17. Januar 2021 / 12:40 Uhr

DFB-Projektleiter Drees verteidigt Videobeweis-Einsatz nach Gladbach-Ärger: "Strafstoß, den man geben kann"

DFB-Projektleiter Drees verteidigt Videobeweis-Einsatz nach Gladbach-Ärger: "Strafstoß, den man geben kann"

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Jochen Drees hat sich zum Videobeweis-Ärger beim Spiel zwischen Stuttgart und Gladbach geäußert.
Jochen Drees hat sich zum Videobeweis-Ärger beim Spiel zwischen Stuttgart und Gladbach geäußert. © imago images/Montage
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Nach dem umstrittenen Einsatz des Videobeweises beim Bundesliga-Spiel zwischen dem VfB Stuttgart und Borussia Mönchengladbach hat sich nun DFB-Projektleiter Jochen Drees zum Vorfall geäußert, der zum 2:2 der Schwaben führte. 

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Nach dem Wirrwarr um den Videobeweis-Einsatz in der Nachspielzeit des Bundesliga-Spiels zwischen dem VfB Stuttgart und Borussia Mönchengladbach (2:2), dem anschließenden Ärger der Gladbacher Profis und der Entschuldigung von Schiedsrichter Felix Brych hat sich nun Jochen Drees mit einer Einschätzung zur Elfmeter-Entscheidung pro VfB Stuttgart zu Wort gemeldet. Der Projektleiter des DFB erklärte bei Sky 90 die Abläufe, nahm Brych und auch die Videoassistentin Bibiana Steinhaus gegen Kritik in Schutz, kündigte gleichwohl Verbesserungen an. Allerdings stellte er fest: "Es ist ein Strafstoß, den man geben kann. Es ist keine sachlich falsche Entscheidung getroffen worden."

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Beim Samstagabendspiel war der Stuttgarter Sasa Kalajdzic nach einer Standardsituation vom Gladbacher Ramy Bensebaini mit beiden Händen umklammert worden, im Laufe der Szene stellte ihm jedoch sein eigener Mitspieler Waldemar Anton ein Bein, sodass er zu Boden ging. Bensebainis Halten hatte darauf wohl keinen Einfluss. Brych ließ die Szene zunächst weiterlaufen, Steinhaus meldete sich jedoch aus dem Kölner Keller, in dem zu diesem Zeitpunkt auch Drees zugegen war. Der Hauptreferee schaute sich die Szene nochmals an und entschied dann doch auf Strafstoß, den Silas Wamangituka zum 2:2 verwandelte. Die Gladbacher tobten, Jonas Hofmann sprach von "einer absoluten Frechheit".

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Drees: Bensebaini-Klammern entscheidend für Elfmeter-Entscheidung

Für Steinhaus und Drees war allein das Halten von Bensebaini schon elfmeterreif. "Es steht dieses heftige Umklammern des Mönchengladbacher Spielers, die Hände sind nicht nur um den Stuttgarter, sondern auch vor dem Körper geschlossen", so der frühere Schiedsrichter. "Ich frage: Was macht der Verteidiger, der sich nicht um den Ball kümmert, sondern nur den Spieler umklammert?" Der Kontakt mit Anton sei erst im Anschluss erfolgt. Drees: "Für Bibiana Steinhaus war das Umklammern des Spielers der priorisierende Aspekt, das kann man aus fachlicher Sicht unterstützen. Demgegenüber stehen die anderen Aspekte (Rückwärtsbewegung, Stolpern über die Füße, Anm. d. Red.), die eher für einen unglücklichen Ablauf sprechen. Die hat Steinhaus nicht als vorstehend bewertet." Bensebainis Einsatz sei Steinhaus’ "Impuls" gewesen, Brych nochmals auf die Szene hinzuweisen. Sie habe "den Aspekt des Fußvergehens für sich eingeschätzt und als nicht relevant angesehen".

Der Unparteiische hatte nach der Partie für Verwunderung gesorgt, als er eingestand, das Einsteigen von Anton gegen den eigenen Mann nicht gesehen zu haben – auch nicht in der Review-Area. Sein Fazit: "Der Kontakt unten ist uns leider verborgen geblieben. Stuttgart kann mit dem Elfmeter glücklich sein." Drees indes sagte, das "Stolpern über die Füße ist erkannt, aber nicht als relevantes Merkmal der Szene ausgemacht worden (…) Als Brych vor den Bildschirm getreten ist, war der Prozess des Haltens für ihn sofort strafstoßwürdig."


"Dann wäre es wohl keine glasklare Fehlentscheidung"

Der Projektleiter räumte jedoch ein, dass es im vorliegenden Fall "vielleicht ein Kommunikations- und Darstellungsmissverständnis" gegeben habe. So sei Brych nicht die vollständige Szene, sondern insbesondere der erste Teil mit dem Halten von Bensebaini gezeigt worden. Drees: "Wenn man die Szene als Ganzes laufen lässt, hätte man den Hergang mit allen Aspekten noch einmal darstellen können. Dann hätte er auch am Bildschirm die ganze Szene zur Einschätzung vorgelegt bekommen können. Dann ist es aber auch keine klare Fehlentscheidung auf Strafstoß zu entscheiden." Man werde nun "schauen, dass wir den Ablauf des Reviews etwas verbessern", so Drees weiter. Er betonte jedoch: "Innerhalb der Anwendung wird es keinen Moment geben, wo wir glasklar jede Entscheidung so entscheiden können, dass nicht mehr darüber diskutiert wird." Man lerne aus jeder Szene, könne aber "über den Videoassistenten nicht jede Entscheidung in Schwarz oder Weiß kehren".