22. April 2020 / 19:52 Uhr

"Vereine zeigen Einigkeit": Wird jetzt ein außerordentlicher Verbandstag nötig?

"Vereine zeigen Einigkeit": Wird jetzt ein außerordentlicher Verbandstag nötig?

Christoph Hage
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Die Vereine der Region Hannover haben sich klar für einen Abbruch der Saison ausgesprochen. Diese Möglichkeit sieht die Satzung des NFV allerdings gar nicht vor.
Die Vereine der Region Hannover haben sich klar für einen Abbruch der Saison ausgesprochen. Diese Möglichkeit sieht die Satzung des NFV allerdings gar nicht vor. © Belitz/Archiv
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Die Klubs der Region Hannover haben sich eindeutig für einen Abbruch der Saison ausgesprochen. Der NFV will sie einfrieren. Wird womöglich das Veto der Basis übergangen? Oder gibt es einen außerordentlichen Verbandstag? Derweil sorgt eine Powerpoint-Präsentation für zusätzliche Aufregung.

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Die Situation ist verworren. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und damit auch der Niedersächsische Fußballverband (NFV) – gemessen an den Mitgliedern nach Bayern und Westfalen der drittgrößte Landesverband – steht vor einer Zerreißprobe. Es geht um des Deutschen liebstes Kind – den Fußball – und die spannende Frage nach der Zukunft. Niemand weiß, wann wieder gekickt werden kann. Und doch sind die Diskussionen in vollem Gange, wie mit der Saison 2019/20 umgegangen wird, 86 Tage nach dem ersten bestätigten Covid-19-Fall in Deutschland.

"Vereine zeigen Einigkeit"

Jens Grützmacher, Vorsitzender des Kreises Region Hannover, hat am Dienstagabend ein klares Votum von seinen Mitgliedern mit auf den Weg in die anstehenden Beratungen im Verbandsvorstand bekommen. Eine absolute Minderheit der Vereine, darunter der SV Arminia, vertreten durch Frank Willig, stimmten für den NFV-Vorschlag, die Saison einzufrieren und ab dem 15. August, spätestens aber am 1. September fortzusetzen.

Alle übrigen der in der Spitze 169 Teilnehmer der 84-minütigen Videokonferenz votierten für einen Saisonabbruch. Martin Becker, Abteilungsleiter des TSV Bemerode und Wortführer vieler Vereine, war überwältigt von der Geschlossenheit. „Die Vereine zeigen Einigkeit“, sagt er.

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Dieses Votum nimmt Grützmacher nun mit in die Gespräche mit dem Verbandsvorstand, der sich aus NFV-Präsidium und 33 Kreisvorsitzenden zusammensetzt. Am Freitag um 16 Uhr kommt dieses Gremium wieder im virtuellen Raum zusammen. Dem Vernehmen nach bekommt dann jeder der rund 2600 Vereine eine Stimme.

Wird ein außerordentlicher Verbandstag nötig?

Es ist nicht gesagt, dass bis zur immer mittwochs stattfindenden Sitzung der Präsidenten der Landes- und Regionalverbände des DFB eine Entscheidung herbeigeführt werden soll. Sollte das Veto der Vereine gegen einen Vorschlag stehen, der bislang nur in Bayern Anklang gefunden hat, müsste ein außerordentlicher Verbandstag einberufen werden. Nur der könnte über einen Saisonabbruch entscheiden, weil die Satzungen und Ordnungen des DFB keine rechtliche Grundlage dafür enthalten.

Bis Mittwoch waren die Kreise damit beauftragt, ein Stimmungsbild einzuholen, ob sie für oder gegen den NFV-Vorschlag stimmen. Gifhorn scheint einer der wenigen Kreise zu sein, die sich mit einer Mehrheit für eine Verschiebung der am 13. März bis auf Weiteres unterbrochenen Saison ausgesprochen haben. Unter anderem waren Hannover, Braunschweig, Hildesheim, Peine, Northeim-Einbeck, Cloppenburg, Celle, Wolfsburg, Schaumburg, Stade und Ostfriesland gänzlich anderer Meinung.

So reagieren Verantwortliche von Vereinen aus der Region Hannover zum Vorschlag des NFV, die Saison einzufrieren:

Till Uhlig (Trainer und Vorsitzender Niedersachsen Döhren): „Ich glaube, dass die Intension einen sportlich fairen Wettkampf über die Bühne zu bringen, ein ehrenhafter Gedanke ist, der aber nicht umsetzbar sein wird. In der Praxis gibt es nur eine Lösung, und das ist Saisonabbruch. Wir sind mit unseren Planungen extrem weit, haben neue Trainer und Spieler, und das stellen wir jetzt alles auf null? Das macht keinen Sinn. Über allem muss die Planbarkeit für die durch die Krise ohnehin brutal ge­for­der­ten Vereine stehen.“ Zur Galerie
Till Uhlig (Trainer und Vorsitzender Niedersachsen Döhren): „Ich glaube, dass die Intension einen sportlich fairen Wettkampf über die Bühne zu bringen, ein ehrenhafter Gedanke ist, der aber nicht umsetzbar sein wird. In der Praxis gibt es nur eine Lösung, und das ist Saisonabbruch. Wir sind mit unseren Planungen extrem weit, haben neue Trainer und Spieler, und das stellen wir jetzt alles auf null? Das macht keinen Sinn. Über allem muss die Planbarkeit für die durch die Krise ohnehin brutal ge­for­der­ten Vereine stehen.“ ©

„Wir müssen das Ergebnis abwarten“, sagt Manfred Finger, Leiter der NFV-Presseabteilung. Ob das Votum aus Hannover, dem größten Kreis in Niedersachsen, repräsentativ sei, bleibe abzuwarten. Fakt ist: „Das Ergebnis ist die Basis für die Beschlussfassung. Sollte die Mehrheit gegen unseren Vorschlag sein, muss in der Tat besprochen werden, welche Szenarien möglich sind“, sagt Finger. Becker beruft sich auf Gespräche mit Funktionären des NFV, als er sagt: „Mir wurde zugesichert, dass man sich nicht gegen die Mehrheit der Basis stellen wird. Ich nehme sie beim Wort.“

Für zusätzlichen Wirbel sorgte eine Powerpoint-Präsentation, die den Kreisvorsitzenden nach der Videokonferenz am 17. April zugemailt wurde und die bei den hannoverschen Vereinen die Runde gemacht hat. „Generelle Anmerkungen für den Spielbetrieb in Niedersachsen“ ist das Dokument, offenbar erstellt vom NFV, überschrieben.

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Muss auch mal sein: Koldingens Imad Saadun muntert Sehndes Daniel Neitzke mit einem Klaps auf. ©

Noch sei nichts entschieden, alles stehe und falle mit der Entwicklung der Pandemie. Raum für Spekulationen lassen vor allem die Sätze unter der Überschrift „Grundsätzliche Entscheidungsmöglichkeiten“: Da sei zum einen das Fortsetzen der Saison zu unterschiedlichsten Zeitpunkten. Viel wichtiger ist aber folgender Satz: „Abbruch der Saison mit unterschiedlichsten Folgen scheidet aus (haftungs-)rechtlichen Gründen aus.“

Der Ball liegt beim NFV

Es sei an dieser Stelle missverständlich ausgedrückt, betont Finger. „Das Kerngeschäft des NFV ist die Durchführung des Spielbetriebes. Es liegt nicht in der Kompetenz des Verbandsvorstandes, die Saison abzubrechen. Er kann nur unterbrechen oder fortsetzen, abbrechen, das kann nur ein außerordentlicher Verbandstag.“ Der Ball liegt beim NFV. Die Stimme seiner Basis wird er schwerlich überhören können.