14. Oktober 2019 / 11:42 Uhr

DFB-Team: Das sind die Gewinner und Verlierer nach den Spielen gegen Argentinien und Estland

DFB-Team: Das sind die Gewinner und Verlierer nach den Spielen gegen Argentinien und Estland

Patrick Strasser
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Das sind die Gewinner und Verlierer unter Bundestrainer Joachim Löw bei der deutschen Nationalmannschaft. 
Das sind die Gewinner und Verlierer unter Bundestrainer Joachim Löw bei der deutschen Nationalmannschaft.  © imago
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Mit dem 3:0-Sieg in der Qualifikation gegen Estland hält die deutsche Nationalmannschaft weiter Kurs auf die EM. Welche Spieler konnten sich in den Vordergrund spielen? Wer gehört zu den Verlierern im Team von Bundestrainer Joachim Löw?

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Joachim Löw verordnete sich nach dem aufregenden Tag in Tallinn erst einmal eine bemerkenswert pragmatische Portion Realismus: „Wir haben drei Treffer erzielt, kein Tor kassiert und drei Punkte eingefahren.“ Das war das Mindestziel beim 3:0 im EM-Qualifikationsspiel gegen Estland, den 102. der Fifa-Weltrangliste. Für die Teilnahme an der Endrunde in 12 europäischen Städten im Juni/Juli 2020 sieht der Bundestrainer keinerlei Gefahr mehr nach dem fünften Erfolg im sechsten Spiel (nur gegen die Niederlande verlor man zu Hause 2:4). „Die Ausgangslage hat sich nicht geändert“, so Löw, „wir müssen die beiden letzten Spiele gewinnen und werden sie auch gewinnen und uns qualifizieren. Die beiden Heimspiele gegen Weißrussland (16. November in Mönchengladbach) und Nordirland (19. November in Frankfurt).

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Doch wer sind die Gewinner und Verlierer des Länderspiel-Doppelpacks im Oktober? Vor dem 3:0 gegen die Esten hatte man sich freundschaftlich mit Argentinien gemessen – und ein einigermaßen respektables 2:2 erreicht. Mit einer sehr guten ersten und einer schwächeren zweiten Halbzeit.

Die Gewinner

Manuel Neuer: Durfte im wichtigeren EM-Qualifikationsspiel ran, der Nationaltorhüter betonte selbst, dass es da ja um Punkte geht. Bekam gegen die Esten mehr zu tun als vorher erwartet, hielt seinen Kasten in den kniffligen Auswärtsspielen der Quali sauber – wie auch zuletzt in Weißrussland (2:0) und Nordirland (2:0). Löw erklärte erneut, dass der Bayern-Profi seine klare Nummer eins sei. Nach dem Estland-Spiel tätschelte ihm Löw während eines Interviews am Nacken, sagte: „Gut gemacht, Manuel.“ Der Torwart grinste.

Nationalmannschaft: Nach Rot-Schock 3:0 in Estland

Serge Gnabry: Bei jeder Pressekonferenz steigt der Wert und das Ansehen des Bayern-Stürmers. Und gerade, weil er nach seiner Gala samt Traumtor gegen Argentinien in Tallinn kurzfristig verletzt ausfiel (muskuläre Probleme), wurde offensichtlich, wie sehr der 24-Jährige gebraucht wird im DFB-Team. „Wenn er fit ist, muss er auf dem Platz stehen“, hatte Löw gesagt, „Serge hat alle Veranlagungen, um auf allerhöchstem Niveau zu spielen.“ Am Tag vor dem Spiel hatte der Bundestrainer ausgeführt, dass er Gnabry, damals erst 18 Jahre jung, mit in den Kader für die WM 2014 nehmen wollte. Er sei vom Teenager des FC Arsenal und dessen ersten Einsätzen in der Premier League beeindruckt gewesen, doch dann verletzte sich Gnabry am Knie und fiel monatelang aus.


Ilkay Gündogan: Abseits seines umstrittenen und wieder zurückgenommenen Likes rund um den Syrien-Krieg der Türkei zeigte der Mittelfeldspieler in Abwesenheit von Toni Kroos eine starke Leistung, entschied die Partie dank seiner beiden abgefälschten Schüsse zur 2:0-Führung. Vor allem in der zweiten Halbzeit, als Joshua Kimmich in die Viererkette zurückbeordert wurde. „Auf dem Platz hat Ilkay ein klares Statement für Deutschland abgegeben mit seinen zwei Toren und wie er die Mannschaft geführt hat“, lobte ihn Löw. Gündogan hat seinen Platz im EM-Kader sicher.

Internationale Pressestimmen zum DFB-Erfolg gegen Estland

Ilkay Gündogan hat die deutsche Nationalmannschaft mit zwei Toren zum wichtigen Sieg in Estland geschossen - nachdem er zuvor für eine Kontroverse gesorgt hatte. Der <b>SPORT</b>BUZZER hat die Reaktionen der internationalen Presse zusammengestellt. Zur Galerie
Ilkay Gündogan hat die deutsche Nationalmannschaft mit zwei Toren zum wichtigen Sieg in Estland geschossen - nachdem er zuvor für eine Kontroverse gesorgt hatte. Der SPORTBUZZER hat die Reaktionen der internationalen Presse zusammengestellt. ©

Die Verlierer

Marc-André ter Stegen: Hielt beim 2:2 gegen Argentinien, was zu halten war. Bei den Gegentreffern war er machtlos. Verhielt sich im Duell um die Nummer eins mit Manuel Neuer völlig korrekt und kollegial. „Im zwischenmenschlichen Bereich gibt es überhaupt keine Probleme“, sagte Löw, „sie gehen gut miteinander um.“ Fraglich, ob der Weltklasse-Torhüter vom FC Barcelona in den November-Länderspielen (zwei Mal Quali) eine weitere Chance bekommt.

Emre Can: Schnellstes Rot der Länderspiel-Geschichte für den Juventus-Profi, der nach 14 Minuten per Grätsche am Strafraum die Notbremse zog. „Die Rote Karte hat unserem Spiel natürlich schon geschadet, da mussten wir uns erstmal fangen“, bekannte Abwehrchef Niklas Süle. Für Löw war die Rote Karte berechtigt. „Ich war eher am Ball, es war meine Schuld“, bekannte Can, der nun für mindestens ein Quali-Spiel gesperrt werden wird – eher zwei. Damit ist das Länderspieljahr nach seinem überraschenden Comeback und der ansprechenden Leistung in der Dreierkette gegen Argentinien schon wieder gelaufen. Rein sportlich gesehen.

DFB-Team in Noten: Die Einzelkritik zum Sieg gegen Estland

Patrick Strasser hat die Leistungen der DFB-Akteure im Spiel gegen Estland für den SPORTBUZZER bewertet. Zur Galerie
Patrick Strasser hat die Leistungen der DFB-Akteure im Spiel gegen Estland für den SPORTBUZZER bewertet. ©

Ilkay Gündogan: Wie Can hatte auch er bei Instagram ein Foto des ehemaligen Frankfurter Bundesliga-Profis Cenk Tosun mit einem Like versehen. Darauf zu sehen: Türkische Nationalspieler beim militärischen Gruß nach Tosuns 1:0-Siegtor gegen Albanien – in Bezug auf den Krieg gegen die Kurden in Nordsyrien Noch vor Anpfiff zogen beide Profis ihre Sympathie-Bekunden online wieder zurück. Die Rechtfertigungen klangen ehrlich, die Klicks hätten nichts mit Politik zu tun, beteuerten beide Profis, seien lediglich ein Dokument der Freundschaft zu Tosun gewesen. Gündogan stellte klar: „Emre und ich sind beide gegen jeglichen Terror und Krieg.“ Dennoch: das Kind war bereits in den Brunnen gefallen. Die Frage wird sein, wie sehr es beiden Spielern in der öffentlichen Diskussion schadet.