13. Juni 2022 / 09:02 Uhr

"Das ist viel zu wenig": Warum die DFB-Offensive um Werner, Havertz und Co. Flicks große WM-Baustelle ist

"Das ist viel zu wenig": Warum die DFB-Offensive um Werner, Havertz und Co. Flicks große WM-Baustelle ist

Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die deutsche Offensive hat noch viel Luft nach oben.
Die deutsche Offensive hat noch viel Luft nach oben. © Getty/IMAGO/Sportimage/Matthias Koch (Montage)
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Trotz vieler Hochkaräter lahmt die DFB-Offensive und bereitet nicht nur Bundestrainer Hansi Flick vor dem Nations-League-Spiel gegen Italien am Dienstag einige Sorgen. Der SPORTBUZZER blickt auf die Baustelle in der deutschen Nationalmannschaft.

Drei Spiele, drei Punkte, drei Treffer, Platz drei in der Nations League – so lautet die magere DFB-Ausbeute nach den Partien gegen Italien, England und Ungarn (alle 1:1). Die Torschützen: Jonas Hofmann (2) und Joshua Kimmich. Erst war es fehlende Effizienz wie so oft in der jüngeren Vergangenheit, nun gab es aber nicht mal ausreichend Torchancen – in Ungarn gerade mal sieben Torabschlüsse. "Das ist viel zu wenig", sagte auch Bundestrainer Hansi Flick, der fünf Monate (und vier Spiele) vor dem WM-Start eine echte Offensivbaustelle hat. Dabei ist seine Abteilung Attacke nominell hochkarätig besetzt. Der SPORTBUZZER, das Sportportal des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND), liefert einen Überblick auf die Unterschiedsspieler, die vor dem Heimspiel in Mönchengladbach gegen Italien derzeit keine sind.

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Leroy Sané:

Flick stellte sich immer wieder vor den hochtalentierten Wuschelkopf, der unter ihm schon beim FC Bayern seine beste Phase hatte. "Wir glauben an seine Qualität, vertrauen ihm", so der DFB-Coach. Die Realität sieht anders aus: Gegen Italien durfte Sané zwar von Beginn an ran, enttäuschte aber erneut auf ganzer Linie und musste nach einer knappen Stunde duschen. Gegen England wurde er in der 83. Minute eingewechselt, verschlampte im Anschluss einen vielversprechenden Konter. In Ungarn saß der Linksaußen dann komplett auf der Bank und wurde nun auch noch von Oliver Bierhoff angezählt: "Hansi ist immer sehr aufbauend. Aber irgendwann muss man auch sagen: ‚Das ist es jetzt.‘ Wir helfen ihm, aber er muss sich natürlich auch selber helfen."

Serge Gnabry:

Seine Quote in der Nationalelf ist nach wie vor stark (20 Treffer in 33 Spielen), die Formkurve zeigte allerdings auch bei ihm zuletzt deutlich nach unten. Dazu kamen nun Wadenprobleme, weshalb er die Partie in Ungarn verpasste und auch gegen Italien auszufallen droht.

Timo Werner:

Gegen die "kleineren" Teams in der WM-Quali machte der Chelsea-Star seine Tore, traf unter anderem gegen Armenien, Liechtenstein und Nordmazedonien. Doch gerade gegen Topnationen wartet man schon länger auf eine Topleistung. Seinen letzten Treffer gegen einen "Großen" erzielte er gegen Spanien – vor knapp zwei Jahren. Werner ist zwar stets bemüht, macht viele Räume, doch die Torgefahr, die er eigentlich als einzige Spitze ausstrahlen müsste, ist überschaubar. Flick: "Er betreibt einen großen Aufwand, aber es fehlt bei uns generell an der Überzeugung."

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Kai Havertz:

Die Rolle für den so veranlagten Offensiv-Allrounder hat Flick noch immer nicht gefunden. Mal durfte er im Sturm ran, mal zwischen den Linien, mal als klassischer Zehner wie gegen Ungarn. Vielleicht ist das ein Grund, warum auch vom Ex-Leverkusener derzeit so wenig kommt – ein Traumpass in Budapest auf Jonas Hofmann genügt jedenfalls den Ansprüchen und Erwartungen nicht.

Thomas Müller:

115 Länderspiele und 43 Tore sprechen für sich – Müllers Wert für die Mannschaft ist nach wie vor extrem hoch, auch als Führungsspieler, der lautstark vorangeht. Doch dem 32-Jährigen ist die lange Saison noch deutlicher anzumerken als den jüngeren Mitspielern. An Einsatz und Willen mangelt es ihm nie, aber er wirkt müde und überspielt.

Mangel an Alternativen

Von den vielversprechenden Alternativen konnte nur Hofmann auf sich aufmerksam machen, andere wie Karim Adeyemi, Lukas Nmecha oder Julian Brandt dagegen nicht – von Marco Reus ganz zu schweigen. Der BVB-Kapitän verpasste das erste Spiel gegen Italien aufgrund eines Infekts, musste dann wieder abreisen, weil er sich im Individualtraining einen Muskelfaserriss zuzog. Seine DFB-Karriere ist und bleibt eine einzige Enttäuschung.

Ein echter Knipser, wie die großen deutschen Mannschaften ihn eigentlich immer hatten – man denke an Gerd Müller, Uwe Seeler, Rudi Völler, Jürgen Klinsmann oder Miroslav Klose – ist nicht in Sicht. "Den haben viele Mannschaften nicht", sagt der ehemalige DFB-Stürmer Bierhoff. "Deshalb müssen wir versuchen, mit dem Tempo und der Dribbelstärke unserer Offensivspieler mehr Torgefahr auszustrahlen", so der DFB-Direktor. Aktuell hapert es allerdings genau daran.

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