05. Februar 2020 / 16:39 Uhr

Kommentar zum DFB-Pokal: Der BVB hängt schon jetzt stark am Haaland-Tropf

Kommentar zum DFB-Pokal: Der BVB hängt schon jetzt stark am Haaland-Tropf

Christian Müller
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Michael Zorc fädelte den Transfer von Erling Haaland ein. Aber hätte der BVB-Sportdirektor auf dem Markt mehr tun müssen?
Michael Zorc fädelte den Transfer von Erling Haaland ein. Aber hätte der BVB-Sportdirektor auf dem Markt mehr tun müssen? © Getty/imago images/RHR-Foto
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Nach einer weitgehend schwachen Vorstellung ist Borussia Dortmund bei Werder Bremen aus dem DFB-Pokal ausgeschieden. Das liegt auch an der starken Abhängigkeit des Teams von Torjäger Erling Haaland, meint SPORTBUZZER-Redakteur Christian Müller.

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Es ehrt Michael Zorc, dass der Sportdirektor von Borussia Dortmund bei der Analyse der 2:3-Schmach im DFB-Pokal bei Werder Bremen nicht um den heißen Brei herumredete. "Lahmarschig, bequem und langsam" habe der BVB in der ersten Halbzeit im Weserstadion agiert - und sei dafür zurecht bestraft worden. So schonungslos brachte Zorc im Gespräch mit dem Kicker ein Dortmunder Kernproblem des Dienstagabends auf den Punkt: Dass die Borussia nicht am Maximum ihrer Möglichkeiten operierte. Mit anderen Worten: Die Pokal-Pleite hatte durchaus etwas mit mangelnder Mentalität zu tun - auch, wenn sie das in Dortmund nicht gerne hören, wie Kapitän Marco Reus gegenüber einem Sky-Reporter schon einmal überdeutlich zum Ausdruck gebracht hat.

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Das alleine ist aus BVB-Sicht eigentlich schon bedenklich genug. Mindestens genauso rätselhaft ist aber, wieso Trainer Lucien Favre mit Erling Haaland und Giovanni Reyna erst zwei Teenager einwechseln musste, damit die Schwarz-Gelben in Bremen nach einem 0:2-Pausenrückstand zumindest ansatzweise eine Chance aufs Weiterkommen hatten. Ein 19-jähriger Norweger und ein 17-jähriger US-Amerikaner bewirkten, wozu ein spielerisch hochveranlagtes und in Teilen auch sehr erfahrenes Team vorher nicht in der Lage gewesen war: den Tabellen-16. der Bundesliga in Bedrängnis zu bringen. Für einen Drittplatzierten, der um die Deutsche Meisterschaft mitspielen will, ist das ein ziemlich schwacher Befund.

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Insbesondere die Abhängigkeit von Haaland ist schon jetzt enorm: Der in der Winterpause von RB Salzburg verpflichtete Angreifer, dessen Wechsel Zorc jüngst als einen der schwierigsten Transfer seiner Karriere bezeichnet hatte, ist nach dem Abgang des verletzungsanfälligen Paco Alcácer zum FC Villarreal der einzige "echte" Stürmer im Kader des BVB. Reus, Julian Brandt, Thorgan Hazard, der zunehmend auf das Abstellgleis geratene 2014er Weltmeister Mario Götze - sie alle bringen zwar enorme spielerische Klasse und eine gewisse Torgefahr mit. Aber kein anderer Dortmunder stößt mit einer solchen Wucht in die Spitze wie der junge Norweger, keiner wirkt im gegnerischen Strafraum derart abgeklärt und kaum einer reißt mit seiner Körpersprache Team und Publikum ähnlich mit wie Haaland. Auch Abwehrchef Mats Hummels bemängelte ohne Haaland zu wenig Tiefe im BVB-Spiel.

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Ohne Haaland und seine drei Debüt-Treffer hätten die Westfalen wohl auch den Rückrundenauftakt in der Bundesliga beim FC Augsburg (3:5) in den Sand gesetzt. Dabei ist der Skandinavier nach Favres Einschätzung noch nicht einmal hundertprozentig fit - weshalb er auch (noch) nicht jedes Spiel von Anfang an macht. Das ist aus Dortmunder Sicht einerseits beruhigend, weil Haaland demnach noch mehr Steigerungsmöglichkeiten hat als aufgrund seines geringen Alters ohnehin. Andererseits: Ohne Haaland könnten dem BVB noch häufiger Missgeschicke wie die erste Hälfte am Dienstag passieren. Dann sieht sich Zorc vielleicht noch häufiger gezwungen, verbale Ohrfeigen zu verteilen. So wie nach der Schmach von Bremen, als Zorc Alarmierendes von sich gab wie: "Wir wirkten nicht, als wüssten wir, worum es geht."