20. März 2020 / 13:39 Uhr

Masterplan und konsequentes Drei-Stufen-Modell: So will der DFB gegen Rassismus vorgehen

Masterplan und konsequentes Drei-Stufen-Modell: So will der DFB gegen Rassismus vorgehen

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
DFB-Direktor Oliver Bierhoff möchte Rassismus-Vorfälle wie gegen Leroy Kwadwo oder Jordan Torunarigha künftig verhindern.
DFB-Direktor Oliver Bierhoff möchte Rassismus-Vorfälle wie gegen Leroy Kwadwo oder Jordan Torunarigha künftig verhindern. © Getty Images/imago images/Nordphoto/foto2press
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In den vergangenen Monaten sorgten immer wieder Rassismus-Vorfälle in Stadien in Deutschland und ganz Europa für Aufregung. Der DFB plant mehrere Maßnahmen, um gegen Rassismus im Fußball vorzugehen. 

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Vor einem Jahr sorgte der Journalist André Voigt mit einem emotionalen Video nach einem rassistischen Vorfall während des Länderspiels in Wolfsburg gegen Serbien (1:1) für Aufsehen. Drei Menschen wurden vor Gericht gestellt, doch bis auf eine Geldstrafe für einen Mann gab es keine rechtlichen Konsequenzen. Aus Sicht von Ex-Nationalspieler Cacau, dem Integrationsbeauftragen des DFB, sei das trotz externer Kritik ausreichend: "Von Seiten des DFB und des Sportgerichts wurde aus meiner Sicht tatsächlich alles unternommen, die Menschen zu bestrafen und sie aus dem Stadion zu verbannen."

Cacau: "Problem Rassismus ist größer geworden"

Das Problem Rassismus in Stadien trat allerdings gerade in den vergangenen Monaten wieder vermehrt auf. "Das Problem Rassismus ist im Fußball größer geworden", bilanzierte auch Cacau. So wurden Drittliga-Profi Leroy Kwadwo und Hertha-Verteidiger Jordan Torunarigha erst im Februar das Ziel von Beleidigungen. Auch Nationalspieler Antonio Rüdiger sah sich in der englischen Premier League verbalen Angriffen ausgesetzt. Er habe sich gefühlt, "als wäre ich kein Mensch, als wäre ich ein Tier", berichtete der Verteidiger anschließend und forderte künftig harte Strafen.

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Allerdings wirken die Maßnahmen bei rassistischen Vorfällen im Fußball häufig unzureichend. Moussa Marega, aus Mali stammender Stürmer des FC Porto, verließ Mitte Februar den Platz, als er die Affenlaute und Beleidigungen der Anhänger von Vitoria Guimarães nicht tatenlos über sich ergehen lassen wollte. Der gastgebende Klub wurde zu einer Geldstrafe verurteilt - in Höhe von 714 Euro.

Auch Verantwortliche, wie etwa Schalkes Aufsichtsratvorsitzendem Clemens Tönnies, kommen eher glimpflich davon. "Einerseits wird von Fußballfans oft Zivilcourage gefordert und gleichzeitig ist die Funktionärselite des deutschen Fußballs nicht in der Lage, die Sätze von Herrn Tönnies als rassistisch zu verurteilen", kritisierte Rechtsextremismusforscher Robert Claus. Tönnies hatte im Sommer 2019 mit Äußerungen über Afrika für Aufsehen gesorgt. Daraufhin hatte er sein Amt für drei Monate ruhen lassen, konnte inzwischen jedoch wieder zurückkehren.

Bierhoff fordert Reaktion bei Rassismus

Immerhin sei der Kampf gegen Rassismus laut DFB-Direktor Oliver Bierhoff inzwischen auf der öffentlichen Agenda oben angesiedelt. "Und ich hoffe, dass das auch zu einer Reaktion führt, dass man ganz deutlich macht, dass wir das einfach nicht sehen und haben wollen. Die Gesellschaft und jeder Einzelne sind gefordert, da zu agieren", sagte der frühere Nationalspieler.

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Um künftig besser gegen Rassismus-Vorfälle vorgehen zu können, sei laut Cacau ein "DFB-Masterplan" erstellt worden, der vorschreibt, "dass alle Landesverbände eine Anlaufstelle einrichten, wo Betroffene Gewalt- und Diskriminierungsfälle melden und aufarbeiten können. Bei einigen Landesverbänden ist diese Stelle bereits besetzt, der Rest folgt in den kommenden Monaten." Dazu gibt es Projekte wie Fußball für Geflüchtete, Fachtage oder Gedenkstättenfahrten wie die jährliche Fahrt der U18-Nationalmannschaft nach Israel.

Schiedsrichter sollen Drei-Stufen-Plan anwenden

Sollte es während der Spiele in den Stadien zu einem Vorfall kommen, sollen die Schiedsrichter zudem konsequent den Drei-Stufen-Plan der FIFA umsetzen. Der sieht vor, dass Unparteiische ein Spiel zunächst unterbrechen und schließlich auch abbrechen können. Kritiker bemängeln allerdings, dass dies nicht konsequent genug sei und fordern schnellere Maßnahmen.

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