07. August 2021 / 22:30 Uhr

Babelsberger Pokalheld Marco Flügel nach Erstrundensieg: "Ein absoluter Traum"

Babelsberger Pokalheld Marco Flügel nach Erstrundensieg: "Ein absoluter Traum"

Mirko Jablonowski
Märkische Allgemeine Zeitung
Marco Flügel (SVB) hält den entscheidenden Elfmeter, SV Babelsberg 03 - SpVgg Greuther Fürth , Fußball, DFB-Pokal, Saison 2021/2022, Potsdam, 07.08.2021, Foto: Jan Kuppert
Marco Flügel wurde im Elfmeterschießen mit zwei parierten Strafstößen zum Mann des Abends. © Jan Kuppert
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Der SV Babelsberg 03 setzt sich in der 1. Runde des DFB-Pokals gegen Bundesliga-Aufsteiger Greuther Fürth mit 7:6 nach Elfmeterschießen durch. Eigengewächs Marco Flügel wird dabei mit zwei parierten Strafstößen zum Mann des Abends.

DFB-Pokal, 1. Runde: SV Babelsberg 03 - SpVgg Greuther Fürth 7:6 n.E. (1:1, 2:2). Tore: 0:1 Branimir Hrgota (22., Strafstoßtor), 1:1 Marcel Rausch (37.), 2:1 Marcus Hoffmann (70.), 2:2 Julian Green (85.). Tore im Elfmeterschießen: 3:2 Green, 3:3 Frahn, 4:3 Seguin, 4:4 Wegener, 5:4 Barry, 5:5 Reimann, 6:5 Sarpei, 6:6 Moravec, 6:7 Danko.olche Geschichten schreibt nur der Fußball“ – diese Floskel wird vor allem nach packenden Pokalabenden immer wieder gerne ausgepackt. Einen solchen sahen die 3030 Zuschauer im Karl-Liebknecht-Stadion am Samstagabend, als sich der Fußball-Regionalligist SV Babelsberg 03 mit 7:6 nach Elfmeterschießen gegen Bundesliga-Aufsteiger Greuther Fürth durchsetzte.

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Zum Mann des Abends avancierte dabei SVB-Keeper Marco Flügel. Ausgerechnet Flügel, möchte man sagen. Ein Babelsberger Junge. Im Kiez aufgewachsen und seit der E-Jugend im Trikot des SV Babelsberg 03. „Ein absoluter Traum“ sei für den 26-Jährigen an diesem Abend in Erfüllung gegangen. In „seinem“ Karli, in dem er als Kind und Jugendlicher selbst immer als Zuschauer bei den Spielen der Ersten mitfieberte, wurde er nach der Partie zum „Man of the Match“ gekürt, auf dem Zaun von den Fans der Nordkurve gefeiert und konnte sich vor Glückwünschen kaum retten. Im Elfmeterschießen parierte er gegen Branimir Hrgota und Maximilian Bauer. Beim SVB scheiterte nur Nulldrei-Kapitän Petar Lela an Gästekeeper Marius Funk. „Das ist natürlich der absolute Wahnsinn. Ich bin einfach unfassbar stolz auf unsere Mannschaft, die sich das hier total verdient hat“, freute sich Flügel.

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Als amtierender Brandenburger Landespokalsieger traf Regionalligist SV Babelsberg 03 in der ersten Runde des DFB-Pokals auf Bundesliga-Aufsteiger Greuther Fürth und setzte sich am Ende mit 7:6 nach Elfmeterschießen durch. Zur Galerie
Als amtierender Brandenburger Landespokalsieger traf Regionalligist SV Babelsberg 03 in der ersten Runde des DFB-Pokals auf Bundesliga-Aufsteiger Greuther Fürth und setzte sich am Ende mit 7:6 nach Elfmeterschießen durch. © Jan Kuppert

Hinter dem ruhigen Schlussmann, der den Elfmeter vor dem 0:1 mit einem Foul an Fürths Angreifer Jamie Leweling noch selbst verursachte und sich in den vergangenen Jahren nach Verletzungen immer wieder zurück kämpfte, liegen keine einfachen Wochen. In den ersten drei Punktspielen in der Regionalliga Nordost musste er – unter dem am vergangenen Dienstag entlassenen Cheftrainer Predrag Uzelac – Jannick Theißen den Vortritt lassen und sich mit einem Platz auf der Ersatzbank begnügen. „Natürlich ist das nicht leicht. Ich habe aber den Kopf nicht hängen lassen und im Training Vollgas gegeben“, so der Pokalheld vom Babelsberger Park.

Am Freitag vor dem Training habe er von Neu-Coach Jörg Buder erfahren, dass er im DFB-Pokal ran darf. „Auch als Belohnung für meine Leistungen im letztjährigen Landespokal“, wie Flügel berichtete. Dort stand er sowohl beim 3:0-Halbfinalerfolg bei Energie Cottbus als auch im Finale gegen Union Fürstenwalde (2:0) zwischen den Pfosten. „Als ich die Nachricht erhalten habe, habe ich mich einfach nur unfassbar gefreut“, sagt der Torhüter mit der Rückennummer 28, der schon in den 120 Minuten vor dem Elfmeterschießen großen Anteil daran hatte, dass die Grundlage für den späteren Erfolg gelegt wurde. Nach der Gästeführung durch den vom Fürther Kapitän Hrgota sicher verwandelten Elfmeter hatten Marcel Rausch (37.) und Marcus Hoffmann (70.) die Partie zunächst zu Gunsten des SVB gedreht, ehe Julian Green per Kopf der Ausgleich für die Kleeblätter gelang (85.).

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„Marco hat das richtig gut gemacht und uns in einigen Situationen im Spiel gehalten“, wusste auch David Danko. Der 28 Jahre alte Mittelfeldspieler, seit 2018 bei Nulldrei, verwandelte den alles entscheidenden Strafstoß. „Der Weg zum Ball war unfassbar lang, ich habe nur auf den Boden geschaut und mir gesagt, dass es wichtig ist, dass ich den Ball mit Überzeugung schieße“, gab er Einblick in seine Gefühlswelt. Und er schoss mit Überzeugung und verwandelte das Leder in die von ihm aus gesehen rechte untere Ecke.

„Was danach folgte, war der absolute Wahnsinn, das kann man sich nicht vorstellen und davon träumt jeder Fußballer. Ich hatte den ganzen Tag ein gutes Gefühl und habe an eine Überraschung geglaubt. Im Elfmeterschießen im Freitagstraining haben wir alle getroffen. Als sich in der Halbzeit der Nachmittagsspiele keine Sensation abzeichnete, habe ich zu den Jungs gesagt, dass die Sensation heute bei uns in Babelsberg stattfindet“, berichtete Danko und träumt in der zweiten Runde – die am 26./27. Oktober ausgespielt wird – von einem noch größeren Gegner. „Borussia Dortmund hat eine geile Truppe, Bayern München würde ich aber auch nehmen“, sagt er mit einem Augenzwinkern. „Jetzt wird aber erstmal gefeiert.“

Für die Babelsberger als amtierender Brandenburger Landespokalsieger war es der erste DFB-Pokalerfolg seit 15 Jahren. Damals setzte sich der SVB mit 2:1 gegen den FC Hansa Rostock durch und musste sich dem VfB Stuttgart in Runde zwei mit 2:4 geschlagen geben. Der Erfolg am Samstag lohnt sich für den Viertligisten auch finanziell. So kassieren die Teilnehmer der 2. Runde laut Kicker in dieser Saison 257 514 Euro Prämie für ihr Weiterkommen.

SV Babelsberg 03: Flügel – J. Wilton, Lela, Hoffmann, Wegener – Danko, Reimann - Müller (82. Härtel), Schmidt (104. Zille), Rausch (64. Moravec) – Frahn.
Greuther Fürth: Funk – Asta (46. Barry), M. Bauer, Jung, Hoogma – Seguin - Seufert (73. Fein), Tillmann (111. Sarpei), Green – Hrgota, Leweling (68. Abiama).

Stimmen zum Babelsberger Sensationserfolg

Jörg Buder, Trainer Babelsberg 03: „Ich bin total stolz auf die Mannschaft. Sie haben das umgesetzt, was sie können. Natürlich haben wir ein bisschen glücklich gewonnen. Fürth hat eine richtig gute Mannschaft, die spielen tollen Fußball. Wir haben heute leidenschaftlich verteidigt, haben alles reingehauen, was wir hatten, haben uns in jeden Zweikampf geworfen. Und haben natürlich ein bisschen Glück – gerade am Anfang. Das Spiel läuft bestimmt anders, wenn es direkt nach zwei Minuten 0:1 steht. Mit zunehmender Spielzeit haben wir uns reingekämpft. In der Verlängerung habe ich schon gemerkt, dass der Tank bei Fürth auch langsam leer war. Und dann im Elfmeterschießen – da gehört auch immer ein bisschen Glück dazu. Ich bin natürlich total glücklich, einen besseren Einstand konnte es nicht geben.“

Stefan Leitl, Trainer Greuther Fürth: „Erstmal Glückwunsch an Babelsberg zum Einzug in die zweite Runde. Ich wünsche dem Team in der Liga und im Pokal alles Gute und dass sie noch lange dabei sind. Ich glaube, dass es für uns einfach eine unnötige Niederlage ist. Ich denke wir hatten über 120 Minuten genug Möglichkeiten, das Spiel für uns zu entscheiden. Wir haben gegen eine sehr kampfstarke Mannschaft gespielt, die sich in alles reingeworfen hat und die auch toll verteidigt hat. Trotzdem war die Anzahl der Großchancen, die wir hatten, schon deutlich. Da haben wir es einfach vermissen lassen, das Spiel auf unsere Seite zu drehen. Dann geht es am Ende ins Elfmeterschießen, in dem man immer auch ein bisschen Glück braucht. Wir hatten nicht das nötige Quäntchen Glück auf unserer Seite, obwohl unser Torhüter Marius Funk bis auf beim letzten Elfmeter jedes Mal in der richtigen Ecke war. Ich bin natürlich sehr enttäuscht, weil wir nach einer schwierigen Vorbereitung unbedingt in die zweite Runde einziehen wollten.“

Daniel Frahn, Stürmer Babelsberg 03: „Respekt an jeden einzelnen unserer Jungs. Wir haben alles reingehauen was wir hatten und haben auch nach dem Rückstand an uns geglaubt. Natürlich wussten wir, dass es nach dem Ausgleich in der Verlängerung eklig wird. Aber das haben wir zusammen als Mannschaft überstanden. Einfach ein perfekter Pokalabend.“

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