07. September 2020 / 20:39 Uhr

DFB-Team: Die fünf Erkenntnisse aus den Nations-League-Spielen gegen Spanien und die Schweiz

DFB-Team: Die fünf Erkenntnisse aus den Nations-League-Spielen gegen Spanien und die Schweiz

Patrick Strasser
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Blickte mit gemischten Gefühle“ auf die abgelaufene Länderspielwoche: Bundestrainer Joachim Löw.
Blickte mit "gemischten Gefühle“ auf die abgelaufene Länderspielwoche: Bundestrainer Joachim Löw. © dpa/imago
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Der September-Doppelpack gegen Spanien und die Schweiz endete für die deutsche Nationalmannschaft zweimal mit einem 1:1-Remis. Was muss bis Jahresende noch besser werden für die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw? Fünf Erkenntnisse aus der Woche bei der DFB-Auswahl. 

Das 1:1 im zweiten Gruppenspiel der Nations League vor der Geisterkulisse im St. Jakob-Park, der Arena des FC Basel, war aus Sicht des DFB-Teams künstlerisch ganz und gar nicht wertvoll. Zum Teil zeigten die Spieler von Bundestrainer Joachim Löw biedere Hausmannskost, es reichte nur zu einem Punkt bei den Eidgenossen. Wie drei Tage zuvor in Stuttgart gegen Spanien (1:1) verspielte man wieder eine Führung. Diesmal allerdings nicht in allerletzter Sekunde durch einen unglücklichen Treffer, die deutsche Nationalmannschaft schlitterte beinahe sogar in eine Niederlage. Das zweite Länderspiel des Jahres brachte "gemischte Gefühle“, so Löw. Was muss mit Blick auf die noch ausstehenden sechs (!) Partien bis Jahresende besser werden bei der Nationalelf? Welche Erkenntnisse zieht Löw aus dem September-Doppelpack?

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1. Die fehlende Reife: "Das Spiel kann man eigentlich 2:0 oder 3:0 gewinnen. Wir hätten es eiskalt durchspielen müssen“, schimpfte Ilkay Gündogan, der Torschütze zum 1:0 nach der Partie am ZDF-Mikrofon. Gündogan wurde deutlich, ungewohnt emotional: "Ich bin etwas angepisst. Wir haben Bälle verloren, die wir ganz leicht festmachen können. Beim Gegentor haben wir den Ball schon gesichert und spielen ohne Bedrängnis einen Fehlpass. Sowas darf auf dem Niveau nicht passieren. Das ist ärgerlich und geht mir auf den Sack.“ Sah auch Löw so: "Wenn man dann das 2:0, das mehr Sicherheit gegeben hätte, nicht macht, lässt man den Gegner wieder ins Spiel.“ Nur Fahrlässigkeit? Sorglosigkeit? "Ich weiß nicht, ob es eine Qualitätsfrage ist, aber daran müssen wir arbeiten“, meinte Gündogan (Manchester City) wütend.

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2. Lautsprecher gesucht: Der neu zusammengestellten Mannschaft fehlten Lautsprecher, Antreiber. Kapitän Toni Kroos, technisch der beste Fußballer des Landes, diesmal Aushilfskapitän, ist nicht der exzentrische Charakter. Es war schlicht zu ruhig, zu leise auf dem Platz. Was Löw erkannte. "Manche sind etwas zurückhaltend, da können wir uns verbessern“, sagte der Bundestrainer, „es ist eine Sache der Reife. Sich gegenseitig zu coachen gibt Energie, ist eine große Hilfestellung.“ Löw habe das bereits in der vergangenen Woche im Mannschaftskreis thematisiert. Unterm Strich waren die beiden Länderspiele ein Rückschritt, bringen aber eine wichtige Erkenntnis: Vor allem Kapitän Manuel Neuer und Joshua Kimmich, der Kapitän der Zukunft werden gebraucht. Zwei impulsive, lautstarke Spieler. Dann ist Schluss mit leise. "Das wird besser im Oktober, dann wird’s wieder lauter“, versprach Löw.

3. Der Bayern-Block wird vermisst: Neben Torhüter Neuer und Sechser Kimmich fehlten Serge Gnabry und Leon Goretzka. Die Champions-League-Helden aus München steigen erst diese Woche nach einem zweiwöchigen Urlaub wieder ins Training ein. Das Quartett bildet ein wichtiges Gerüst, das nicht nur für Qualität, sondern auch für Führungsstärke und lautstarkes Auftreten auf dem Platz steht. An deren Seite dürfte auch Bayer Niklas Süle, gegen die Schweiz mit ein paar Wacklern als Chef der Dreierkette, noch besser performen.

Timo Werner tauchte gegen die Schweiz ab

4. DFB hat kein Torhüter-Problem: In Abwesenheit der Weltklasse-Keeper Neuer und Marc-André ter Stegen (am rechten Knie operiert, fällt bis November aus) nutzten Kevin Trapp und Bernd Leno ihre Chance, konnten sich beweisen. Sowohl der Torhüter aus Frankfurt wie der des FC Arsenal zeigten mit guten Leistungen, dass auf sie Verlass ist. Der Kampf um die Nummer drei bei der EM 2021 ist entbrannt.

5. Vorne fehlt Durchschlagskraft: Timo Werner, Chelseas Neuzugang, traf gegen Spanien, tauchte in Basel ab. Leroy Sané zeigte bei seinem Comeback gute Ansätze. Doch ihre volle Offensivpower wird diese Mannschaft erst mit der Rückkehr von Flügelstürmer Gnabry, unter Löw oft zentral eingesetzt, und Kai Havertz entfalten, der am Wochenende seinen Wechsel zu Chelsea fixierte. Löw sagte kämpferisch: "Im Oktober, wenn wir wieder mit voller Kapelle auftreten können, werden wir wieder richtig angreifen.