30. Oktober 2020 / 08:00 Uhr

DFB-Präsident Keller über seinen Patenonkel Fritz Walter: Das können wir noch heute von ihm lernen

DFB-Präsident Keller über seinen Patenonkel Fritz Walter: Das können wir noch heute von ihm lernen

Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
DFB-Präsident Fritz Keller erinnert sich zu dessen 100. Geburtstag an seinen Patenonkel Fritz Walter.
DFB-Präsident Fritz Keller erinnert sich zu dessen 100. Geburtstag an seinen Patenonkel Fritz Walter. © Getty Images (Montage)
Anzeige

Am Samstag wäre Fritz Walter 100 Jahre alt geworden. Einer, der den legendären Kapitän beim Wunder von Bern besonders gut kannte, ist DFB-Präsident Fritz Keller. Walter, Weltmeister von 1954, ist Kellers Patenonkel. Im SPORTBUZZER-Interview erinnert sich der 63-Jährige an den großen Regisseur und erklärt, was wir heute noch von dem Mann, der den 1. FC Kaiserslautern zu zwei deutschen Meisterschaften führte, lernen können.

Anzeige

SPORTBUZZER: Herr Keller, wie war Ihr Patenonkel Fritz Walter als Mensch?

Anzeige

Fritz Keller (63): Fritz Walter hat etwas Besonderes an sich gehabt. Am Stammtisch in der Wirtschaft konnte gerade noch so ein Trubel herrschen, wenn er zur Tür hereinkam, herrschte augenblicklich Totenstille. Wie in der Kirche. So andächtig wurde er verehrt. Seine Ausstrahlung zog die Menschen in ihren Bann, obwohl er sich wie einer von ihnen verhielt und sich als einer von ihnen verstand. Jedem, der fragte, schenkte er ein Autogramm und ein Gespräch. Er hat für jeden ein gutes Wort übrig gehabt, war so geduldig und freundlich und nie abgehoben. Ob bei ihm zu Hause in Alsenborn oder in Oberbergen (Kellers Heimatort im Kaiserstuhl; Anm. d. Red.), wenn meine Mutter für ihn kochte: Aus jedem Gespräch mit Fritz Walter habe ich etwas mitgenommen. Seine sympathische, ehrliche und einfache Art hat mich tief beeindruckt und bis heute geprägt.

Welche Anekdoten, die sie gemeinsam erlebt haben, sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Ich war im Kloster im Internat. Dorthin hat mir Fritz Walter immer wieder irgendetwas zugeschickt. Kleine Fußballschuhe von Adidas, oder mal ein T-Shirt, Kleinigkeiten, die ich manchmal gegen Hausaufgaben eingetauscht habe. Ich erinnere mich auch an eine gemeinsame Zugfahrt zum Auswärtsspiel des 1. FC Kaiserslautern bei 1860 München im Stadion an der Grünwalder Straße. Im "Bratwurst Glöckl", einer Institution in München, beantwortete er selbst noch auf der Toilette geduldig jede Frage der vielen Anhänger.

Mehr vom SPORTBUZZER

Was können wir heute noch von diesem großen Sportler und Menschen lernen?

Fritz Walter hat sich lebenslang seine Bescheidenheit bewahrt und gezeigt, dass Fußball nicht an den Außenlinien endet und Menschen zusammenbringt. Er hat dem Fußball eine Kraft gegeben, die wir bis heute spüren. Er hat einer ganzen Nation gezeigt, dass es sich lohnt, die Ärmel hochzukrempeln.