er tatsächlich wieder eine schlagkräftige Mannschaft zusammen hat.