06. Februar 2021 / 05:30 Uhr

DFB-Präsident Fritz Keller über die EM, Zuschauer, Joachim Löw und den Machtkampf mit Friedrich Curtius

DFB-Präsident Fritz Keller über die EM, Zuschauer, Joachim Löw und den Machtkampf mit Friedrich Curtius

Tobias Manzke
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Spricht im SPORTBUZZER-Interview über die EM, Joachim Löw und den DFB-Matchkampf: DFB-Präsident Fritz Keller.
Spricht im SPORTBUZZER-Interview über die EM, Joachim Löw und den DFB-Matchkampf: DFB-Präsident Fritz Keller. © Martin Hoffmann/imago images
Anzeige

DFB-Präsident Fritz Keller hofft weiterhin auf eine paneuropäische EM in zwölf Ländern. Im SPORTBUZZER-Interview lobt er zudem die Profis für ihre Disziplin und fordert Ruhe rund um das Thema Joachim Löw.

Anzeige

Fritz Keller (63) sagt über sich, dass er "von Herzen Europäer" ist. Auch deshalb hofft der Präsident des Deutschen Fußball-Bunds (DFB), dass die Europameisterschaft im Sommer so stattfinden kann wie eigentlich schon für 2020 geplant: paneuropäisch. In zwölf verschiedenen Ländern sollen dann Spiele ausgetragen werden. Im SPORTBUZZER-Interview spricht er über die EM, Zuschauer und

Anzeige

SPORTBUZZER: Herr Keller, die UEFA will am Plan, die EM in zwölf Städten europaweit auszutragen, festhalten. Es gibt Stimmen, die fordern, das Turnier wegen der Pandemie besser abzusagen. Wie ist Ihre Sicht?

Fritz Keller: Ich bin sicher, dass die Europameisterschaft stattfindet. In Deutschland haben der DFB und die DFL unter der Leitung von Prof. Tim Meyer, dem Vorsitzenden der Medizinischen Kommissionen des DFB und der Uefa, Hygienekonzepte entwickelt. Wir haben dabei ein Konzept für den Profifußball hinbekommen, das sehr verantwortlich ist. Es funktioniert, und auch die Euro könnte sportlich sicher stattfinden. Der ursprüngliche Gedanke, sie in zwölf verschiedenen Ländern auszutragen, ist ein sehr europäischer. Ich bin von Herzen Europäer. Deshalb hoffe ich immer noch sehr, dass die EM im geplanten Modus zustande kommt. Was aber internationale Fans in den Stadien angeht, da bin ich zurückhaltend.

Mehr vom SPORTBUZZER

Wovon wird es abhängen, ob Zuschauer zugelassen werden?

Die Uefa entwickelt gemeinsam mit den Verbänden, Städten und Stadien spezielle Szenarien, die lokal durch die Hinzuziehung der Behörden unterschiedlich geprägt sind. Je nach Pandemielage. Unser Euro-Team etwa plant für den Spielort München mit unterschiedlichen Szenarien. Zum Beispiel Spiele ohne Zuschauer im Stadion oder mit einer Auslastung von 30 oder 50 Prozent. Eine Grundlage bilden hierfür die Konzepte, die sich in der Bundesliga, bei Länderspielen und bei den Finalturnieren der UEFA-Europa-League und der Champions League im Sommer 2020 bewährt haben. In dem ganzen Thema tun mir aber die Spieler leid.

Wie meinen Sie das?

Sie stehen seit jungen Jahren auf dem Platz, kämpfen darum, Profi zu werden, und haben dann nur ein bestimmtes Zeitfenster als Spieler zur Verfügung. Jetzt fahren sie zu einem Turnier und die Stadien sind vielleicht zum Teil leer. Sonst feiern sie nach Siegen zusammen mit den Fans in den Arenen oder weinen gemeinsam nach Niederlagen. Das geht jetzt nicht. Die Profis legen während der ganzen Corona-Phase eine ungeheure Disziplin an den Tag. Der eine oder andere ist mal ausgeschert, aber das sind Ausnahmen. Jetzt haben sie ein großes Turnier vor der Brust und können es nicht genießen. Das tut mir weh.

Am Ende des vergangenen Jahres fiel die Entscheidung, dass Joachim Löw Bundestrainer bleibt. Haben Sie Sorge, dass bei den Spielen der Nationalmannschaft im März die nächsten Löw-Debatten hochkochen?

Wenn Spiele nicht gut laufen, wird es immer Debatten geben. Gerade mit dem Anspruch, den wir haben und den auch die Mannschaft an sich selbst stellt: zurück an die Weltspitze. Wenn wir keine großen Verletzungssorgen haben, bin ich optimistisch, dass wir eine erfolgreiche EM und ein erfolgreiches Jahr mit Jogi Löw vor uns haben.

Ärger gab es zuletzt intern beim DFB wegen eines „Machtkampfes“ zwischen Ihnen und Generalsekretär Friedrich Curtius. Haben sich die Wogen geglättet, und wie ist aktuell die Zusammenarbeit?

Im Mittelpunkt steht, dass wir uns auf die wichtigen Ereignisse im Fußball vorbereiten, die in den nächsten Monaten anstehen. Und auch das Thema Nachhaltigkeit, für das wir stehen. Wenn man sich auf den Weg begeben hat, einen Verband neu und modern aufzustellen, dann gibt es selbstverständlich auch mal Diskussionen. Ich stehe für langfristiges Denken in Generationen, dafür, dass wir uns für die Zukunft so aufstellen, dass wir unsere Arbeit im Sinne unserer Fußballspielerinnen und Fußballspieler ordentlich machen können. Das klappt – und das nicht nur im Moment.