22. Juli 2021 / 16:25 Uhr

Kuntz übt nach Olympia-Pleite gegen Brasilien harte Kritik – DFB vor "Endspiel" gegen Saudi-Arabien

Kuntz übt nach Olympia-Pleite gegen Brasilien harte Kritik – DFB vor "Endspiel" gegen Saudi-Arabien

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Stefan Kuntz war nach dem schwachen Olympia-Auftakt der deutschen Fußballer entsprechend unzufrieden.
Stefan Kuntz war nach dem schwachen Olympia-Auftakt der deutschen Fußballer entsprechend unzufrieden. © dpa
Anzeige

Zum Auftakt ins Olympia-Turnier musste die deutsche Fußball-Auswahl eine herbe 2:4-Niederlage gegen Titelverteidiger Brasilien hinnehmen. Trainer Stefan Kuntz übte nach dem Spiel deutliche Kritik. Routinier Max Kruse erwartet nun ein Endspiel in der zweiten Gruppen-Partie gegen Saudi-Arabien.

Anzeige

Stürmer Max Kruse saß frustriert auf der Wechselbank und stierte nach dem bitteren Fehlstart der deutschen Olympia-Fußballer mit leerem Blick in den Abendhimmel von Yokohama, seine Teamkollegen trotteten mit hängenden Köpfen in die Stadion-Katakomben. Trotz einer leidenschaftlichen Aufholjagd in Unterzahl ist die DFB-Auswahl auf ihrem Weg zur ersehnten Goldmedaille zum Auftakt des Tokio-Turniers von Brasilien kräftig ausgebremst worden. Vor leeren Rängen verlor das teils überfordert wirkende Team von Trainer Stefan Kuntz am Donnerstag gegen den Turnierfavoriten mit 2:4 (0:3) und verpasste so die Revanche für das verlorene Olympia-Finale 2016 und damit den erhofften Traumstart.

Anzeige

Der Bundestrainer war nach dem Spiel überhaupt nicht zufrieden: "Wir haben im Spielaufbau nicht gut agiert, haben viele Fehlpässe gespielt. Wir hatten wenig Mut, haben Brasilien viele Konteraktionen ermöglicht", ordnete Kuntz ein. "Wir waren körperlich noch nicht auf der Höhe und hätten höher verlieren können", musste er nach der Lehrstunde gestehen, richtete den Blick aber bereits wieder nach vorn: "Als Trainer hoffst du, dass das der berühmte Schuss vor den Bug war. Wir versuchen das schnell abzuhaken. Es geht jetzt darum, die Mannschaft aufzurichten, um in den kommenden Spielen ein anderes Gesicht zu zeigen."

Kruse erwartet "Endspiel" gegen Saudi-Arabien

Richarlison mit einem Dreierpack in der 7., 22. und 30. Minute sowie Paulinho (90.+4) untermauerten die Titelambitionen der Seleção, für Deutschland trafen Nadiem Amiri (56.) und Ragnar Ache (83.). Neben dem Spiel verlor das DFB-Team auch noch Kapitän Maximilian Arnold mit Gelb-Rot (62.). Der Wolfsburger fehlt damit im zweiten Turnierspiel am kommenden Sonntag gegen Saudi-Arabien, das zum Auftakt der Elfenbeinküste mit 1:2 unterlag. "Jeder, der die Tabelle lesen kann weiß, dass es ein Endspiel wird", sagte Kruse.

Bei drückender Hitze von über 30 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit kam die deutsche Mannschaft schnell ins Schwitzen. Gegen die leichtfüßigen Brasilianer waren die Schützlinge von U21-Nationaltrainer Kuntz oft mindestens einen Schritt zu spät dran. Schon in der 5. Minute hatte Matheus Cunha vom Bundesligisten Hertha BSC die Führung für den Rio-Olympiasieger auf dem Fuß, scheiterte aber an Torwart Florian Müller.

Nur 120 Sekunden später musste der 23-Jährige vom VfB Stuttgart den Ball erstmals aus dem Netz holen. Zwar konnte Müller zunächst einen Schuss von Richarlison mit Mühe abwehren, doch den Abpraller versenkte der Stürmer vom englischen Premier-League-Klub FC Everton eiskalt. Einmal in Fahrt legte der 24-Jährige noch zweimal nach. Die deutschen Spieler standen dabei jeweils Spalier, was Kuntz an der Seitenlinie mit einem verzweifelten Kopfschütteln quittierte.

Dem DFB-Team war anzumerken, dass es in dieser Formation zuvor noch nie zusammengespielt hatte. In der Defensive klafften riesige Lücken, im Mittelfeld fehlte es an der nötigen Kreativität und der Angriff war praktisch nicht existent. Qualitativ konnte die nach zahlreichen Absagen mühevoll zusammengestellte Mannschaft den individuell starken Südamerikanern ohnehin nicht das Wasser reichen.

Henrichs: Erste DFB-Halbzeit "war ein Witz"

Die völlig überforderte Kuntz-Truppe gab in der ersten Halbzeit einen einzigen Torschuss ab. Der Versuch von Amiri stellte Brasiliens Keeper Santos aber vor keine Probleme. "Was wir in der ersten Hälfte gemacht haben, war ein Witz", übte Benjamin Hinrichs Selbstkritik. Nach einem Handspiel des Abwehrspielers im eigenen Strafraum hätte sich die Laune von Kuntz in der Nachspielzeit fast noch mehr verschlechtert, doch Müller parierte den Elfmeter von Cunha und verhinderte damit das vierte Gegentor.

Nach dem Wechsel spielte die DFB-Elf etwas mutiger nach vorne, konnte die Brasilianer aber nur selten in Verlegenheit bringen. Vielmehr musste Müller gleich mehrfach sein Können unter Beweis stellen, um das Ergebnis im Rahmen zu halten. Zwar traf Amiri mit einem Direktschuss von der Strafraumgrenze, bei dem Santos nicht gut aussah, und Ache per Kopf - an der verdienten Niederlage änderte dies aber nichts mehr.