14. Mai 2021 / 13:55 Uhr

Einst "junge Wilde" bei 96, heute Vaterfiguren: Warum im Pokalfinale ein wenig Hannover steckte

Einst "junge Wilde" bei 96, heute Vaterfiguren: Warum im Pokalfinale ein wenig Hannover steckte

Sportredaktion Hannover
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Babacar N'Diaye (links) und Otto Addo (rechts) trafen im DFB-Pokalfinale als Gegner aufeinander. Vor über 20 Jahren waren sie bei Hannover 96 Teamkollegen. 
Babacar N'Diaye (links) und Otto Addo (rechts) trafen im DFB-Pokalfinale als Gegner aufeinander. Vor über 20 Jahren waren sie bei Hannover 96 Teamkollegen.  © IMAGO/motivio / AP-Pool / Madsack-Archiv / dpa
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Hannover 96 im DFB-Pokalfinale? Das ist längst Vergangenheit. Ein Hauch 96-Flair steckte im Duell zwischen Borussia Dortmund und RB Leipzig aber doch, wenn auch erst auf den zweiten Blick. Die 96-Aufstiegshelden Otto Addo und Babacar N'Diaye trafen an der Seitenlinie aufeinander - in ähnlicher Rolle.

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Der 23. Mai 1992 wird für immer ein historischer Tag für Hannover 96 sein: Damals standen die Roten sensationell im DFB-Pokalfinale. Vor 76.000 Zuschauern im ausverkauften Olympiastadion holte die Mannschaft von Trainer Michael Lorkowski im Elfmeterkrimi als erster und bisher einziger Zweitligist den Pott und schrieb Geschichte. 29 Jahre später wirkt das Endspiel im Pokalwettbewerb dagegen fast trostlos. Vor coronabedingt leeren Rängen schoss Borussia Dortmund den finanzstarken Emporkömmling RB Leipzig mit 4:1 ab.

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Aus 96-Sicht sind solche großen Endspiele schon länger meilenweit entfernt, die Niedersachsen sind graue Maus in der 2. Liga und seit Jahren chronisch schwach im Pokalwettbewerb. Ein wenig Hannover steckte aber doch im Duell am Donnerstagabend. Zwar nicht auf dem Platz, aber daneben. Die Protagonisten: Babacar N'Diaye (47), seit 2017 Teammanager bei RB Leipzig, und Otto Addo (45), beim BVB Co-Trainer unter Edin Terzic.

Bilder vom Hinspiel der Relegation zur 2. Bundesliga zwischen Tennis Borussia Berlin und Hannover 96 (21. Mai 1998)

Die Spieler von Hannover 96 und Tennis Borussia Berlin betreten den Rasen. Zur Galerie
Die Spieler von Hannover 96 und Tennis Borussia Berlin betreten den Rasen. ©

N'Diaye wichtig für französischsprachige Spieler

96-Kenner wissen: Beide spielten einst zusammen für die Roten, Addo und N'Diaye zählten zu den "jungen Wilden", die 1998 aus der Regionalliga in die 2. Liga aufstiegen und beinahe den direkten Durchmarsch in die Bundesliga schafften. Mittelfeld-Allrounder Addo machte von 1996 bis 1999 91 Spiele für 96, Stürmer N'Diaye lief zwischen 1998 und 2003 61-mal für 96 auf.



Der in Hannover beliebte N'Diaye wurde vor vier Jahren von seinem ehemaligen 96-Trainer Ralf Rangnick nach Leipzig gelotst, bei den Rasenballern ist "Baba" seitdem der verlängerte Arm des Trainerteams. Wichtig ist der Senegalese vor allem für die traditionell große französischsprachige Fraktion im RB-Kader. Aktuell bilden Dayot Upamecano, Christopher Nkunku, Nordi Mukiele, Amadou Haidara und Ibrahima Konaté eine frankophone Fünfer-Clique. Nicht nur sportlich, sondern gerade in Alltagsfragen ist N'Diaye wichtiger Ansprechpartner für die jungen Spieler.

Addo erst Talente-Coach, dann Co-Trainer

Kurioserweise nahm sein Ex-Teamkollege Addo in Dortmund von 2019 bis Dezember 2020 eine ähnliche Rolle ein, wenn auch nominell in anderer Funktion. Der Deutsch-Ghanaer wurde als Talente-Coach geholt, als Ansprechpartner und Förderer von jungen Spielern. Die Idee hinter Addos Rolle: Den Übergangsbereich der Altersklassen U17 bis U23 zu professionalisieren, um die Durchlässigkeit zur Profiabteilung zu optimieren. Erfolgsgeschichten wie die von Giovanni Reyna, Youssoufa Moukoko und Ansgar Knauff sollen keine Ausnahme bleiben, sondern zur Regel werden.

"Er ist wie ein Vater für uns"

Seit der Beförderung von Edin Terzic zum Chefcoach im Winter 2020 ist Addo Co-Trainer der Profis, bleibt aber nach wichtiger Mentor für die zahlreichen Talente im BVB-Kader. Das 16-jährige Mega-Juwel Moukoko lobte Addo unlängst: "Er ist wie ein Vater für uns."

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Trainerwechsel in Dortmund und Leipzig

Im Pokalfinale hatte Addo die Oberhand. Nach dem Gewinn der deutschen Meisterschaft als BVB-Spieler feierte er seinen ersten Titel in einem Traineramt. N'Diaye blieb diese Ehre auf Leipziger Seite verwehrt. Was das Duo außer der gemeinsamen Vergangenheit und der ähnlichen Rolle als Vaterfigur verbindet: Im Sommer kommt es bei ihren Klubs zum Trainerwechsel. In Dortmund übernimmt Marco Rose, in Leipzig Jesse Marsch. Noch ist unklar, wie sich das auf die Rolle der beiden auswirkt.

Fest steht jedenfalls: Bei ihren Spielern, vor allem den jungen, sind N'Diaye und Addo außerordentlich beliebt - sowohl RB als auch der BVB täte gut daran die Ex-96-Profis weiter einzubinden.

tk