07. Dezember 2019 / 20:16 Uhr

DFB streicht Zuschüsse für den Jugendfußball

DFB streicht Zuschüsse für den Jugendfußball

Jürgen Rönnau
Lübecker Nachrichten
Henry Ben Beckmann von der Regionalliga-U19 des VfB Lübeck wird von Havelses Emilio Enzi ausgebremst.
Henry Ben Beckmann von der Regionalliga-U19 des VfB Lübeck wird von Havelses Emilio Enzi ausgebremst. © 54°/Garve
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150 Millionen für Akademie-Projekt, aber keine 400 000 für die U19- und U17-Regionalliga - Auch VfB Lübeck und SV Eichede betroffen - Nordverband befürchtet Melderückgang

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Die Post, die der Deutsche Fußballbund da über seine Regional- und Landesverbände bundesweit verschicken ließ, löste bei den Empfängern Enttäuschung, Wut und Unverständnis aus. „Abschaffung des Zuschusses zur Förderung des Jugendfußballs durch den DFB“, war das Anschreiben fettgedruckt getitelt – und es richtete sich an alle aktuellen und potentiellen U19- und U17 Regionalligisten. Denn denen dreht der DFB den Geldhahn zu. Und zwar schon zur kommenden Saison 2020/21.

Slogan: "Jugend ist Zukunft" klingt wie Hohn

Bereits am 26. September hatte das DFB-Präsidium nach einer intern verordneten „Aufgabeninventur“ beschlossen, die bisher gewährten Zuschusszahlungen zur Förderung der zweithöchsten Junioren-Spielklassen ab der Saison 2020/2021 nicht mehr zu gewähren. Hintergrund seien laut DFB „absehbare erhebliche strukturelle Defizite“ – sprich: der reiche Verband, der gerade 150 Millionen Euro in sein Prestigeobjekt „Akademie“ investiert, hat nicht mehr genügend Geld, um die leistungsorientierte Basis wie bisher mit rund 400 000 Euro pro Saison zu unterstützen. Slogans wie: „Die Jugend ist unsere Zukunft“ klingen da wie Hohn.

Angst um Gemeinnützigkeit und vor dem Finanzamt?

Offenbar fürchtet der DFB, der zuletzt auch um den Status der Gemeinnützigkeit bangen musste, aber auch den Fiskus. Denn Verbands-Vizepräsident Ronny Zimmermann weist in dem Zusammenhang der Streichung auch darauf hin, dass die „Nachweisführung zur Verwendung der Zuschüsse ausschließlich im ideellen Bereich aktuell zu erheblichen Problemen“ führe. Zudem bedauert der DFB, dass die U19- und U17-Regionalligen nicht „zum Kerngeschäft“ des Verbandes zählen.

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DFB kümmert sich nur noch um Jugend-Eliteligen

In der Tat sind die beiden betroffenen Spielklassen den Regionalverbänden (im Norden dem NFV) zugeordnet, während der DFB die Premiumklassen A- und B-Jugend- Bundesliga betreibt. Und da wird das Problem deutlich. Die Eliteligen werden fast ausschließlich von den millionenschweren Profiklubs mit ihren Nachwuchsleistungszentren bestückt, in den darunter liegenden Regionalligen dagegen mühen sich die „Kleinen“ mithalten zu können, Leistungsfußball anzubieten.

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Lübecks Robin Bonilla Szelitzki sieht sich mit Chadi Abdel-Wahed (r.) und Jannis Neugebauer (l.) mit gleich zwei Havelsern konfrontiert.  ©

NFV: Einige Vereine werden nicht mehr melden

Die Schere ist groß – und sie wird größer, wie man auch beim NFV ahnt. „Es ist damit zu rechnen, dass einige Vereine die für den Spielbetrieb benötigten Gelder nicht aufbringen können und aus diesem Grund nicht für die A- und B-Junioren Regionalliga 2020/21 melden werden“, meint Walter Fricke, Vorsitzender des NFV-Jugendausschusses. Darum hat er alle betroffenen Klubs angeschrieben. Bis zum 10. Dezember sollen sie dem NFV mitteilen, ob sie unter den neuen Voraussetzungen in den Regionalligen starten wollen.

VfB Lübeck empört, SV Eichede besorgt

Der VfB Lübeck wird darauf positiv antworten – auch wenn Vorstand Florian Möller den Weg, den der DFB geht, „empörend und nicht nachvollziehbar“ nennt. Es werde immer deutlicher, dass sich DFB und DFL ein geschlossenes System basteln, in das es immer schwerer werde, hineinzukommen. Olaf Gehrken, Vorsitzender des SV Eichede, hat sich „nur eine Stunde nach Erhalt des Briefes“ direkt hingesetzt und dem Landesverband SHFV dazu umfangreich seine Gedanken mitgeteilt. „Grundsätzlich sehe ich die Entwicklung mit großer Sorge“, sagte er den Lübecker Nachrichten. Aber natürlich werde man Mittel suchen und Wege finden, in der Regionalliga zu spielen,“wenn wir uns dafür sportlich qualifizieren“.

Krisensitzung in Barsinghausen

Der NFV, einer der ärmeren Regionalverbände mit einem Haushaltsvolumen von rund 1,6 Millionen Euro, will nun darüber beraten, wie er seinen Vereinen finanziell helfen kann. In der kommenden Woche wird dies auf der Tagesordnung stehen, wenn sich die Verbandsspitze in Barsinghausen treffen wird.